Energiekrise und Beleuchtung Sorgen um den Bremer Weihnachtsmarkt

Die Schausteller haben an den Bundeswirtschaftsminister appelliert, die Weihnachtsmärkte zu verschonen – sie seien keine Energiefresser. Bei der Weihnachtsbeleuchtung in der City gibt es schon Konsequenzen.
18.09.2022, 05:00
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Sorgen um den Bremer Weihnachtsmarkt
Von Frank Hethey

So ganz sicher sind sich die Schausteller ihrer Sache nicht. "Wir geben uns keinen Illusionen hin", heißt es in einem Brief des Deutschen Schaustellerbundes an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). "Bald werden Sie auch unsere bundesweit 3000 Weihnachtsmärkte auf den Prüfstand stellen." Die Befürchtung: Die Weihnachtsmärkte könnten aus Energiespargründen eingeschränkt oder sogar untersagt werden. Zu den Skeptikern zählt auch Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellerverbandes in Bremen.

Sein Verband hat federführend an einem Faktenblatt mitgewirkt, das Habeck in der vergangenen Woche als Anlage zum Briefappell zugegangen ist. Danach gibt es keinen stichhaltigen Grund, die Weihnachtsmärkte in Frage zu stellen. Denn: Mit Blick auf die Zahl der Gäste sei der Strombedarf von Volksfesten und Weihnachtsmärkten gering. Einen Merksatz bekommt Habeck gefettet mit auf den Weg: "Gäste auf Weihnachtsmärkten verbrauchen weniger Energie als Stubenhocker!"

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Sind die Sorgen der Schausteller begründet? Das Bundeswirtschaftsministerium verweist darauf, dass seit Monatsbeginn nur die Beleuchtung von Gebäuden und Baudenkmälern von außen verboten sei. Ausdrücklich ausgenommen seien kurzzeitige Beleuchtungen bei Kulturveranstaltungen und Volksfesten – "wozu auch Weihnachtsmärkte zählen können", sagt Habeck-Sprecherin Susanne Ungrad. Bei der Verordnung gehe es nicht um Leuchten an sich, sondern um Beleuchtung. Ihre Auslegung: "Leuchtet eine Weihnachtsbeleuchtung an einem Gebäude in dieser Weise, dürfte es von der Vorschrift nicht erfasst sein." Der Zweck sei ja nicht die Beleuchtung an sich.

Allerdings will das Bundeswirtschaftsministerium den Schaustellern nicht Brief und Siegel auf uneingeschränktes Weihnachtsmarkt-Vergnügen geben. Länder und Kommunen seien dafür zuständig, die Verordnung umzusetzen, sagt Ungrad. Und das bedeute auch, dass diese letztlich alle weiteren Entscheidungen zu treffen hätten. Dessen ist man sich im Bremer Wirtschaftsressort bewusst. Je nach Entwicklung der Energiekrise werde man mögliche Einschränkungen immer wieder neu bewerten müssen, sagt Ressortsprecherin Kristin Viezens.

Was sparsame Beleuchtung angeht, haben die Schausteller ihre Hausaufgaben gemacht, meint Susanne Kenuneke. Die meisten Schausteller hätten schon längst auf LED umgerüstet, sagt die Vorsitzende des Vereins der Schausteller und Marktkaufleute. Bis jetzt seien aber "keine tiefgreifenden Maßnahmen" für weitergehende Energieeinsparungen geplant. "Jeder macht, was im Rahmen seiner Möglichkeiten machbar ist." 

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Laut Keuneke wird der Weihnachtsmarkt "ganz normal geplant". Allerdings ist nach Angabe ihres Kollegen Robrahn das Beteiligungsverfahren der Schausteller nicht pünktlich gestartet, es werde erst in der kommenden Woche beginnen. Mit strikten Hygienevorschriften rechnet Robrahn zwar nicht, dafür aber mit vermehrten Absagen wegen zu wenig Personal. "Das macht leider auch vor unserer Branche nicht Halt", sagt er. Nicht nur Schausteller, auch Kunsthandwerker sieht er in einem Dilemma. Nun dürften sie wieder kommen, könnten es aber vielleicht nicht mehr. Das gelte ebenso für den Freimarkt. "Da stehen uns viele Veränderungen bevor. Es ist gut möglich, dass größere Anlagen kurzfristig absagen."

Das Thema Weihnachtsbeleuchtung treibt auch die Einzelhändler um. "Wenn wir zur Weihnachtszeit zu Hause mit strengen Vorschriften beschäftigt sind, ist die Frage, wie das Empfinden der Kundschaft bei solchen Dekorationen ist", sagt Karsten Nowak. Er ist Geschäftsführer des Bereichs Einzelhandel bei der Handelskammer Bremen. „Bewusst die sonstige Pracht etwas zurückzunehmen, das fände ich nachvollziehbar.“ Zu früh sei es für diese Diskussion nicht, findet Nowak: „Man muss sich als Unternehmen jetzt schon damit befassen.“

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Bei der City Initiative ist bereits eine Entscheidung gefallen: Statt vier soll die Weihnachtsbeleuchtung in diesem Winter nur zwei Monate lang angeknipst werden, und das auch nur zwischen 16 und 22 Uhr. Los geht es also nicht bereits zur Zeitumstellung Ende Oktober, sondern erst am Totensonntag, 20. November. Ende Januar und nicht wie sonst Ende Februar gehen die Lichter dann endgültig aus. City-Initiative-Vorsitzender Jens Ristedt hält das für einen "guten Beitrag in einer schwierigen Zeit". Seiner Ansicht nach stelle dieses Vorgehen eine angemessene Balance zwischen Ambiente und Energiesparen her. Zugleich werde eine deutliche Einsparung im Vergleich zu früheren Jahren erzielt, sagt er.
 
Weserpark-Managerin Monika Mehrtens plädiert für ein einheitliches Vorgehen bei der Weihnachtsbeleuchtung. Stelle ein Händler einen leuchtenden Baum hin, der Nachbar aber nicht, seien Ärger und Kritik vorprogrammiert. Zur Akzeptanz für Einschränkungen habe sie aus der Coronakrise mitgenommen: "Je länger es dauert, desto weniger Verständnis gibt es."

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