Warnung vor gewaltbereiten Islamisten Terroralarm in Bremen

Der Anti-Terror-Einsatz gegen gewaltbereite Islamisten in Bremen geht weiter. In einer Pressekonferenz haben sich nun die Behörden zu Wort gemeldet.
28.02.2015, 10:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Hinrichs Jan Raudszus

Einen Tag nach der Warnung vor gewaltbereiten Islamisten hat die Bremer Polizei ihren Anti-Terror-Einsatz am Sonntagmorgen fortgesetzt. "Wir wissen nicht, wie lange wir noch mit dieser Lage zu kämpfen haben", sagte Polizeisprecherin Franka Haedke am Morgen. Es gebe nach wie vor eine "erhöhte Gefährdungslage". "Wir haben ein Sicherheitsnetz über Bremen ausgelegt", sagte Haedke. Um 14 Uhr will die Polizei auf einer Pressekonferenz mehr zum Thema sagen. Die Ergebnisse lesen Sie hier.

Am Sonnabendabend gab es eine Razzia im Islamischen Kulturzentrum (IKZ) am Breitenweg und im späteren Verlauf eine Wohnungsdurchsuchung in Bremen-Nord. Dabei wurden zwei Verdächtige vorläufig festgenommen, mehrere Personen befanden sich in Polizeigewahrsam. Die beiden Verdächtigen seien nach Angaben der Polizei aber mittlerweile wieder auf freiem Fuß. In beiden Fällen hätten keine Haftgründe vorgelegen.

Radio Bremen meldet indes, dass der Großeinsatz in Zusammenhang mit Waffenhandel stehen würde. Demnach habe ein Mann gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen. Die Polizei hat diese Meldung bisher jedoch nicht bestätigt. Zur Verdachtslage gegen die beiden Männer machte die Sprecherin keine Angaben.

In das IKZ hatte sich ein Großaufgebot von stark geschützten Polizisten Einlass verschafft. Das Zentrum wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet und gilt als Sammelbecken von Salafisten. "Das sind auf jeden Fall Leute, die mit der Gefährdungslage durch islamistische Gewalttäter in Bremen zu tun haben", sagte ein Polizeisprecher.

Auch am Sonntag werde der Polizeieinsatz an gefährdeten Orten wie der Bremer Synagoge fortgesetzt. In der Stadt, etwa auf dem Marktplatz, sind demnach aber weniger bewaffnete Polizisten vor Ort, weil am Sonntag weniger Menschen unterwegs seien.

Seit Freitagabend habe es Hinweise einer Bundesbehörde auf Aktivitäten potenzieller islamistischer Gefährder gegeben, hatte die Polizei am Sonnabendmorgen mitgeteilt.

Jüdische Gemeinde schwer bewacht

Den ganzen Sonnabend über war die Polizei mit starken Kräften in der Stadt unterwegs und schützte Orte wie das Rathaus oder den Marktplatz. Die Beamten sind teilweise mit Maschinenpistolen ausgerüstet.

Laut Informationen unserer Zeitung wurde vor allem die jüdische Gemeinde in der Schwachhauser Heerstraße am Morgen schwer bewacht. Elvira Noa, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Bremen, ist am Sonnabendmorgen von der Kriminalpolizei darüber informiert worden, dass wegen der Terrorwarnung die Schutzmaßnahmen vor der Synagoge in der Schwachhauser Heerstraße verstärkt würden.

Das sagen die Bremer zu der aktuellen Terrorgefahr.

„Das hat unsere Mitglieder natürlich erschreckt“, sagte Noa dem WESER-KURIER. Ihr sei von der Polizei aber versichert worden, dass keine akute Gefahr bestehe. Der Gottesdienst und die Unterrichtsstunden danach hätten trotz der Warnung stattgefunden. „Die Gemeinde ist mutig und macht wegen so etwas nicht die Türen zu.“ Trotzdem: „Ja, wir fühlen uns in Gefahr“, sagte Noa, „das ist leider ein Alltagszustand.“

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Der Hinweis zu Bremen am Freitagabend sei von einem deutschen Nachrichtendienst gekommen, berichtete "Spiegel Online". Daraufhin habe die Bremer Polizei eine Sonderkommission mit dem Namen "Gold" eingerichtet.

Werder-Spiel findet statt

Das Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg am Sonntag (ab 17.30 Uhr im Liveticker) wird wie geplant ausgetragen. Das teilte Werder am Sonnabendabend mit. Auch die Partie in der Basketball-Bundesliga zwischen den Eisbären Bremerhaven und den EWE Baskets Oldenburg fand wie geplant statt.

Die radikale Islamistenszene in Bremen

Bremen gilt als eine Hochburg radikaler Islamisten. Nach Angaben von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wurden zuletzt rund 360 Salafisten vom Verfassungsschutz beobachtet. Mindestens 19 Islamisten plus 11 Kinder aus Bremen sind nach Syrien gereist, um dort zu kämpfen, so die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden. Fünf sollen bereits wieder zurückgekehrt sein, drei starben offenbar bei Kämpfen.

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Die beobachteten Salafisten verkehrten bislang hauptsächlich in zwei Vereinen. Im Visier der Behörden stand lange Zeit vor allem der "Kultur- und Familienverein" (KuF), der in Bremen-Gröpelingen eine Moschee betrieb. Fast alle der nach Syrien ausgereisten Islamisten sollen dort verkehrt sein. Der Verein stand im Verdacht, gezielt junge Menschen anzuwerben. Im Dezember 2014 wurde er von Innensenator Mäurer verboten. In der Moschee wurde nach Informationen der Sicherheitsbehörden eine äußerst radikale Form des Salafismus gelehrt.

Nachdem der Verein in Gröpelingen verboten worden war, hatten die Sicherheitsbehörden Sorge, dass dies bei den Radikalen unter den Salafisten zu Reaktionen führen könnte. Nach ein paar Wochen hatte sich die Situation aber wieder beruhigt.

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Keine akute Gefahr mehr, war die Einschätzung der Behörden.
Ob die aktuelle Terrorwarnung in diesem Zusammenhang steht, war nicht zu erfahren. Überhaupt hielten die Behörden sich sehr bedeckt. Weder der Polizeipräsident noch der Innensenator waren trotz Anfrage zu einer Stellungnahme bereit. Die Polizei teilte mit, dass von den Ermittlungsergebnissen, die während des Tages gesammelt werden konnten, weitere Maßnahmen der kommenden Tage abhängen.

Einen Kommentar von Chefreporter Jürgen Hinrichs lesen Sie hier.

(hi/jar/dpa)

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