Restaurantbesprechung

Feine Küche in Bremens Toplage

Das „Feines“ in Bremen-Mitte ist entgegen seinem Namen nicht zu überkandidelt, bietet aber eine sehr hochwertige Küche zu angenehmen Preisen.
19.07.2018, 11:00
Lesedauer: 3 Min
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Feine Küche in Bremens Toplage
Von Marcel Auermann

Ein Restaurant, das sich schlicht „Feines“ nennt, setzt die eigenen Maßstäbe ziemlich hoch. Der Gast denkt aber auch gleich in Kategorien wie: edel, teuer, steif, ja vielleicht sogar hochnäsig, snobistisch. Doch all das traf bei unserem Besuch nicht zu. Wir hatten reserviert und wurden recht locker in den Keller gelotst: „Suchen Sie sich einfach einen Tisch aus.“

Das klang erst einmal richtig gönnerhaft. Doch bei einem Lokal, das sich im Kellergewölbe des Schütting eingenistet und im Hauptraum gerade einmal rund sieben Tischchen zur Verfügung hat, fiel die Wahl gar nicht so schwer. Vier Tische waren schon besetzt, einer davon befand sich beengt in der Ecke. Also hatten wir unseren Platz schnell gefunden.

Der Kellner kam zügig mit einer Karte herbei, die aber nur aus einem zweiseitig bedruckten Papier bestand, auf dem Essen und Getränke aufgeführt waren. Dagegen ist nichts zu sagen, weil sich später zeigte, dass die „fein“ ausgewählten Gerichte dementsprechend gut und vor allem frisch zubereitet waren. Noch ein weiterer Aspekt fiel uns positiv auf: Trotz der 1 A-Lage direkt am Marktplatz bewegen sich die Preise etwa für Hauptgerichte bei Plusminus 20 Euro. Das ist für diese Qualität wirklich hervorzuheben.

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Lediglich die Steaks reichen an oder über die 30-Euro-Marke. Kein Wunder verirren sich in das Restaurant bis kurz vor Ende immer wieder Gäste, gerne auch Touristen – wie an diesem Abend aus Nordrhein-Westfalen und Holland. Allerdings führt die Beschaffenheit des Kellerraumes dazu, dass die Lautstärke in den Räumen schnell nach oben schnellt, wir uns am Tisch etwas unserer Privatsphäre beraubt fühlten und dann und wann wiederholen mussten, was wir uns sagten, weil es im Gemurmel und Gelächter der anderen Gäste unter ging.

Dass der Service erfrischend hemdsärmelig, aber deshalb kein bisschen unfreundlich daherkommt, zeigte sich schon beim Servieren der kleinen Brötchen in Form von Bällchen und der Paprikatomatenkräuterbutter. Der Kellner stellte einfach das Körbchen mit dem Porzellanschälchen Butter auf den Tisch. Zack, da hatten wir’s! Dazu ließen wir uns einen schön gekühlten, fruchtigen, leicht öligen Grauburgunder des Weinguts Gutzler aus Gundheim schmecken (0,2 Liter für 5,90 Euro).

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Beeindruckt zeigte sich meine Begleitung von der Vorspeise. Das Tatar vom Yellowfin-Tuna (12 Euro) besaß Sushiqualität. Mit der Koriandermayo setzte der Koch einen Höhepunkt. Das Mundgefühl aller Zutaten geriet dadurch unglaublich cremig und schmackhaft. Einfach top! Mein Carpaccio vom Black-Angus-Rind (12 Euro) legte die Küche beinahe wie mit dem Zirkel gezogen kreisrund auf den Glasteller.

Die „feine“ Zitronennote vervollkommnete das Carpaccio genauso wie der vollmundige, frisch gemahlene Pfeffer, die Pinienkerne und die Tropfen des Öls. Ein Genuss. Unsere Hauptgerichte machten uns vollends deutlich, wie frisch im „Feines“ gekocht wird. Wir mussten nur die Augen zumachen und dachten beim Essen des Beilagensalats, wir würden auf einer frisch gemähten Wiese liegen.

So intensiv schmeckten die Blattsalate und das sanfte Dressing. Hauptakteur auf dem Teller waren aber bei meiner Begleitung die gegrillten Oktopusstücke (19,50 Euro), die herrlich auf der Zunge zergingen. Und den perfekten Garpunkt bei Oktopus zu finden, stellt eine Kunst dar. Denn schnell wird er zäh und man glaubt, Kaugummi im Mund zu haben. Die Tropfen der Hummersoße brachten Schwung in diesen Gang.

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Das Limonen-Fenchelgemüse brachte der Koch schön hin, weshalb es nicht zu intensiv schmeckte. Die untergehobenen Kapernstückchen verliehen dem eher selten gereichten Gemüse den letzten Pfiff. Ich entschied mich für den Yellowfin-Tuna (22 Euro) als Hauptgang. Der Koch briet die Filets auf jeder Seite nur Sekunden an, damit 90 Prozent des Fleisches noch roh blieben.

Darüber träufelte er wenige Tropfen einer schaumigen Bernaise, die ideal zum Thunfisch passte – ebenso wie die Fleur-de-Sel-Stückchen, die dem Gericht die letzte Würze gaben. Alle Gänge waren sommerlich-leicht, weshalb wir uns locker einen Nachtisch gönnen konnten. Und es wäre schade gewesen, hätte ich nicht die andersartige Interpretation des Granatapfel-Cheesecake (12 Euro) probiert.

Die Mischung aus schaumiger Cheesecakecreme, zu kleinen Kristallen gestoßenem Schokokekscrumble und Granatapfelpürree reichte die Küche in einem langstieligen Champagnerglas. Die Mousse meiner Begleitung tat sich durch einen hohen Schokoladenanteil und einer fluffigen Konsistenz hervor. Ideal passten dazu die Tropfen Eierlikör und der Schlagrahm, der eine herrliche Vanillenote in sich trug. Was für ein Schluss.


Fazit: Das „Feines“ ist entgegen seinem Namen nicht zu überkandidelt, bietet aber eine sehr hochwertige Küche zu angenehmen Preisen. Ein Preis-Leistungsverhältnis wie sich das der Gast wünscht.


Feines, Am Markt 13, 28195 Bremen, Telefon: 0421 51421250, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 11 bis 23 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.feines-hat-tradition.de

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