Straßenserie Im Winter war Zeit für die "Eisernte"

Erst in den Nachkriegsjahren setzte sich allmählich der elektrische Kühlschrank durch. Vorher musste sich man sich anders behelfen – daran erinnert eine Straße in Bremen-Nord.
25.04.2023, 11:44 Uhr
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Im Winter war Zeit für die
Von Frank Hethey

Eispohl ist eine Straße, die im Blumenthaler Ortsteil Lüssum-Bockhorn liegt und von der Turnerstraße abgeht. Mit ihren wenigen Häusern mag sie eigentlich unbedeutend sein, wenn sie nicht zum gleichnamigen Eispohl führen würde. Was mag daran bedeutend sein und woher kommt der etwas ungewöhnliche Name? Wir sehen uns dazu die Geschichte des Blumenthaler Kapitäns Louis Wieting (1819-1883) genauer an.

Dieser segelte jahrelang auf Walfang in Richtung Grönland. Doch er wollte und konnte mehr. Deshalb ließ er sich 1867 im Blumenthaler Ortsteil Rönnebeck eine Brauerei errichten. Nun ja, Bier zu brauen setzt schon eine gewisse Erfahrung voraus. Schwieriger ist es jedoch, das Bier über einen längeren Zeitraum zu lagern. Schon unsere Vorfahren wussten, dass es mit Kälte am besten geht.

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Was machten die Menschen deshalb seit altersher? Im Winter brachen sie das Eis aus Seen und Flüssen, genannt „Eisernte“, und brachten es in die Keller. Dort schmolz das Eis zwar auch, aber ganz langsam. Die Vorräte konnten bis in die Sommer hinein kühl und damit haltbar bleiben. In Bremen machte der Eishändler Huxmann damit gute Geschäfte.

Auch die Rönnebecker Bierbrauerei des Louis Wieting brauchte Eis. Das wurde entweder aus der Weser oder einem der Heideweiher in Lüssum-Bockhorn gebrochen (geerntet). Dieses Eis lagerten sie in einem Kellergewölbe, dem Eiskeller, am Dillener Park. Nach dem Wietings Tod ging die Brauerei an den Sohn Carl, der sie später an Georg Schlätzer verkaufte. Dessen Sohn Peter wandelte die Brauerei in einen Getränkegroßhandel um.

Damit klärt sich der Name Eispohl auf: Der erste Wortteil Eis bezieht sich auf das Eis, das des Winters aus dem Pohl geerntet wurde. Pohl, als zweiter Wortteil, ist ein Wort für „Wasserloch“. Man kann dazu auch Pfuhl, Kuhle, Tümpel, Sumpf sagen oder es aus dem Englischen als "swimming" pool kennen. Der Eispohl ist, obwohl er ganzjährig Wasser führt, nicht zum Baden freigegeben. Er ist eingezäunt und somit nicht frei zugänglich, da er zum Naturschutzgebiet Eispohl/Sandwehen gehört, der Heidelandschaft Rekumer Geest in Bremen-Nord.

Die Straßen Eispohl und Turnerstraße waren Feldwege und wahrscheinlich bereits in den 1920-ern so benannt worden. Wobei der Eispohl ursprünglich Eispol geschrieben wurde, das heißt ohne „h“. Erst nach einem Senatsbeschluss vom 19. Februar 1957 wurde die Schreibweise Eispohl verbindlich.

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