U18-Wahl

Das Wählen üben - Initiative gibt Minderjährigen eine Stimme auf Probe

Junge Menschen für Politik auf Bundesbene interessieren und politisch bilden: Das wollen die Initiatoren der U18-Wahl. Am 17. September können sich daran auch alle jungen Bremer unter 18 Jahren beteiligen.
15.09.2021, 15:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Judith Kögler
Das Wählen üben - Initiative gibt Minderjährigen eine Stimme auf Probe

Unter dem Motto "Du hast eine Stimme. Lass sie raus" will die Initiative U18-Wahl Minderjährige für die Bundestagswahl sensibilisiern.

Deutscher Bundesjugendring

Vegesack. Am 26. September ist die Bundestagswahl. Ein wichtiges Datum, an dem alle Wahlberechtigten ihre politische Stimme abgeben können. Eine bedeutende Voraussetzung, um zu diesem Wahlberechtigten zu gehören, ist seit 1970 die Volljährigkeit. Wer das 18. Lebensjahr jedoch noch nicht vollendet hat, muss sich normalerweise noch in Geduld üben. Normalerweise.

Denn am 17. September findet wieder bundesweit die sogenannte U18-Wahl statt. Sie richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche und wird immer neun Tage vor offiziellen Wahlterminen wie den Landtagswahlen, der Europawahl und eben auch der Bundestagswahl abgehalten. "Die U18-Wahl ist eingebettet in die politische Bildung. Die Initiative soll jungen Leuten, die noch keine Stimme haben, in ganz Deutschland zu einer selbstbestimmte Meinungsbildung und einer Auseinandersetzung mit dem politischen System verhelfen", sagt Ramona Ruf, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Bremer Jugendrings, der die Wahl mitorganisiert. So können in Vegesack unter 18-Jährige im Wahllokal des Freizi Alt-Aumund im Aumunder Heerweg 89 von 8 bis 18 Uhr den Ernstfall üben. Auch Kinder und Jugendliche ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind willkommen, denn mitmachen können ausnahmslos alle Minderjährigen, die sich in Deutschland aufhalten.

Lesen Sie auch

"Die Wahl hat selbstverständlich keine direkten Auswirkungen auf die tatsächliche Bundestagswahl", erklärt Ruf. Sie erhoffe sich aber, dass durch die U18-Wahl ein Zeichen für die Herabsetzung des Wahlalters gesetzt werden kann. "Auch junge Leute haben eine politische Meinung und können sich politisch engagieren, wenn man ihnen die Chance dazu gibt. Kinder und Jugendliche werden in der derzeitigen Politik zu wenig berücksichtigt", so die Referentin weiter. Nicht zuletzt ist gerade diese Generation von vielen politischen Themen wie dem Klimawandel, der Bildungspolitik und dem Rentensystem primär betroffen, sodass ein Mitbestimmen ab 16 auch auf Bundesebene wünschenswert wäre.

Und so lange dieses Ziel noch nicht erreicht ist, sollen die Minderjährigen durch die U18-Wahl auf ihre Zeit als Wahlberechtigte vorbereitet werden. "Die Wahl findet überwiegend in den verschiedenen Jugendfreizeiteinrichtungen hier in Bremen statt. Die Jugendlichen organisieren diesen Tag oft selbst, basteln Wahlurnen und schmücken die Einrichtungen. Außerdem werden die einzelnen Parteiprogramm hinterfragt und verglichen", erzählt Ruf. Am eigentlichen U18-Wahltag erhalten sie dann zusätzliches Informationsmaterial, können Ansprechpartnern vor Ort Fragen stellen und klar, auch ihr Häckchen setzen - wie bei einer echten Wahl. Ein offizielles Ergebnis gibt es am Ende des Tages nach ordnungsgemäßer Auszählung natürlich ebenfalls. Und dieses unterscheide sich zumeist von dem der älteren Generationen. "Die Wahlergebnisse der letzten Jahre haben da auf jeden Fall deutliche Differenzen gezeigt", weiß die Beauftragte des Bremer Jugendrings zu berichten. Für die Zukunft wünscht sich Ruf, dass bremenweit noch mehr Jugendliche auf die Initiative aufmerksam werden, auch außerhalb der Freizis. "Es ist einfach ein tolles außerschulisches Angebot, das einen niedrigschwelligen Zugang zum politischen System bietet. Außerdem können die eigenen Themen erkannt und untereinander diskutiert werden", fasst sie zusammen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+