Restaurantbesprechung Blaufeuer: Geschmackliche Kreativität, die auf der Strecke bleibt

Das Restaurant Blaufeuer befindet sich im Steigenberger-Hotel. Der Name weckt gewisse Erwartungen. Doch es gibt eher solide, bodenständige Küche, die sehr gediegen präsentiert wird.
02.08.2018, 11:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Blaufeuer: Geschmackliche Kreativität, die auf der Strecke bleibt
Von Marcel Auermann

Zweiertischchen an Zweiertischchen, Vierertischchen an Vierertischchen. Den Weg zum Platz schlängelten wir uns durch die Reihen und passten auf, dass wir nichts zu Boden rissen. Im Restaurant Blaufeuer geht es eng zu. Dementsprechend nah saßen uns unsere Nachbarn auf der Pelle. Privatsphäre sieht anders aus. Was einem beim Frühstück (dieses Lokal dient dem Steigenberger-Hotel auch als Frühstücksraum) vielleicht nicht so stört, ist abends eher unangenehm, wenn man sich angeregter unterhält und doch ein wenig für sich sein möchte. Möglicherweise reden die Gäste deshalb so wenig, bezahlen sie, sobald sie gegessen und den letzten Schluck ausgetrunken haben – und gehen. Zwischendurch gaben die großen Panoramafenster den Blick auf die glitzernde Weser und die Überseestadt frei. Die Mondänität wurde allerdings immer wieder gebrochen.

Gradlinig und ohne viel Schnickschnack

Etwas irritiert schauten wir in die arg reduzierte Karte. Es befanden sich neben Fleisch und Fisch vom Grill lediglich vier Hauptspeisen darauf. Darunter befanden sich Ochsenbäckchen und Wiener Schnitzel. Also nicht gerade Gerichte, die vor Kreativität sprühten. Dass es hier sehr gradlinig und ohne viel Schnickschnack zugeht, zeigte sich später auch auf den Tellern, wo die einzelnen Zutaten schön geordnet zu finden waren. Hier das Fleisch beziehungsweise der Fisch, dort die Beilage und brav im Schälchen der Salat. Alles ohne Girlanden präsentiert – gut und solide. Nicht mehr.

Lesen Sie auch

Mit Dreierlei vom Matjes (13 Euro) regte meine Begleitung ihren Hunger an. In drei Schälchen gab es den Fisch einmal in einer samtigen Curry-Buttermilch, einmal mit Kräutern und Zitrone und einmal mit Bohnen und Speck. Dazu legte die Küche ein paar Scheiben eines saftigen Schwarzbrots und Toast, der nicht hätte sein müssen. Ich entschied mich für das Tatar vom Feersisch Rinderfilet, das wahrlich seine 15 Euro wert war. Das feine Fleisch kam erst durch die Sommer-Trüffel-Mayonnaise zur Geltung, was insgesamt zu einem cremigen Mousse führte. Die säuerlich eingelegten Waldpilze brachten eine schöne Frische in den Gang, die der Riesling vom Weingut Rieger aus der Pfalz (0,2 Liter für 8 Euro) unterstrich.

Ein mächtiges Kotelett vom Landuro Schwein (17 Euro) hatte meine Begleitung als Hauptgang vor sich, das ein schönes Aroma besaß. Die kräftige Fettschicht transportierte den Eigengeschmack des Fleischs erst richtig. Die hausgemachte Kräuterbutter zeigte sich mit einer sehr zurückhaltenden Würze, ebenso wie der Coleslaw, der für drei Euro extra hinzukam. Auf meinem Steingutteller in Türkis lag ein Stück gebratenes Zanderfilet, das ich mir etwas glasiger gewünscht hätte. Apart klang die Krabben-Speck-Butter, die der Koch dazu reichte, aber eher wenig Geschmack ins Spiel brachte. Wässrig schmeckte der Gurken-Dill-Salat. Ja, Gurken sind schwierig und ziehen noch ordentlich nach. Aber wer das beachtet, kann die Scheiben mit einem feinen Dressing zu geschmacklichen Höhen führen. Völlig angetan war ich von den Bratkartoffeln, die nicht wie üblich fein geschnitten in die Pfanne kamen, sondern der Koch grob halbiert und geviertelt mit Kräutern und einer guten Prise Salz schwenkte.

Nicht alle Gänge steigenberger-würdig

Nachdem wir von unseren Hauptgerichten etwas gelangweilt hinaus auf den schönen, glutroten Sonnenuntergang über der Weser schauten, entschieden wir uns zu Desserts, die uns in den tropischen Abend entlassen sollten. Meine Begleitung bekam ein schön schaumiges Zartbitter-Schokoladenmousse (7 Euro) und dazu ein etwas wässrig geratenes Espresso-Eis. Für mich gab es eine Birnen-Mandel-Tarte aus Blätterteig (7 Euro), die mich jubilieren ließ: so karamellig, noch so schön lauwarm, so kross an einigen Stellen und dazu ein schmelzendes, rahmiges Vanilleeis. Perfekt! Warum konnten nicht alle Gänge und Speisen von dieser Qualität sein? Das wäre steigenberger-würdig.

Lesen Sie auch

Fazit: Das Restaurant Blaufeuer befindet sich im Steigenberger-Hotel. Der Name weckt gewisse Erwartungen, die sich noch mehr verfestigen, wenn man weiß, dass Küchenchef Daniel Bonner bereits in Jamie Olivers Restaurant „Fifteen“ in London arbeitete. Als Gast denkt man dann an Kreativität, an Exklusives, an Ausgefallenes, an eine gehörige Portion Finesse, vielleicht ja auch an die ein oder andere spleenige Geschmacksexplosion. Doch es gibt eher solide, bodenständige Küche, die – keine Frage – gut ist und sehr gediegen präsentiert wird.

Weitere Informationen

Blaufeuer, Am Weser-Terminal 6, 28217 Bremen, Telefon: 0421 478370, Öffnungszeiten: täglich von 12 bis 14 Uhr und Montag bis Sonnabend von 18 bis 22 Uhr, barrierefrei, Internet: www.steigenberger.de

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+