Stadtbibliothek Vegesack Schwere Literatur

Vorwiegend in schwarz und weiß präsentiert sich Vegesacks Stadtbibliothek in Kürze ihren Kunden. Das Farbkonzept erinnert an die Seiten eines Buchs. Zurzeit werden die 35.000 Medien aber erstmal einsortiert.
21.03.2021, 10:00
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Schwere Literatur
Von Patricia Brandt

Im oberen Stockwerk kreischt eine Kreissäge, im Erdgeschoss dröhnt der Bohrer. Dirk Schrefer, Handwerker aus Grasberg, schraubt die letzten schwarzen Außenplatten an die Fassade der sanierten Stadtbibliothek. Zwischendurch muss er Möbelpacker vorbeilassen. 35.000 Medien werden dieser Tage aus dem Übergangsquartier wieder an ihren angestammten Platz am Aumunder Heerweg 87 gebracht.

Tür auf, Tür zu. Die neue Schiebetür steht in diesen Tagen kaum still. Jedes Mal, wenn sie aufgeht, dringen kalter Wind und Verkehrslärm von der Straße in den Eingangsbereich. Diesmal eilt Bibliotheksleiter Martin Renz an dem aufgeklappten Werkzeugkoffer vorbei. Nachdem das Haus im Dezember 2019 erst komplett ausgeräumt wurde, wird es nun wieder eingeräumt und Martin Renz funktioniert als Schnittstelle zwischen Packern, Handwerkern und Bibliotheksmitarbeitern. Wie seit Monaten.

Fast anderthalb Jahre dauerte die Umbauzeit. Die Bauherrin, die städtische Liegenschaftsverwaltung Immobilien Bremen (IB), beziffert die Kosten mit 1,5 Millionen Euro. Büchereileiter Martin Renz deutet auf die neue Ausleihe, einen hölzernen Tresen, vor dem sich an diesem Vormittag meterhoch nummerierte Kartons stapeln. „Das Holz ergänzt die Farbgebung“, meint Martin Renz. Die Bremer Architektin Claudia Gräfe setzte auf schwarz und weiß – wie die Seiten eines Buches.

Moderner und heller zeigt sich die sanierte Bücherei. Der alte Teppich ist raus und die Decke wurde mit Holzwolle-Leichtbauplatten abgehängt, sogenannten Sauerkrautplatten. Kabel führen durch Edelstahlrohre. Durch die neuen Oberlichter fällt jetzt mehr Tageslicht, das auf den Hüllen der Yoga- und Pilates-DVD reflektiert. „Wir sind total zufrieden“, schwärmt der Büchereileiter. Die Oberlichter ließen sich anders als vorher auch zum Lüften öffnen. Martin Renz hofft, dass sich das Gebäude in diesem Sommer nicht mehr so stark aufheizen wird. In der Vergangenheit war das anders: „An einem Tag im Sommer war es in meinem Büro so heiß, dass der PC kaputt gegangen ist, überhitzt“, berichtet Martin Renz.

Heller wirkt die Bibliothek auch durch eine neue Lichtinstallation im Lichthof der Bibliothek: Zwischen den Fliesenreliefs aus den Sechzigern hängen nun Lichtröhren an Fäden.

„Inhaltlich bleibt die alte Aufteilung“, sagt Renz bei einem Rundgang durchs Gebäude. Unten finden erwachsene Nutzer Medien, oben werden Bilderbücher und Mangas für Kinder und Jugendliche einsortiert. Im oberen Stockwerk sägen die Handwerker gerade Holz zu. Auf die Heizkörper wurden bereits Platten als Sitzplätze geschraubt. Wer hier sitzt, schaut durch bodentiefe Fenster auf Bauzäune und Baufahrzeuge. Im Verlauf des Frühjahrs soll auf den gut 600 Quadratmeter Fläche zwischen Bücherei und Schule ein Bibliotheksgarten entstehen. „Wir wollen mit der VHS zusammenarbeiten, die hier Kurse anbieten kann“, sagt Renz. Die Mitarbeiter stellen sich Hochbeete vor, vielleicht sollen sogar Bienen in den Bibliotheksgarten einziehen. Die Kosten, heißt es bei IB, werde das Sondervermögen für Immobilien und Technik übernehmen.

Das Dröhnen des Baggers von draußen verstummt auf dem Weg in den Keller der Bibliothek. Viel hat sich im Zuge der Sanierung verändert, das den Nutzern nicht unbedingt auffallen muss. Dazu zählt die Optimierung des Brandschutzes, das Heizungssystem und Elektroinstallationen. Martin Renz öffnet am Ende der Treppen eine Tür. Dahinter verbirgt sich eine Glasvitrine, voller Kabel und Kästen. Hinter der Scheibe blinkt ein grünes Licht. Von hier aus werden die Überwachungskameras und die Software gesteuert, die das Licht ausmacht und die Tür abschließt, wenn niemand mehr da ist“, berichtet Martin Renz.

Im Zuge der Sanierung wurde die Technik für das neue Konzept der Open Library vorinstalliert. Ab Sommer sollen die Bibliothekskunden zu bestimmten Zeiten Bücher und andere Medien ausleihen können, auch, wenn kein Personal vor Ort ist.

Noch sind viele Regale leer. Vier Tage lang sind allein für diesen Umzug angesetzt. Zwei kleine und ein großer Lkw der Möbelpacker sind an diesem Tag im Einsatz. Die Männer arbeiten schnell, bringen die Bücher vom Übergangsquartier ein paar Häuser weiter in die Stadtbibliothek. Schon nach wenigen Stunden sind ein paar Bücherkisten und einige Zimmerpalmen beinahe das einzige, das in dem früheren Fitnessstudio an das Übergangsdomizil der Bibliothekare erinnert. Dennoch wird es noch einige Zeit dauern, bis die Bibliothek an ihrem angestammten Sitz wieder öffnet, Martin Renz, der wieder am Telefon hängt, um den Ablauf zu organisieren, mag noch keine Prognose abgeben. „Es kann noch eine Menge schief gehen.“

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