Kommentar zum Bremer Eiswettfest

Überfällige Änderung von Teilnahmeregeln der Eiswette

Die Bremer Eiswette ist mit der Entscheidung, Frauen zu ihrem jährlichen Eiswettfest zuzulassen, endlich im 21. Jahrhundert angekommen, meint Sabine Doll.
23.10.2019, 21:53
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Überfällige Änderung von Teilnahmeregeln der Eiswette
Von Sabine Doll
Überfällige Änderung von Teilnahmeregeln der Eiswette

Ab 2020 dürfen auch Frauen beim Eiswettfest an der Männerrunde teilnehmen.

Frank Thomas Koch

Einen passenderen Zeitpunkt hätte es wohl nicht geben können, um einen Anachronismus mit maximaler Aufmerksamkeit zur Schau zu stellen: Am 19. Januar 1919 konnten Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen. Exakt 100 Jahre später beharrte die Bremer Eiswette darauf, als exklusiver Herrenklub sein jährliches und öffentlichkeitswirksames Fest zu feiern, von dem Frauen ausgeschlossen sind. Nicht jeder „Gendergaga“ müsse mitgemacht werden – damit schaffte es der Herrenzirkel sogar in die internationale Presse. Und das ist wohl gut so: Denn der Protest angesichts der öffentlich zelebrierten Rückwärtsgewandtheit hat nun endlich dazu geführt, die Zeitreise ins 21. Jahrhundert anzutreten. Daher: Willkommen! Auch wenn die Entscheidung wohl nicht ganz aus freien Stücken gefallen ist.

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Es geht um Ansehen, und es geht auch um Schadensbegrenzung: Denn der Zweck der Eiswette ist in einer wahrhaft ehrenwerten Tradition begründet, nämlich Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu sammeln. Mehrere Hunderttausend Euro kommen bei dem jährlichen Eiswettfest zusammen. Die Unterstützung wäre in dieser Größenordnung wohl gefährdet, hätte der Herrenklub auch nach dem Eklat an dem Ausschluss von Frauen festgehalten. Politiker, Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und anderen Bereichen der Gesellschaft hatten bereits angekündigt, einer Einladung nicht zu folgen, sollten sich die Regeln nicht ändern. Einige sicher auch deshalb, um dem eigenen Ansehen mit der Teilnahme nicht zu schaden.

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