Interview mit Bäderchefin Martina Baden Wie die Zukunft des Vegesacker Freizeitbades aussehen könnte

Das Freizeitbad in Vegesack ist bereits seit längerer Zeit marode. Doch bis alle Schäden behoben sind, wird es noch mehrere Jahre dauern.
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Wie die Zukunft des Vegesacker Freizeitbades aussehen könnte
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Frau Baden, im Freizeitbad Vegesack ist vieles defekt. Dass die Mängel behoben werden, ist aber nicht zu sehen.

Martina Baden: Das ist richtig. Wir haben im Beirat darüber berichtet, wie der Zustand des Bades ist. Von Sportsenatorin Anja Stahmann haben wir die Zusage bekommen, dass die Politik das finanziell begleiten wird. Wir haben als Auftrag mitgenommen, die Planung und die Projektsteuerung zu vergeben. Und das wird jetzt in der Tat passieren. Das heißt, es gibt ganz viele Dinge, die im Hintergrund laufen. Wir haben die Ausschreibungen vorbereitet und das dauerte eine gewisse Zeit.

Das bedeutet, Sie sind jetzt in der Planungsphase?

Ja, Planung im weitesten Sinne. Es ist so, dass wir im Moment die Projektsteuerung und die Generalplanung auswählen und vergeben. Wenn wir das geschafft haben, geht die eigentliche Planungsarbeit los. Dann setzten wir uns gemeinsam an einen Tisch und schauen uns auf Basis der Studien, die wir haben, an, was möglich ist und was an welcher Stelle am besten später mal gebaut werden soll.

Haben Sie eine Idee, wann die Bauarbeiten beginnen können?

Das ist natürlich noch eine ganze Weile hin. Der weitere zeitliche Ablauf ist so, dass wir in diesem Jahr noch wissen, mit wem wir als Partner in das Projekt gehen. Dann werden noch die ganzen Verträge ausgehandelt. Anschließend geht die eigentliche Planung los, so dass wir, wenn alles gut geht, Ende nächsten Jahres erste Pläne in der Öffentlichkeit vorstellen können. Außerdem muss geklärt werden, welche der beiden von der Politik vorgegebenen Varianten umgesetzt wird. Nach der Ausführungsplanung stellen wir den Bauantrag, bei dem es darauf ankommt, wann er genehmigt wird. Ab diesem Zeitpunkt rechnen wir mit einer Bauzeit von 24 Monaten. Während der Arbeiten wollen wir den Standort erhalten und im Betrieb bauen. Deshalb können die Maßnahmen auch länger dauern.

Liegen denn schon alle nötigen politischen Beschlüsse vor?

Nein, in keiner Weise. Wir haben im Moment nur den Planungsauftrag zu vergeben und dafür gibt es natürlich einen politischen Beschluss.

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Entscheidet die Politik auch, wie das Freizeitbad Vegesack in Zukunft aussehen wird?

Genau. Man wird der Politik nicht alles bis ins Detail vorstellen können. Das ist auch nicht gefragt. Die Politik wird aber darüber entscheiden, ob es draußen ein Freibad oder ein ganzjähriges Außenschwimmbecken geben soll. Das ist vom Konzept her auch eine andere Nutzung, ein Außenschwimmbecken lässt sich ganz anders in den Betrieb mit einbinden, als ein Freibad.

Haben Sie eine Präferenz?

Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die ganzjährigen Außenschwimmbecken für uns natürlich eine große Entlastung sind, weil wir dann auch am Wochenende, wo wir viele Familien haben, einfach ganzjährig ein Becken mehr nutzen können. Das macht den Betrieb für uns ein bisschen einfacher.

Früher haben im Freizeitbad Vegesack auch die internationalen Schwimmfeste stattgefunden, die nun nach Delmenhorst verlagert wurden. Die Veranstalter nennen als Grund dafür gestiegene Bahnmieten.

Da war man mit uns nicht im Dialog. Wir haben davon aus der Presse erfahren. Es ist bekannt, dass wir für all unsere Wettkämpfe in erster Linie das Unibad vorschlagen, später dann das neue Horner Bad. In allen anderen Bädern genehmigen wir das, gerade, wenn die Wettbewerbe Tradition haben. Aber wir haben dann die Ausfallkosten, die wir in Rechnung stellen. Wenn wir das Bad in Vegesack anbieten, kann an dem Wochenende niemand zum öffentlichen Schwimmen kommen. Die Bahnmiete hat sich also nicht erhöht. Wir sagen nur, dass wir die Ausfallkosten von der Veranstaltern erstattet haben wollen.

