Ensemble Surprise stellt sich vor

Gestatten, Hase

Die Regisseurin und Schauspielerin Maria von Bismarck ist Chefin des neu gegründeten Ensembles Surprise. Ihre Premiere geben sie im Theater im Volkshaus mit der Tragikomödie „Hase Hase“.
08.01.2020, 19:35
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Von Sigrid Schuer
Gestatten, Hase

Die Tragikomödie „Hase Hase“ feiert im Theater im Volkshaus am Sonntag Premiere.

Roland Scheitz

Ach nö, das verhuschte Häschen hat es wirklich nicht leicht in seiner chaotischen Familie namens Hase. Der Name ist Programm in der turbulenten Tragikomödie „Hase Hase“ nach Coline Serreau, die das von Schauspielerin und Regisseurin Maria von Bismarck neu gegründete Ensemble Surprise ab Sonntag, 12. Januar, im Theater im Volkshaus, Hans-Böckler-Straße 9, zeigt. Gereizt hat die Schwachhauserin die Altersstruktur ihres achtköpfigen Ensembles, die von 29 bis 73 Jahren reicht. Die neue Chefin setzt auf die Leichtigkeit des schnellen Parlando-Tons: „Das Timing ist wichtig!“ Während der Durchlaufprobe wird sie an diesem Abend immer wieder aufs Tempo drücken. „Maria ist eine super engagierte Powerfrau, die uns ganz schön fordert“, betont Joachim Graf, der Vater Hase spielt.

Dreh- und Angelpunkt ist der etwas spezielle 14-jährige Namensgeber des Stückes mit dem Doppelnamen „Hase Hase“. Diesen hat ihm Mama Hase verpasst, wegen seiner vermeintlich lustigen Hasenzähnchen. Und so wird der 14-Jährige, der immer wieder verzweifelt versucht, auf sich aufmerksam zu machen, nur von ihr herumkommandiert: „Hase mach dies, Hase mach jenes!“ Da Hauptdarstellerin Nadine Portillo kurzzeitig unpässlich ist, schlurft an ihrer Stelle Maria von Bismarck in der ersten von drei Durchlauf-Proben auf die Bühne, das Textbuch in der Hand. Am Berliner Schillertheater ist Hase Hase viele Jahre eine Paraderolle für Katharina Thalbach gewesen. Schnell wird klar, dass der Teenager, den sie da ersatzweise verkörpert, in seiner eigenen Welt lebt. Hase Hase glaubt, dass er mit Außerirdischen in einem Raumschiff auf die Erde gebeamt wurde.

Das Nesthäkchen verschwindet

Mit dieser Ersatzfamilie, die allerdings nur in seinem Kopf existiert, pflegt er zu kommunizieren, sobald er das Gefühl hat, dass es in seiner richtigen Familie mal wieder richtig eng für ihn wird. Und eines Tages ist er einfach verschwunden. Das Nesthäkchen hat es ganz offensichtlich satt, immer herumgeschubst zu werden. In panischer Angst startet Familie Hase eine Suchaktion und wächst dabei trotz aller Differenzen zu einem Team zusammen. „Plötzlich merken sie, was dieser Mensch ihnen bedeutet, wenn er plötzlich nicht mehr da ist“, betont Maria von Bismarck. Die profilierte Regisseurin und Schauspielerin ist in Bremen bestens bekannt. Sie war insgesamt sieben Jahre am Theater Bremen engagiert, beginnend in der Ära des damaligen Oberspielleiters des Schauspiels, András Fricsay Kali Son, danach bei den Intendanten Hansgünther Heyme und Klaus Pierwoß. Zudem war von Bismarck auch drei Jahre an der Bremer Shakespeare Company engagiert. Mutter Hase schwärmt als Familienoberhaupt noch zu Beginn der Tragikomödie, dass doch eigentlich alles in schönster Ordnung sei in ihrer glücklichen Familie. Doch das vermeintliche Idyll droht nach und nach zu zerbröseln.

