Immobilienreport für Bremen

Die Überseestadt ist auf der Überholspur

Geht es um Büros, liegt die Bremer Überseestadt vorne. Der Immobilienmarktreport der WFB zeigt zudem, dass die Preise für Wohnimmobilien erneut stärker steigen als die Mieten.
06.10.2019, 21:28
Lesedauer: 4 Min
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Die Überseestadt ist auf der Überholspur
Von Lisa Boekhoff

Leuchttürme in München? Bremen will dieses Meisterstück schaffen. Denn an diesem Montag beginnt in der Hauptstadt Bayerns die dreitägige Immobilienfachmesse Expo Real, und das kleinste Bundesland will bei seinem Auftritt mit zwei Vorzeigeprojekten glänzen – sogenannten Leuchttürmen.

Dazu gehört das Lune Delta, das nachhaltige oder grüne Gewerbegebiet, das in Bremerhaven geplant ist. Unternehmen der „Green Economy“ sollen sich dort ansiedeln und zum Beispiel Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien bekommen. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zeichnet die Pläne zum Auftakt der Messe am Montag aus. „Das Lune Delta bietet ein sehr innovatives Umfeld für kleine und große Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und attraktive Arbeitsplätze schaffen wollen“, kommentiert Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) das Projekt.

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Sie ist bei der Verleihung des Zertifikats mit Maike Schaefer (Grüne), Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, sowie Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) dabei. Schaefer zufolge soll das Lune Delta eine „Pionierrolle“ einnehmen, also Vorbild sein für weitere Gewerbegebiete: „Nur, wenn wir wirtschaftliche, ökologische und soziale Ziele miteinander verknüpfen, können wir die Herausforderungen des Klimawandels meistern und unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern.“

Auf der Fachmesse in München will Bremen außerdem mit der Überseeinsel werben. Auf dem ehemaligen Areal von Kellogg soll ein lebendiges und ebenfalls grünes Quartier entstehen: ein Mix mit 1200 Wohneinheiten, Gewerbe, Kultur, Freizeit und Bildung mit einem Schulcampus. 2021 soll der erste Bauabschnitt erfolgen. Auf der Messe präsentieren sich aus Bremen und Bremerhaven sowie Achim 29 Unternehmen der Immobilienwirtschaft am Gemeinschaftsstand des Bundeslandes.

Pünktlich dazu erscheint der alljährliche Report zum Immobilienmarkt in Bremen im Auftrag der Wirtschaftsförderung (WFB). Das Papier gibt einen Überblick über den Büromarkt, Logistik- und Einzelhandelsflächen, Wohnimmobilien sowie eine Prognose für das Jahr 2019. Der von Marktanalysten erhobene Report soll dazu dienen, Investoren für den Standort zu gewinnen. Wichtige Ergebnisse und Entwicklungen fasst der folgende Überblick zusammen.

Büroimmobilien

Die Überseestadt zieht an der Innenstadt und dem Technologiepark vorbei – zumindest auf dem Büromarkt. Bremens jüngster Stadtteil ist gefragt und liegt laut Prognose am Ende des Jahres auf Platz eins: In der Überseestadt wird 2019 ein Flächenumsatz von 34.000 Quadratmetern erwartet. Großen Anteil daran hat das Projekt von Kurt Zech am Europahafen. An dem Standort will die Unternehmensgruppe selbst einziehen. Die befragten Makler und Projektentwickler gehen laut dem Report davon aus, dass der Flächenumsatz am Jahresende bei mehr als 100.000 Quadratmetern liegt.

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Der Flächenumsatz umfasst sowohl Verkäufe als auch die Vermietung von Büros. Vor allem der Neubaubestand der Büros legt den Erwartungen zufolge auf mehr als 50 000 Quadratmeter zu mit dem City-Gate am Hauptbahnhof und Bömers Spitze in der Überseestadt. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 30.000.

