Bürgerbeteiligung Anrainer schildern ihre Erfahrungen

Der Hilde-Adolf-Park und das Franz-Pieper-Karree sollen schöner werden. Bei einem Beteiligungsverfahren werden deshalb nun Ideen und Wünsche gesammelt.
22.09.2022, 08:00
Lesedauer: 3 Min
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Anrainer schildern ihre Erfahrungen
Von Anne Gerling

Parkanlagen verbessern das Stadtklima, federn die Effekte des Klimawandels ab, bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere und haben außerdem als öffentliche Räume wichtige soziale Funktionen: Man kann in Parks spazieren gehen, eine Pause machen, spielen, Sport treiben und andere Menschen treffen.

Manche Grünanlagen wirken aber eher wenig einladend – zum Beispiel das Franz-Pieper-Karree und der Hilde-Adolf-Park in der Überseestadt. Beide Areale sollen wie berichtet umgestaltet werden; vorige Woche ist ein Beteiligungsverfahren gestartet, mit dem die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) möglichst viele Menschen im Quartier erreichen möchte, um ihre Anregungen und Wünsche zu sammeln und den Planern mit möglichst vielen Perspektiven eine gute Grundlage mitgeben zu können.

20 Teilnehmer bei Auftaktveranstaltung

Knapp 20 Gäste nahmen diese Gelegenheit zunächst wahr und kamen zur Auftaktveranstaltung in die Kantine im Kaffee-Quartier. Dort tauschten sie sich nach einer einführenden Podiumsdiskussion mit Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne), Abteilungsleiter Dirk Kühling aus dem Wirtschaftsressort und Abteilungsleiter Arend Bewernitz aus dem Bauressort mit Planern und Behördenvertretern über „Hilde“ und „Franz“ aus. „Es ist dort so windig, dass mir schon der Salat weggeflogen ist“, beschrieb dabei Natalie Kiel, die in der Überseestadt arbeitet, ihre Mittagspausen im Hilde-Adolf-Park. Sie stört außerdem, dass man beim Weg in den Park beziehungsweise zurück ins Büro jedes Mal höllisch auf Autos und Fahrräder aufpassen muss. Denn „Hilde" liegt zwischen den beiden langen Straßen Am Kaffee-Quartier und An der Reeperbahn, der Verkehr ist dort schnell und gefährlich.

Beide Punkte wurden aufgenommen: Windschneisen lassen sich mit Bäumen oder Segeln beeinflussen, und es könnte auch darüber nachgedacht werden, ob tatsächlich auf beiden Straßen in beide Richtungen gefahren werden muss – oder ob sogar eine der beiden Straßen für Autos gesperrt werden sollte. Aktuell geprüft wird Stadtplanerin Diana Spanier zufolge außerdem, ob die beiden Querstraßen tatsächlich notwendig sind, die die etwa 500 Meter lange und 35 Meter breite Grünanlage momentan in drei Abschnitte zerteilen. „Wir sind uns einig, dass es Sport- und Spielflächen geben soll, und wir wollen Treffpunkte schaffen“, erklärte außerdem Landschaftsarchitektin Johanna Reisch von dem mit der Umgestaltung beauftragten Planungsbüro Ramboll Studio Dreiseitl.

Ampeln und Zebrastreifen fehlen

Im Gegensatz zur „Fahrrad-Rennstrecke“ Hilde ist Franz auf allen vier Seiten von Schwerlastverkehr umgeben. „Es fehlen Ampeln und Zebrastreifen. Ein Kind ist dort schon verunglückt“, meldete sich eine Anwohnerin zu Wort. Sie habe dort außerdem Graureiher und Fuchs gesichtet und hoffe, dass die Lebensräume dieser Tiere bei der Umgestaltung der Anlage erhalten blieben. „Die Berge und der See sollen bleiben und in einen Spielplatz mit Rutsche und Seilbahn eingebaut werden“, fanden außerdem zwei Mädchen, die das Franz-Pieper-Karree im Winter gerne mit ihren Schlitten befahren und den Spielraum-Experten Stephanie Jäger und Jürgen Brodbeck nun einen selbst gezeichneten Plan in die Hände drückten: „Es wäre auch schön, wenn im See nicht mehr so viel Müll ist und es Obstbäume zum Naschen gibt.“ Die acht bis zehn Meter hohen Berge wieder abzutragen, wäre ohnehin aufwendig und teuer, war dazu die Einschätzung von Landschaftsarchitekt Michael Kaschke von der Agentur WES, die das Franz-Pieper-Karree im Jahr 2004 entworfen hat und nun auch die Neugestaltung übernimmt.

Es gab noch mehr Anregungen: Kerstin Eckardt von der CDU-Fraktion im Beirat erinnerte daran, dass im Skatepark ursprünglich einmal auch ein Bewegungsangebot für Senioren geplant war, das dort jedoch nie verwirklicht wurde. Und Beiratssprecherin Brigitte Grziwa-Pohlmann (SPD) regte an, die Erwachsenen in den Wohnanlagen möglichst gezielt anzusprechen und nach ihren Anregungen zu befragen. Für die frühzeitige Einbeziehung so vieler Anwohner und Initiativen wie möglich plädierte auch ein zukünftiger Bewohner des Gewoba-Projekts „Kaffeequartier“, der unterstrich: „Wer kümmert sich darum, wenn alles steht? Nur so lebt das Ganze!“

Zur Sache

So geht es weiter

Die Organisatoren hoffen auf eine rege Beteiligung bei den drei Workshops, mit denen das Verfahren fortgesetzt wird: Am Sonnabend, 8. Oktober, 10 bis 14 Uhr, geht es um das Thema Spiel und Aufenthalt. Insbesondere Familien, Kinder und Jugendliche können sich dann dazu zu Wort melden, was sie sich in den beiden Parks wünschen. Treffpunkt Hilde: Ecke Am Kaffee-Quartier / Lloydstraße. Treffpunkt Franz: Ecke Am Waller Freihafen / Überseetor. Am Mittwoch, 12. Oktober, von 17 bis 20 Uhr, steht das Thema Klima und Natur auf der Agenda am Donnerstag, 13. Oktober, von 17 bis 20 Uhr geht es um die Erreichbarkeit und Verkehr. Anregungen, Wünsche und Ideen können auch online unter hildeundfranz.beteiligung.bremen.de eingebracht werden.

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