Zunächst stürmt Jeanot ins traute Hase-Heim, um zwei Koffer mit fragwürdigem Inhalt zu verstecken. Jeanot wird von der Pariser Polizei als Terrorist gejagt. Sein Bruder Albert, genannt Bébert (Karl-Heinz Pitz), der angeblich in einem Krankenhaus als Arzt arbeitet, verdächtigt ihn gar eines potenziellen Sprengstoffattentates. Dabei ist Albert in Wirklichkeit selbst ein Hacker, der eine große Cyber-Attacke auf das Finanzsystem plant und in ganz Europa gesucht wird. Und auch das haben die Pariser Flics bereits spitz gekriegt. Sein schwangeres Schwesterchen Lucille (Lena Behrens), das gerade eben vom Traualtar ausgerissen ist, rebelliert mit verschleiertem Gesicht gegen ihre Familie und provoziert prompt mit ihrer Schwester Marie einen Zickenkrieg. Die steht nämlich treu unterwürfigen Dienerinnen ihrer Männer äußerst skeptisch gegenüber. Nicht umsonst hat sie gerade ihrem Mann den Laufpass gegeben. Doch dann finden sich die Schwestern wieder in dem Chanson-Duett „Je ne veux“.

Das Chaos ist komplett

Doch damit noch nicht genug: Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass Hase Hase zum dritten Mal vom Gymnasium geflogen und sein Vater zu allem Überfluss auch noch arbeitslos geworden ist. Das Chaos komplett macht schließlich die vereinsamte Nachbarin, die partout nach Familienanschluss sucht. Alles scheint sich gegen Familie Hase verschworen zu haben. Was die resolute Mama dazu verleitet, sich in eine rosarote Idealwelt hineinzuträumen, in der keinerlei Probleme existieren. Und dazu singt sie, wie könnte es auch anders, sein: Edith Piafs „La vie en rose“ und bedankt sich schließlich mit einer hingehauchten Kusshand beim Publikum für seine Empathie. Ihr Mann, der frühere „Zaubertänzer“, mutiert indes musikalisch zur rebellischen „Sex Machine“, die durchaus noch Lust am Leben hat.

Joachim Graf aus Findorff gehört als Senior zu den im wahrsten Sinne des Wortes „alten Hasen“ des Ensembles Surprise. „Ich habe 2010 zum ersten Mal bei Volker Lösch in „Alt, arm, arbeitslos“ am Theater am Goetheplatz und danach drei Jahre lang im Senioren-Ensemble am Theater Bremen gespielt, das ja leider aufgelöst worden ist“, erzählt er. Gleiches gilt für Karl-Heinz Pitz. „Ich spiele schon seit 40 Jahren Amateur-Theater“, sagt der Findorffer. Begonnen hat alles mit politisch bewegtem Open-Air-Theater, das sich damals unter anderem gegen Chiles Präsidenten Pinochet richtete. Zu den jüngsten Ensemble-Mitgliedern zählt dagegen Lena Behrens aus Schwachhausen. Sie spielte beim Impro-AMS-Theater bevor sie zum Ensemble Surprise kam. Am Theaterspielen liebt sie, dass sie viel über sich selbst erfahre, sagt sie. Über den eigenen Schatten zu springen und das Improvisieren, helfe ihr auch, wenn sie als hauptberufliche Lehrerin vor ihrer Klasse stehe, fügt sie hinzu. „Das Stück ist höchstaktuell“, resümiert Maria von Bismarck. Und sie stellt ein Happy-End in Aussicht, „wenn auch auf Messers Schneide“.

Weitere Informationen

Die Premiere von „Hase Hase“ am Samstag, 11. Januar ist bereits ausverkauft. Karten sind allerdings noch für die Vorstellungen am Sonntag, 12. Januar, um 18 Uhr, am Samstag, 18. Januar, um 20 Uhr und am Sonntag, 19. Januar, um 18 Uhr zu haben. Der Eintritt kostet 12, ermäßigt acht Euro. Reservierungen sind möglich unter ensemble.surprise@gmx.de

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