Ausbildungsmarkt 114 Ausbildungsplätze in Bremen-Nord frei

Es wurde befürchtet, dass wegen Corona künftig weniger ausgebildet wird. Nach aktuellem Stand gibt es aber keine massiven Einbrüche auf dem Ausbildungsmarkt. Viele Plätze sind noch frei - auch in Bremen-Nord.
07.07.2020, 05:00
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114 Ausbildungsplätze in Bremen-Nord frei
Von Jean-Pierre Fellmer

Mehr als ein klassisches Fitnessstudio. Das sagt Jurij Wittmann, Inhaber des Bremer Personaltrainer-Teams, über sein Unternehmen. „Training ist neben Ernährung, Regeneration und Reflexion nur ein Baustein unseres Konzepts“, schildert er. Fitnessangebote sind seit Jahren stark gefragt, der Markt wachse. Deshalb war es für Wittmann auch kein Problem, Auszubildende für seine Studios in Vegesack oder Burglesum zu finden. Alle freien Stellen für den Herbst seien schon besetzt. Er könne sich sogar gut vorstellen, dass er im Januar noch mehr Unterstützung benötigen könne.

Wittmann hat zwar vorerst keine freien Stellen für Auszubildende, dafür gibt es für junge Erwachsene auf dem Ausbildungsmarkt noch immer ein großes Angebot. In der Region Bremen-Nord sind es aktueller Zählung zufolge noch 114 Plätze, sagt Jörg Nowag, Sprecher der Agentur für Arbeit Bremen und Bremerhaven. „Wer eine Stelle sucht, der sollte seinen eigenen Interessen und Neigungen folgen“, sagt er.

Dabei sollen Bewerber nicht nur vor der eigenen Haustür suchen. Im Stadtgebiet Bremen sind es noch 1295 freie Plätze, Bremerhaven hat noch 404 Stellen zu vergeben und in Osterholz-Scharmbeck sind es 260. Vor allem die Lesum stelle noch immer eine Grenze bei der Jobsuche dar, dabei sei Bremen-Nord gut an das Bremer Stadtgebiet angebunden. „Wer einen seltenen Beruf interessant findet, der sollte auch weitere Kreise ziehen und bundesweit suchen“, empfiehlt Nowag. Die Arbeitsagentur unterstütze Berufseinsteiger, die für eine Stelle in der Ferne umziehen müssen.

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Ausbildung oft wie gewohnt

Die Befürchtung, die Betriebe würden wegen der Corona-Pandemie und wirtschaftlicher Einbußen nicht mehr ausbilden, hat sich laut Nowag nicht bestätigt. Massive Einbrüche im Angebot gebe es nicht, Stellenausschreibungen hätten sich allerdings etwas nach hinten verschoben, sagt er. Trotz der Pandemie laufe in rund 70 Prozent der Betriebe die Ausbildung wie gewohnt weiter, wie es in einer Umfrage zur Ausbildung der Handelskammer Bremen heißt. Gelegentlich arbeiteten die Azubis im Homeoffice, gab knapp die Hälfte der Betriebe an. Bewerbungsgespräche würden noch immer vorrangig persönlich geführt, wobei Telefon- und Videointerviews in jedem vierten Betrieb genutzt werden.

Um einen Einbruch der Plätze für Auszubildende zu verhindern, wollen das Land Bremen, die Gewerkschaften, die Vertretungen der Arbeitgeber sowie Arbeitsagenturen ihre Kräfte bündeln. Das haben sie in einer gemeinsamen Erklärung Anfang Juli mitgeteilt. Außerdem wollen sie Betriebe, angehende Auszubildende und deren Eltern weiterhin beraten und Plätze vermitteln. Jugendliche, die wegen der Krise ihren Ausbildungsplatz verloren haben, sollen schnell eine Alternative vermittelt bekommen.

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Aber nicht nur die Landes-, auch die Bundesregierung versucht den Ausbildungsmarkt in der Krise zu stärken. Ein erst Ende Juli bewilligtes Hilfsprogramm soll kleinen und mittelgroßen Unternehmen mit Geldprämien helfen: Jeder abgeschlossene Ausbildungsvertrag für das demnächst beginnende Ausbildungsjahr gibt 2000 Euro, zusätzlich geschaffene und abgeschlossene Verträge 3000 Euro sowie die Übernahme eines Azubis aus insolventen Betrieben ebenso 3000 Euro. Insgesamt sind 500 Millionen Euro für das Hilfsprogramm eingeplant.

Welche Stellen Anfang Juli noch offen waren, zeigt das Ausbildungsbarometer: Auf www.jugendberufsagentur-bremen.de/ausbildung können junge Erwachsene sehen, wie viele Stellen an welchen Standorten noch frei sind. Das sind in Vegesack etwa Ausbildungsplätze als Seiler, Bootsbauer, Chemielaborant, Schornsteinfeger, Hörakustiker und viele weitere Stellen in kaufmännischen, handwerklichen und anderen Berufen. Über die Grenzen Vegesacks hinaus ist das Angebot noch deutlich vielfältiger.

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Viele Beratungsangebote

Nicht bei allen Nordbremer Betrieben läuft die Ausbildung in diesem Jahr unverändert: „Bisher haben wir keine Bewerbung auf den Ausbildungsplatz des Oberflächenbeschichters in diesem Jahr erhalten“, sagt Sascha Fieser, Geschäftsführer der Firma OTS Service in Schwanewede. „Aufgrund der wirtschaftlichen Situation durch die Corona-Pandemie sehen wir von der Ausbildung in diesem Jahr auch ab.“

Jugendliche können freie Ausbildungsstellen auf mehreren Wegen finden: Die App namens Azubiwelt gibt es kostenlos im Google Playstore und im Appstore von Apple. Wer nicht weiß, wie die genaue Bezeichnung eines Berufs lautet oder nach Alternativen stöbern möchte, der kann auf der Internetseite www.berufenet.arbeitsagentur.de Alternativen finden. Als Alternative zur App funktioniert die Stellensuche auch über die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit unter www.jobboerse.arbeitsagentur.de

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Und wer Nachfragen hat oder auf persönliche Beratung wert legt, der kann bei der Berufsberatung einen Termin vereinbaren – telefonisch unter 0800 / 4 55 55 00 oder auf der Website der Arbeitsagentur. Für Schulabgänger, die noch für dieses Jahr suchen und sich beraten lassen wollen, hat die Bremer Agentur außerdem eine Hotline eingerichtet. Sie ist von montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags zusätzlich von 14 bis 16.30 Uhr erreichbar unter 0421 / 178 12 45.

Wer bisher keine Stelle gefunden hat, hat also weiterhin Chancen. Es kommt auch nicht immer auf die Noten an. „Klassische Fakten und Zahlen aus der Bewerbung sind für uns zweitrangig“, sagt Personaltrainer Wittmann. Für ihn zählt auch die Persönlichkeit der Bewerber. Ein Vorstellungsgespräch per Video kam für ihn deshalb auch nie in Erwägung.

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