Anwohner verärgert: Wegen des maroden Fahrbahnbelags weichen Massen an Radfahrern auf den Fußweg aus Viel Frust an der Carl-Schurz-Straße

Schwachhausen. „Morgens vor Schulbeginn und in der Mittagszeit gehen wir gar nicht vors Haus“, berichtet das Ehepaar Sander. „Auf dem schmalen Fußweg ist es dann ziemlich gefährlich, von allen Seiten rasen junge Radfahrer vorbei!“
08.05.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Margot Müller

Schwachhausen. „Morgens vor Schulbeginn und in der Mittagszeit gehen wir gar nicht vors Haus“, berichtet das Ehepaar Sander. „Auf dem schmalen Fußweg ist es dann ziemlich gefährlich, von allen Seiten rasen junge Radfahrer vorbei!“

Im oberen Abschnitt der Carl-Schurz-Straße, kurz vor der Wachmannstraße gibt es diese „chaotische Rush Hour“ von Montag bis Freitag zweimal täglich. Ein bereits jahrelanges Ärgernis vor allem für die älteren Anwohner. Grund ist das marode Straßenpflaster, auf dem das Radfahren mühsam und unbequem ist. Die vorhandenen Radwege sind allerdings ebenso in desolatem Zustand und wie an vielen Stellen in Schwachhausen deshalb offiziell entwidmet. Hauptsächlich werden sie also zum Autoparken genutzt. So hat sich vor allem bei Schulkindern die Angewohnheit durchgesetzt, kreuz und quer auf den Fußwegen zu fahren. „Alle fahren schnell einfach da, wo sie wollen. Es ist ein Problem und Verkehrsregeln funktionieren hier nicht, weil Verstöße überhaupt gar nicht geahndet werden“, beklagt Sigrid Sander. Streifenpolizisten kämen hier nur selten vorbei. Die Schüler haben es immer eilig und denken nicht darüber nach, dass sie Fußgänger gefährden. Offensichtlich werden sie aber auch nicht darauf hingewiesen.

Auch Nachbar und Familienvater Jörg T. von gegenüber stimmt zu: „Es gibt hier ständig rücksichtlose Radfahrer und damit eine unglückliche Situation.“ Bereits 2013 haben die betroffenen Bewohner genau diesen Konflikt in einem offenen Brief an Verkehrssenator, Beirat und Polizei eindringlich geschildert – ohne Erfolg.

Der Wunsch nach dem Umbau zu einer richtigen „Fahrradstraße“ mit gepflasterten Parkstreifen wie beispielsweise in der Elsasser Straße wurde nicht angenommen und bekommt nun erneut wieder höchste Dringlichkeit.

Martin Stellmann vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) bezeichnet den aktuellen Straßenzustand dort jedoch als verkehrssicher und im Vergleich mit anderen Straßen im Bremer Stadtgebiet als durchaus vertretbar. „Die erheblichen Mittel für eine gesamte Umgestaltung stehen hier nicht zur Verfügung. In der Elsasser Straße hatte seinerzeit der offene Kanalbau von der Hansewasser die Bauarbeiten ausgelöst,“ erklärt der ASV-Sprecher Amtsleiter auf Nachfrage. Außerdem verweist er auf eindeutige Verkehrsregeln in einer solchen „Tempo-30-Straße“.

Denn Radfahrer gehören hier laut Straßenverkehrsordnung grundsätzlich auf die Fahrbahn, das Befahren von Gehwegen ist nur Kindern bis zu zehn Jahren erlaubt.

Dazu sagt Albrecht Genzel vom ADFC Bremen: „Fahren auf dem Gehweg halten Radfahrer oftmals irrtümlich fu?r weniger gefährlich als die Fahrbahnbenutzung. Ohne entsprechende Hinweisschilder sind sie aber ausschließlich Fußgängern vorbehalten.“

Ein weiteres Problem ist das Parken in der Carl-Schurz-Straße. „Man parkt auf eigene Gefahr, entweder schräg über dem hohen Bordstein oder riskant auf der Fahrbahn. Da gibt es oft Schrammen von anderen Fahrzeugen“, berichtet Sigrid Sander.

Der ADFC betont allerdings, dass dort teilweise verbotswidrig geparkt wird, da es keine Beschilderung zum Bordsteinparken gibt. Regelgerecht darf demnach nur einseitig voll auf der Fahrbahn geparkt werden, was zwar das Radfahren etwas sicherer, wegen des schlechten Belages aber nicht komfortabler macht.

„Wegen unserer du?nnen Personaldecke ist es uns leider nicht möglich, alleine vor Ort aktiv zu werden„, erklärt Albrecht Genzel vom ADFC. “Sollten sich für eine Hebung der Verkehrssicherheit jetzt mehrere Akteure zusammentun, wu?rden wir gerne mitmachen.“

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