Polizeireform Bremen Umzugspläne fürs Revier

Seit 1910 ist die Polizei in Woltmershausen am selben Fleck zu finden, doch nun geben die Gesetzeshüter den Standort nach 108 Jahren auf. Dabei sind zwei Gründe im Spiel.
02.09.2018, 07:14
Lesedauer: 3 Min
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Umzugspläne fürs Revier
Von Karin Mörtel

Das Revier Woltmershausen wird in absehbarer Zeit umziehen. Diese Nachricht hat der Revierleiter Werner Oltmann kürzlich öffentlich bekannt gegeben. Die Polizeiführung bestätigt auf Nachfrage das Vorhaben und stellt es in Zusammenhang mit der laufenden Polizeireform 2600.

„Der geplante Umzug des Polizeireviers Woltmershausen ist in dem veränderten Raumbedarf zu sehen“, teilt die Pressestelle mit. Die Polizei in Woltmershausen werde künftig weniger Platz benötigen als bislang, weil unter anderem die Anzeigenaufnahme nicht mehr am Revier erfolgen soll, sondern für den Bremer Süden zentral am Standort in der Neustadt. Auch die Beamten, die zum sogenannten Regionalen Einsatzdienst zählen, der je nach Bedarf im Stadtteil verschiedene Problemlagen gezielt bearbeitet, werden perspektivisch in die Airport-Stadt ziehen. Gemeinsam mit ihren Kollegen, die bislang ebenfalls an den einzelnen Revieren in Obervie­land, Huchting und Neustadt ihren Arbeitsort hatten, werden sie wie berichtet künftig zusammen dort eingesetzt, wo der Schuh im Bremer Süden am meisten drückt.

Reduzierte Mannschaftsstärke

Neben der reduzierten Mannschaftsstärke in Woltmershausen leuchtet auch ein weiterer Grund für den Umzug jedem sofort ein, der in den vergangenen Jahren einmal in dem stadteigenen Gebäude an der Woltmershauser Straße 71 gewesen ist. Dort kämpft die Belegschaft seit geraumer Zeit mit der fehlenden Barrierefreiheit und dem offenkundigen Sanierungsbedarf im Haus.

Das gibt die Gesellschaft Immobilien Bremen (IB), die das Gebäude verwaltet, auch unumwunden zu. „Das Haus weist einen erheblichen Sanierungsstau auf, in den vergangenen zehn Jahren wurden dort nur die nötig­sten Reparaturen durchgeführt, um den laufenden Betrieb aufrechterhalten zu können“, so IB-Sprecher Peter Schulz.

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Der gesamte Keller ist aufgrund feuchter Außenwände nicht mehr nutzbar, die sanitären Einrichtungen entsprechen nicht den heutigen Ansprüchen, die Fenster müssten komplett ausgetauscht und das Dach neu erstellt werden, heißt es von den Verantwortlichen bei der Polizei. „Fast alljährlich durchgeführte Gebäudebegehungen durch IB führten zu dem Ergebnis, dass eine Komplettsanierung erforderlich ist“, teilt die Pressestelle mit.

Nun soll also der Umzug die Arbeitsbedingungen der dann verbliebenen Reviermitarbeiter wie Kops und Verkehrssachbearbeiter erleichtern und die Kosten reduzieren. „Wir haben den Auftrag erhalten, den Standort aufzugeben und Mieträume in unmittelbarer Nähe zu suchen“, sagt Schulz auf Nachfrage. Derzeit liefen Gespräche mit möglichen Vermietern, „aber wir sind lange noch nicht so weit, dass wir öffentlich ein Ergebnis verkünden können“, so Schulz.

Umzug an den Marktplatz?

Im Stadtteil kursiert unterdessen sehr wohl bereits eine Adresse, wo das Revier in Zukunft seinen neuen Sitz haben könnte: die Dötlinger Straße 2. Direkt am Pusdorfer Marktplatz in einem roten Backsteingebäude, das ehemals zum Verwaltungstrakt der Zigarettenfabrik Martin Brinkmann gehört haben soll. Die Woltmershauser Beiratssprecherin ist von dieser Idee begeistert: „Das wäre direkt zentral am Marktplatz, das ist ideal“, so Edith Wangenheim (SPD).

Die Polizei bestätigt, dass die Immobilie Dötlinger Straße 2 gut für das Revier geeignet sei: Die räumlichen Gegebenheiten seien ebenso vorhanden wie die Nähe zum ehemaligen, dem Bürger bekannten Revierstandort. Allerdings sei das Gebäude „bislang nur als eine mögliche Option zu betrachten, (...) es hat hierzu jedoch noch keine abschließende Entscheidung gegeben.“ Demzufolge gebe es auch noch keinen festgelegten Termin, wann der Umzug vonstatten gehen könne.

Über eine mögliche Nachnutzung des heutigen Reviergebäudes werde erst nach dem Auszug der Polizei nachgedacht, gibt derweil Peter Schulz von IB bekannt. „Und auch dann wird es nicht leicht, eine Lösung zu finden, weil die Bedürfnisse der Polizei an ein Revier ganz andere sind, als beispielsweise ein Kindergarten an ein Gebäude hätte.“ In jedem Fall sei klar, „dass in der Immobilie dringend etwas passieren muss.“ Das Haus wurde 1910 erbaut, direkt von der Polizei bezogen und seither durchgängig als Polizeirevier genutzt. Mittlerweile steht es unter Denkmalschutz.

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