Tag der Arbeit Hunderte demonstrieren zum 1. Mai in Bremen

Die Mai-Kundgebung des Gewerkschaftsbundes wurde von einem Regen- und Hagelschauer vorzeitig beendet. Deutlich größer als die DGB-Aktion fiel der Demonstrationszug eines links-revolutionären Bündnisses aus.
01.05.2021, 12:24
Lesedauer: 3 Min
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Hunderte demonstrieren zum 1. Mai in Bremen
Von Sara Sundermann

Die einen üben sich im Schulterschluss mit der Landesregierung, die anderen in Frontalopposition und Rufen nach einer Revolution: Am 1. Mai gab es zwei größere Demonstrationen und mehrere kleine Aktionen auf Bremens Straßen und Plätzen. Die klassische Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) war in diesem Jahr kein großer Demo-Zug, sondern fand als Kundgebung mit nach Polizeiangaben rund 420 Personen auf der Bürgerweide statt.

Demonstranten wünschten sich auf Plakaten unter anderem mehr Klimaschutz, weniger Arbeit und ein Ende der US-Blockade gegen Kuba. Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Bremen-Elbe-Weser, Annette Düring, blickte in ihrer Rede auf das schwierige Krisenjahr 2020 zurück, verwies aber auch auf Erfolge der Gewerkschaften. Dazu gehöre die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 87 Prozent. „Und endlich gibt es einen ersten Einstieg in menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft, aber das muss noch besser werden“, sagte Düring.

Kritik übte sie an der Bundes-Caritas, die einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag für die Pflege blockiert hatte: „Die Caritas darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen.“ Der Senat kassierte dagegen von Düring nur Lob: „Unser Senat macht eine gute Politik“, sagte die Bremer DGB-Chefin und bedankte sich ausdrücklich bei Bürgermeister Andreas Bovenschulte und den Senatsmitgliedern Kristina Vogt, Claudia Bogedan und Dietmar Strehl „für die gute Zusammenarbeit“.

Als Hauptrednerin sprach Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Pandemie betreffe alle Menschen, aber in sehr unterschiedlicher Weise, betonte Tepe. Die einen hätten aus der Krise ihre Gewinne gezogen, andere alles verloren gehen sehen. „Wir müssen umverteilen von oben nach unten, das ist die Aufgabe der kommenden Jahre“, rief sie. „Und die Schuldenbremse muss weg, wir brauchen ein Konjunkturprogramm.“

Die GEW-Chefin brach ihre Rede schließlich vorzeitig ab, weil ein heftiger Regen- und Hagelschauer aufzog. Ein Teil der Demonstrierenden flüchtete sich unter das Vordach des nahen Impfzentrums, um von dort anzuhören, was Real-Betriebsratsvorsitzende Susanne Meister forderte: Supermarkt-Beschäftigten habe man in der Pandemie bescheinigt, systemrelevant zu sein. Doch Mitarbeiterinnen seien bespuckt und beschimpft worden, wenn sie Kunden aufforderten, Maske zu tragen. Der Handel habe 2020 einen milliardenschweren Umsatz gemacht, betonte Meister: „Wir sind diejenigen, die die Sahnetorte gebacken haben, und wir wollen ein Riesenstück davon abhaben.“

Größer als die DGB-Kundgebung fiel ein Demonstrationszug aus, der sich nach Angaben von Sprecherin Anna Schroeder vor zwei Jahren aus Kritik am DGB von der Gewerkschaftsdemo abgespalten hatte. Verschiedene linke Gruppen riefen als Teil eines „Bündnisses internationalistischer und revolutionärer erster Mai“ zur Demo auf. Die Protestierenden zogen begleitet von einem größeren Polizei-Aufgebot vom Bahnhof über die Domsheide zum Leibnizplatz. Laut Polizei versammelten sich knapp 750 Teilnehmern, die Veranstalter sprachen von 1000 Personen.

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Das Bündnis rief zum Protest gegen Ausbeutung und Unterdrückung auf. Redner sprachen sich gegen Kapitalismus und für Revolution und Sozialismus aus. Ein Beschäftigter aus dem Gesundheitswesen sprach bei der Kundgebung ebenso wie die Tochter des bei einem Polizei-Einsatz in Gröpelingen getöteten Marokkaners Mohamed Idrissi. Mehrfach kritisierten Redner, in der Pandemie stelle sich die Regierung klar auf die Seite der Wirtschaft. „Ein Freizeit-Lockdown jagt den nächsten, während die Arbeitswelt nahezu unangetastet bleibt“, so ein Redner. Auch so zeige „das System seine hässliche Fratze“. In Schwachhausen und Oberneuland säßen „die Bonzen in ihren Villen“, während sich Arbeitnehmer in den Firmen und in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln der Infektionsgefahr aussetzen müssten. Im Zuge der Demo kam es zu Farbschmierereien und polizei-feindlichen Rufen, aber zu keinen weiteren Vorfällen, so eine Polizeisprecherin.

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Eine Kundgebung hatte auch der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der Kommunistischen Partei und die Revolutionäre Front nahe den Weserterrassen angemeldet. Laut Polizei versammelten sich etwa 60 Teilnehmer. Im Stadtzentrum waren zudem die Omas gegen Rechts präsent, und es gab eine kleinere Aktion zum Dekolonialen 1. Mai.

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