Vegesacker suchen mit einem „Fest der Vereine“ einen Weg gegen den Abwärtstrend Schützenfest mit Kaninchen und Chor

Das traditionelle, leicht angestaubte Flair der Schützenvereine schreckt Nachwuchs ab. Dies manifestiert sich auch im abflauenden Interesse an den Schützenfesten in Bremen-Nord und umzu. Um diesem Trend entgegenzuwirken, verabschiedet sich der Vegesacker Schützenverein vom traditionellen Schützenfest und organisiert jetzt ein "Fest der Vereine". Mit Chor und Kaninchenzüchtern.
30.05.2013, 05:00
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Von Imke Molkewehrum

Das traditionelle, leicht angestaubte Flair der Schützenvereine schreckt Nachwuchs ab. Dies manifestiert sich auch im abflauenden Interesse an den Schützenfesten in Bremen-Nord und umzu. Um diesem Trend entgegenzuwirken, verabschiedet sich der Vegesacker Schützenverein vom traditionellen Schützenfest und organisiert jetzt ein "Fest der Vereine". Mit Chor und Kaninchenzüchtern.

Vegesack. Gemeinsam mit der Siedlergemeinschaft Aumund, dem SV Eintracht Aumund, dem Seemannschor Vegesack, dem Kaninchenzuchtverein HB17 und der Kampfsportschule ATKS Blumenthal richten die Schützen am 22. und 23. Juni das erste Fest der Vereine aus. Mitmachen wollen außerdem die freien Turner Hammersbeck und die Freiwillige Feuerwehr Schönebeck. Veranstaltungsort ist der Schützenplatz in der Hermann-Löns-Straße.

Die Frischzellenkur für das Schützenfest haben die erste Vorsitzende Gaby von Roden und der Sportleiter Georg Veltl maßgeblich vorangetrieben, um ein Festprogramm anbieten zu können, das die Besucher reizt und anlockt. "Und die eingebunden Vereine "haben ein Interesse an gemeinschaftlichen Aktivitäten und einem gemeinsamen Auftreten", betont Georg Veltl in seiner Funktion als Pressereferent der Vegesacker Schützen. Allein die Siedlergemeinschaft Aumund habe rund 1500 Mitglieder und immer Sinn für Aktionen, die anderen Menschen Freude bringen, so Veltl. Die Interessengemeinschaft verfolge aber einzig das Ziel, einmal pro Jahr ein attraktives Fest zu organisieren.

Geschossen wird trotz des neuen Ansatzes. Ein Novum ist in diesem Jahr beispielsweise das Vergleichsschießen für Vereine, Firmen und private Gruppen am Sonnabend, 22. Juni, ab 14 Uhr. Ohne vorherige Anmeldung können Interessierte daran teilnehmen und am Luftgewehr die beste Schützenmannschaft ermitteln. Auch einzelne Personen können spontan in der Klasse für Einzelschützen mitmachen. Parallel dazu finden die regulären Schießwettbewerbe der Schützen in einer eigenen Klasse – jenseits der Laien – statt.

Die Kaninchenzüchter sorgen für einen Streichelzoo mit Kaninchen, Schafen und Ziegen. Außerdem gibt es ein Fußballspiel der Eintracht Aumund und ein Torwandschießen. Sollte es regnen, findet das Fest in der Schützenhalle statt. Das gilt auch für die Tanzveranstaltung am Sonnabend, von 19 bis 24 Uhr. "Wir wollen unsere Nachbarn nicht über Gebühr strapazieren, deshalb ist um Mitternacht Schluss", so Veltl.

Interesse am Bogenschießen

Zum Frühschoppen am Sonntag spielt ab 11 Uhr das Blasorchester der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack. Geplant sind außerdem Wasserspiele der Feuerwehr Schönebeck und Vorführungen der Turner Hammersbeck. "Form und Inhalt der traditionellen Schützenfeste rüberzubringen, ist in der heutigen Zeit sehr schwierig", erläutert Georg Veltl mit Blick auf das neue Konzept des Festes. Zwar seien rund 70 Prozent der Schützenvereine zwischen 1848 und 1855 gegründet worden, um gegen die absolutistische Obrigkeit zu agieren, die antiquierten Uniformen schreckten heutige Jugendliche jedoch ab. Veltl: "Es muss wirklich kein Gamsbart mit Federn mehr sein." Der Sportleiter besitzt selbst keine Schützentracht und trainiert in Sportkleidung: "Ich kann Uniformen nicht viel abgewinnen. Bei Schützenfesten trage ich Sakko und Krawatte."

Dass den Schützenvereinen der Nachwuchs fehle, führt der 58-Jährige aber auch auf das mangelnde Durchhaltevermögen vieler Jugendlicher zurück. "Die sind nicht bereit, sich langfristig einer Aktivität zu verschreiben", wollten heute skaten, morgen surfen und übermorgen Hip-Hop tanzen. Zu beobachten sei das auch bei den 20 jugendlichen Schützen im Verein. "Anfangs sind die unheimlich euphorisch, aber wenn die Leistung stagniert, werden sie unruhig und bleiben irgendwann weg." Viele würden sich aber jetzt dem Bogenschießen widmen. "Das ist auch eine olympische Disziplin und momentan der Hype", so Veltl. Deshalb werde die Bogenanlage auch noch ausgebaut.

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