Wie wird das in den kommenden Jahren sein?

Wir gehen davon aus, dass wir für die nächsten Jahre mit den Veranstaltern des Schwimmfestes in den Dialog kommen werden. Wir können anbieten, dass man, bevor man nach Delmenhorst fährt, den etwas kürzeren Weg ins Unibad wählt. Da haben wir andere Preisgestaltungsmöglichkeiten. Das Unibad ist größer und wird von der Öffentlichkeit nicht so frequentiert, wie das Vegesacker Bad.

Würden Sie es begrüßen, wenn das Schwimmfest von Delmenhorst wieder nach Vegesack zurückkehrt?

Bei uns sind die Türen offen und wir freuen uns, wenn man darüber gemeinsam einmal spricht, vielleicht auch mit dem Landesschwimmverband. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, das Fest demnächst im Unibad oder später im Horner Bad zu veranstalten. Langfristig würde ich mich schon freuen, wenn es wieder mit den Bremer Bädern in einem unserer Wettkampfbäder ausgerichtet wird.

Aber das wäre dann nicht in Vegesack?

Vegesack ist schwierig, auch preislich. Wir haben eine ganze Menge Menschen, die wenig Verständnis dafür haben, wenn die Bäder geschlossen sind. Wir haben immer wieder Wettkämpfe, auch in den anderen Bädern. Dann merken wir schon, dass die Bevölkerung sich ärgert, wenn sie vor verschlossenen Türen steht. Wir müssen da einfach verschiedene Interessen berücksichtigen und haben schließlich ein Sportbad. Und das ist der geeignete Ort dafür.

Die Besucher ärgern sich auch, wenn sie bei schönem Wetter vor verschlossenen Freibadtüren stehen. Warum können Sie die Öffnungszeiten nicht flexibler gestalten?

Die Öffnungszeiten sind schon sehr flexibel. Wir haben verlässlich im Juni, Juli und August die Freibäder geöffnet. Wir reagieren, und das haben wir im vergangenen Jahr auch bewiesen, sofort, wenn im Mai das Wetter gut ist. Da haben wir auch im Vergleich mit dem Umland am schnellsten reagiert.

Das nehmen die Besucher anders wahr.

Viele Menschen haben die Erwartung, wenn zwei Freibäder geöffnet sind, müssen alle sechs geöffnet sein. Da wird dann häufig nicht gesehen, dass im Mai vielleicht noch Bauarbeiten anstehen oder dass wir eine längere Regenperiode haben. Dann steht man auf der Liegewiese noch knöcheltief im Wasser. Und die gehört auch zum Freibad. Hinzukommt, dass unsere Bäder nicht beheizt sind. Wenn es nachts noch sehr kalt ist, ist die Wassertemperatur tagsüber entsprechend niedrig. Deshalb können wir uns nicht mit Bädern im Umland vergleichen, die vielleicht beheizt sind. Zu guter Letzt muss ich verantwortlich mit der Ressource Mensch umgehen. Unser Personal ist begrenzt und ich muss auch sehen, dass genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen, um eben auch flexibel auf das Wetter reagieren zu können.

Haben Sie genügend Personal, um Kurse wie etwa Aquafitness anzubieten?

Ja, wir haben genügend Übungsleiter, um die Kurse anzubieten. Generell leiden die Bremer Bäder aber unter dem Fachkräftemangel. Wir haben das Problem, dass sich zu wenig Menschen für den Beruf interessieren. Wir bilden aus und freuen uns über jeden, der sich bei uns meldet. Wir würden uns aber wünschen, dass sich mehr Menschen für die Arbeit im Schwimmbad interessieren. Wir haben nicht zu wenig Übungsleiter für das derzeitige Angebot, aber insgesamt zu wenig Bewerber für die Zukunft.

Das Interview führte Aljoscha-Marcello Dohme.

Info

Zur Person: Martina Baden ist seit 2012 Geschäftsführerin der Bremer Bäder. Zuvor war sie sieben Jahre lang als Kurdirektorin im Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel tätig. Baden studierte BWL und ist Diplomkauffrau.
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