Bremen hat laut Report im Vergleich mit ähnlich großen Städten wie Hannover, Leipzig oder Essen einen niedrigen Leerstand bei Büroimmobilien. In der Innenstadt ist er mit fast 40.000 Quadratmetern auffällig hoch. Hier schneidet die Überseestadt mit den wenigsten leeren Büros besser ab. Die Durchschnittsmiete liegt bei 11,80 Euro, in der City bei 8,70 Euro pro Quadratmeter. Das auf dem Immobilienmarkt investierte Kapital soll nach Einschätzung der Marktanalysten 2019 bei 515 Millionen Euro liegen. Vor allem werde in Büros investiert: 195 Millionen Euro.

Logistikflächen

Die Logistikimmobilien wachsen auf 2,92 Millionen Quadratmeter Hallenfläche. „Bremens Flächenangebot für die Logistikbranche ist enorm groß“, sagt Andreas Heyer, Vorsitzender der WFB-Geschäftsführung. Bremen übertreffe dabei sogar Ballungsräume wie die Region München und Düsseldorf. Der Flächenumsatz soll in diesem Jahr von annähernd 187.000 auf 293.600 Quadratmeter deutlich steigen. Jörg Lachmann, Leiter des Bereichs Industrie bei Engel und Völkers Commercial Bremen, sieht den hohen Flächenumsatz als Resultat der hohen Neubauaktivitäten und der hohen Nachfrage in Bremen. „Bremen ist – und wird es wohl auch bleiben – ein beliebter Logistik-Standort.“ Im Bereich Hansalinie trage Mercedes zum Erfolg bei. „Ich glaube sogar, dass der Umsatz noch höher wäre, wenn mehr Flächen kurzfristig zur Verfügung stehen würden“, merkt Lachmann an.

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In der Zukunft wird es eine Premiere geben: Bremen und Achim entwickeln ab 2020 gemeinsam das Gewerbegebiet Achim-West. Es geht um 90 Hektar am Bremer Kreuz. Erstmals entwickelt Bremen eine Gewerbefläche mit dem Nachbarn in Niedersachsen. Die Erschließungskosten und Verkaufserlöse für die Grundstücke sollen geteilt werden. Die Investition beträgt 140 Millionen Euro bis zum Jahr 2036. In zwanzig Jahren, prognostiziert ein Gutachten, könnte es vor Ort 3800 bis 6200 Arbeitsplätze geben.

Einzelhandel

Die Bremer Innenstadt steht vor einem großen Umbruch mit Projekten der Unternehmer Kurt Zech und Christian Jacobs und dem „Lebendigen Haus“ am Angarikirchhof. Die Mieten halten sich hier laut Report seit Jahren fast absolut konstant – sowohl in der Spitze als auch im Durchschnitt. Das ist nicht außergewöhnlich. Seit 2015 gibt es in den Innen­städten stagnierende Mieten, weil der Einzelhandel unter Druck steht, sagt Michael Reink, Bereichsleiter für Standort und Verkehrspolitik beim Handelsverband Deutschland. Während die Mieten sonst von Jahr zu Jahr „flott nach oben“ gestiegen seien, gebe es nun höchstens noch in wenigen Toplagen leichte Mieterhöhungen.

Gerade der Textilhandel sei die „Leidbranche“ der Innenstädte: Schon ein Viertel des Umsatzes werde online gewonnen. Der Report greift die Probleme auf. „Die Einzelhändler beklagen eine immer größere Kluft zwischen den Vorstellungen der Vermieter und ihren eigenen Umsatzerwartungen“, heißt es darin. Marken wie Esprit, Mango oder Timberland haben sich aus der City verabschiedet – und haben teils bis heute anhaltenden Leerstand verursacht.

Wohnungsmarkt

Im Jahr 2018 verteuerten sich die Kaufpreise für Neubauwohnungen laut Immobilienreport um 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erneut seien die Kaufpreise stärker als die Mieten gestiegen. Weil die Zinsen anhaltend niedrig sind, wird viel in Häuser und Wohnungen investiert. Kletterten die Mieten für Neubauten in fünf Jahren bis 2018 im Schnitt um fast 18 Prozent hinauf, legten die Kaufpreise in dieser Zeit um 25,6 Prozent zu, im Bestand sogar um 53 Prozent. In diesem Jahr erwarten die Analysten einen Spitzenpreis von 5210 Euro pro Quadratmeter. Die mehrgeschossigen Neubauten machen einen Großteil der neuen Immobilien aus.

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