Terminshopping Von Klagen, Kontrollen und langen Warteschlangen

Terminshopping, die neue Art des Einkaufens, hat sich noch nicht eingespielt. Kunden sind verunsichert, einige Händler mit der Bremer Regelung zur Terminvergabe unzufrieden und die Gerichte gut beschäftigt.
17.03.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marc Hagedorn, Lars Köppler und Aljoscha-Marcello Dohme

Die neue Form des Einkaufens, das sogenannte Terminshopping, hat sich offenbar noch nicht überall eingespielt. So berichtet ein Kunde, der am Sonnabend bei XXXLutz Dodenhof in Posthausen eingekauft hat, unter anderem von Abständen, die im Geschäft nicht eingehalten würden und langen Schlangen an den Kassen. Die Geschäftsführung von Leffers in Vegesack wiederum will gegen die Bremer Regelung klagen, nach der eine Terminvorgabe nur telefonisch und elektronisch, nicht aber direkt an der Ladentür erlaubt ist.

Carolin Reuther von der City-Initiative Bremen sagt, dass die Resonanz der Kunden, vor allem der Stammkundschaft, auf das neue Terminshopping positiv sei, auch beim Fachhandel sei "Date & Collect" in großen Teilen gut angelaufen. „Allerdings gab und gibt es noch Irritationen bezüglich der Umsetzung von ,Date & Collect', insbesondere, was die Art und Weise der Terminvereinbarung angeht“, sagt die Geschäftsführerin, „diesbezüglich sollte die Verordnung so schnell wie möglich angepasst werden, sodass eine Terminvereinbarung auch vor Ort möglich ist.“

Mit dieser Forderung an die Politik spricht Reuther jemandem wie Werner Pohlmann aus dem Herzen. Dem Geschäftsführer von Leffers in Vegesack missfällt die Bremer Sonderregelung. Bei ihm stünden immer wieder Kunden ohne Termin vor der Tür, berichtet Pohlmann. „Dann müssen wir ihnen sagen: Lieber Kunde, da vorne steht die Telefonnummer, ruf uns bitte eben an, dann vergeben wir einen Termin. Dann kannst du rein oder in zwei Stunden wiederkommen.“

Anfangs habe man Kunden, wenn ausreichend Platz im Laden vorhanden war und die Kontaktdaten vorschriftsgemäß hinterlegt wurden, auch ohne vorherige Terminbuchung ins Geschäft gelassen. Das macht Leffers jetzt nicht mehr. Das Ordnungsamt hat auch schon zweimal kontrolliert. Pohlmann will nun mit einem Anwalt gegen die Bremer Regelung vorgehen.

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Die Erfolgsaussichten sind schwer einzuschätzen. Erst am Dienstag haben eine Baumarktkette und die Betreiberin von mehreren Bekleidungsgeschäften in Niedersachsen vor Gericht eine Niederlage erlitten. Sie hatten geltend gemacht, dass die grundsätzlichen Schließungen auch unter Berücksichtigung der mittlerweile erlaubten Ausnahmen, etwa des Terminshoppings und des Außer-Haus-Verkaufs, nach wie vor unverhältnismäßig seien. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg hat die Anträge abgewiesen. Laut Gericht überwiege derzeit noch das Interesse an der Vermeidung von Infektions-, Erkrankungs- und Todesfällen.

Für Aufregung sorgen derweil Schilderungen eines Kunden nach einem Einkauf bei XXXLutz Dodenhof. Nico K. hat sich in einem Brief an die Geschäftsführung und das Gesundheitsamt des Landkreises Verden beschwert. Seine Kritik: Tische mit Sonderangeboten seien Kundenmagneten gewesen, Abstandsregeln seien nicht eingehalten worden genauso wie die maximale Kundenzahl. Außerdem seien Kassen überlastet gewesen, so habe es Wartezeiten von bis zu einer halben Stunde gegeben.

Dodenhof und XXXLutz wehren sich gegen die Vorwürfe. „In einigen Bereichen war die Frequenz hoch, jedoch haben wir zu keiner Zeit die zulässigen Besucherzahlen überschritten“, erklärt Dodenhof-Sprecherin Michaela Strube. Ein Anstehen an Kassen sei kein Problem, „da auch dort Abstände eingehalten werden, das kennen alle aus Supermärkten.“

Reiner Heemsoth vom Gesundheitsamt sagt, dass einmal die Woche bei Dodenhof kontrolliert werde. Er sieht aber auch die Besucher in der Pflicht. „Dodenhof hat eine Zähleinrichtung, aber die Verteilung der Menschen im Geschäft kann man nicht steuern. Die Leute müssen auch ihr Gehirn einschalten und mitziehen“, sagt der Leiter des Verwaltungsdienstes Corona. Für Verzögerungen habe am Sonnabend ein Kassenabsturz gesorgt. Am kommenden Wochenende sollen nun auch mobile Kassen eingesetzt werden.

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