Restaurantbesprechung

Wie ein edles Picknick im Park

Im Canova in Bremen fühlt sich der Gast ein wenig wie im Märchen „Tischlein deck dich“. Dazu gibt es eine gute Küche – mit der Tendenz, sehr gut zu sein.
16.05.2018, 14:15
Lesedauer: 3 Min
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Wie ein edles Picknick im Park
Von Marcel Auermann
Wie ein edles Picknick im Park

Mitarbeiterin Melanie Kramaric zeigt einen Wildkräutersalat mit Gemüserösti.

Christina Kuhaupt

So etwas gibt es selten: Dinieren inmitten einer Wallanlage, wo es grünt und blüht, dazu scheint die Sonne, auf einer Terrasse stehen wie rein zufällig einige Tische, an denen Gäste Platz nehmen können. Alles wirkte so entspannt an diesem Abend, als träfen wir zu einem edlen Picknick im Park ein. Wir hatten reserviert, also kannten die Kellner im Canova unsere Namen. Kaum saßen wir, da flog die weiße Decke an – und hinterher gleich noch Gläser, Besteck und Teller. Alles verteilte sich akkurat wie bei "Tischlein deck dich“. Neben der Speise- und Getränkekarte kam der Kellner einen kurzen Augenblick später mit einer riesigen Kreidetafel an, positionierte sich selbstbewusst vor uns und präsentierte die Empfehlungen des Tages. Allein das besaß schon Charme, und im positiven Sinn schmunzelten wir auch kurz darüber. Es war so unerwartet wie das Duzen des Kellners, das nett gemeint war und irgendwie dazu beitrug, um diesem Abend etwas Luftiges, Leichtes, Lockeres zu verleihen. Kurzum: Momente, die haften blieben. Einfach schön.

Ein gelungener Start

Wir saßen also noch gar nicht lange, und es passierte einiges um uns herum. Der Kellner brachte einen kleinen Brotkorb mit knackigem Baguette und französischer Salzbutter. Wenig später grüßte die Küche mit einer kross angebratenen Chorizo, die mit einem angenehmen, leicht geräucherten Geschmack, nicht zu viel Knoblauch und einer unterschwelligen Schärfe überzeugte. Dazu gab es auf dem dreieckigen Tellerchen einen Papaya-Gurkensalat mit Quinoa. Zu diesem gelungenen Start passte der satte Rotwein aus dem Rhônetal (0,2 Liter für 7 Euro), den uns der kenntnisreiche Kellner in einem Gespräch empfahl. Mit seinem voluminösen Bouquet begleitete der Tropfen alle Gerichte.

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Ob es an der Kunsthalle liegt, weshalb der Küchenchef die Gerichte so filigran auf die Teller drapiert, damit sie zu einer Augenweide werden? Der gratinierte Asendorfer Bio-Ziegenkäse lag gemütlich in einem Salatbett, dazu vier Stangen weißer Spargel, die einen tollen Biss besaßen. Als Gag des Kochs machte ich an diesem Abend die kross gerösteten Pumpernickel-Krümel aus, die sich zwischen den einzelnen Bestandteilen der Vorspeise fanden. Dennoch hätte alles etwas heißer sein dürfen. Vielleicht war der Ziegenkäse auch deshalb nicht so cremig, fast flüssig, wie ich mir das gewünscht hätte. Es konnte nicht am lauen Lüftchen an diesem Abend gelegen haben, dass auch die Kartoffel-Brunnenkresse-Suppe (9 Euro) meiner Begleitung einige Grad heißer hätte an den Tisch kommen müssen. Nichtsdestotrotz tat das dem guten Geschmack im Zusammenspiel mit dem Eigelb-Ravioli kaum einen Abbruch.

Fehlende Wärme und Kreativität

Eher störte mich die Temperatur bei meinem vorzüglichen, zarten Maibock-Fleisch (30 Euro), das noch vollmundiger, runder gewesen wäre, hätte es mehr Wärme gehabt. Ein paar Tropfen einer kräftigen Soße hätten für das Hauptgericht noch einiges getan. Die Apfelvinaigrette zum Ofenspargel, zu den herrlich säuerlich eingelegten Radieschen und den Wildkräutern war entschieden zu wenig. Vor allem auch, weil die Pumpernickelerde ordentlich Flüssigkeit aufsog. Übrigens lag zum zweiten Mal der Pumpernickel auf meinem Teller, was ich dann schon wieder nicht mehr so kreativ fand. Man sollte eine Idee nicht zu oft auf einer Speisekarte wiederholen, weil durch eine Kombination, wie ich sie wählte, dann Langeweile eintritt.

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Was die Soße anging, schaute ich auf den Teller meiner Begleitung. Um die Wildgarnelen (28 Euro), den Ofenspargel und das Erbsenpüree legte sich ein feiner Weinschaum, der die einzelnen Geschmacksrichtungen der Zutaten schön unterstützte. Mal davon abgesehen, dass sich das Krustentier im Ganzen farblich und gestalterisch gut in das Gesamtgebilde auf dem weißen Teller fügte.

Als imposant empfanden wir die großen kreisrunden Scheiben, die in der Mitte mit einer kleinen Einbuchtung versehen waren und den Nachtisch beinhalteten. Meine Begleitung entschied sich für das fluffige, wolkenleichte weiße Schokotörtchen mit Rhabarber (10 Euro). Ein Gedicht. Ich hätte gerne das doch recht eigenwillige Spargel-Rahm-Eis probiert, das es aber nicht mehr gab. Ich wich aus auf ein herrlich intensives Tonkabohneneis mit Rhabarberkompott (9 Euro), das eine gute Alternative darstellte.

Fazit

Fazit: Im Canova fühlt sich der Gast ein bisschen wie im Märchen „Tischlein deck dich“. Alles passiert ganz nebenbei und schwuppdiwupp. Das Servicepersonal sorgt mit einer charmanten Note dafür, dass es einem einfach nur gut geht. Dazu gibt es eine gute Küche – mit der Tendenz, sehr gut zu sein.

Canova , Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: 0421/244 07 08, Öffnungszeiten: von Dienstag bis Sonnabend von 10 bis 22 Uhr, Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Montag ist Ruhetag, barrierefrei, Internet: www.canova-bremen.de.

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