Dienstantritt am 1. April

Philipp Heßemer wird neuer Feuerwehrchef in Bremen

Philipp Heßemer übernimmt am 1. April die Leitung der Feuerwehr Bremen. Er tritt seinen neuen Job in einer Phase an, in der Vorwürfe gegen die Feuerwehr erhoben werden.
03.02.2021, 20:10
Lesedauer: 3 Min
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Philipp Heßemer wird neuer Feuerwehrchef in Bremen
Von Ralf Michel
Philipp Heßemer wird neuer Feuerwehrchef in Bremen

Zur Vorstellung schon mal im Rathaus, aber Dienstbeginn ist erst am 1. April: Philipp Heßemer, der neue Leiter der Feuerwehr Bremen.

Christina Kuhaupt

Es muss ein merkwürdiges Gefühl sein, sich auf einen neuen Job zu bewerben, und dann sorgt der angestrebte Arbeitsplatz mitten im Bewerbungsverfahren deutschlandweit für unappetitliche Schlagzeilen. „Getroffen hat mich das. Als Feuerwehrmann“, sagt Philipp Heßemer, ab 1. April Bremens neuer Feuerwehrchef, als er am Mittwoch bei seiner Vorstellung im Rathaus darauf angesprochen wird, dass Mitarbeitern der Bremer Berufsfeuerwehr Rechtsradikalismus, Rassismus, Homophobie und Mobbing vorgeworfen wird. Aber es seien ja inzwischen wichtige Dinge zur Aufklärung initiiert worden. Die gelte es nun zu verstetigen und „zum Teil der Handlungsagenda“ zu machen. Ansonsten nimmt es Heßemer sportlich: Wer sich auf eine solche Position bewerbe, müsse immer damit rechnen, dass auch so etwas passiert. „Das ist eine Herausforderung. Aber auch eine spannende.“

Womit der 40-jährige Branddirektor schon ziemlich dicht dran ist an dem, was in Bremen von ihm erwartet wird. Denn wenn Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) von einer großen Feuerwehrreform spricht, die ansteht, dann meint das zwar in erster Linie die Neuorganisation der drei zentralen Bereiche Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Fester Bestandteil der angestrebten Modernisierung ist aber auch die Kultur innerhalb der Feuerwehr selbst. Der Umgang miteinander, der Umgang mit Kritik und mit eben den Themen, die das Ansehen der Bremer Berufswehr in Schieflage gebracht haben: Rechtsradikalismus, Rassismus oder auch der Umgang mit Frauen in der Feuerwehr.

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Mäurer will in der Pressekonferenz nicht den Ergebnissen der internen Ermittlungen vorgreifen, doch als er aufzählt, was er unter moderner Kommunikationskultur versteht, zeichnet er ein beredtes Bild vom Zustand der heutigen Berufsfeuerwehr. Es müsse möglich sein, auf der Ebene der Wachabteilungen kontrovers zu diskutieren. Es müsse möglich sein, Fehler anzusprechen oder Kritik zu äußern, ohne sich am nächsten Tag zu einer anderen Wache versetzt wiederzufinden. „Es muss möglich sein, ohne Risiko seine Meinung sagen zu können.“

Philipp Heßemer, der von der Feuerwehr Köln nach Bremen wechselt, gilt dem Innensenator auch und gerade wegen seines noch recht jungen Alters als Hoffnungsträger. „Er steht für einen Generationswechsel, fachliche Kompetenz und eine gute Kommunikation. Ich bin davon überzeugt, dass er den aktuell laufenden Prozess der Modernisierung der Feuerwehr Bremen mit vielen Impulsen weiter vorantreiben wird.“

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Aber eben erst in zwei Monaten. Und Mäurer macht klar, dass er die Zeit bis dahin nutzen will, um sicherzustellen, dass „sich solche Dinge nicht wiederholen“. „Altlasten wegräumen“, nennt er das.

In strafrechtlicher Hinsicht gibt der Innensenator trotz noch laufender Ermittlungen vorsichtig Entwarnung. In der Chatgruppe einer Wachabteilung waren rechtsradikale Inhalte aufgetaucht, nachgewiesen aber nur für den Zeitraum zwischen 2013 und 2015. Die Sorge, hier nur die Spitze des Eisberges vor sich zu haben, habe sich nicht bewahrheitet, sagt Ulrich Mäurer. „Unser Albtraum war, dass wir hier innerhalb der Feuerwehr ein weitverzweigtes rechtes Netzwerk haben.“ Deshalb habe man auf so breiter Basis ermittelt, inklusive Staats- und Verfassungsschutz.

„Es gibt aber keinerlei Hinweise auf ein solches Netzwerk. Das war lokal und zeitlich begrenzt und auch kein übergreifendes Problem in der Feuerwehr“, betont Mäurer. „Wir ermitteln nur gegen wenige Personen.“

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Zur Sache

Leidenschaftlicher Triathlet

Der neue Chef der Feuerwehr Bremen, Philipp Heßemer, ist gebürtiger Berliner. Dort trat er mit 13 Jahren in die Jugendfeuerwehr ein, mit 18 dann in die Freiwillige Feuerwehr. „Ein Ankerpunkt für meine spätere Berufswahl“, sagt er heute. Nach Abitur, Ingenieurstudium und anschließendem Master in „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ arbeitete Heßemer zwei Jahre bei der Feuerwehr München. Von 2008 bis 2010 absolvierte er die Ausbildung für den höheren feuerwehrtechnischen Dienst. Nach der Prüfung zum Brandassessor arbeite er elf Jahre für die Feuerwehr Köln, zuletzt als Leiter der Abteilung Gefahrenvorbeugung. Der 40-Jährige ist verheiratet, hat zwei Töchter und ist nach eigenem Bekunden „leidenschaftlicher Triathlet“.

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