Restaurantbesprechung

Essen im Bremer Parkhotel: Von enttäuschten Erwartungen

Die Preise mögen für die Leistung der Küche im Restaurant des Parkhotels gerade so gerechtfertigt sein. Im Zusammenspiel mit einem arg steigerungswürdigen Service sind sie viel zu üppig kalkuliert.
08.05.2018, 19:48
Lesedauer: 4 Min
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Essen im Bremer Parkhotel: Von enttäuschten Erwartungen
Von Marcel Auermann
Essen im Bremer Parkhotel: Von enttäuschten Erwartungen

Joshua Höinghaus zeigt die Genüsse, angerichtet wie ein Gemälde.

Frank Thomas Koch

Wenn der Blick auf die Speisekarte verrät, dass sämtliche Hauptgänge an oder schnell über die 30-Euro-Marke gehen und auch keine einzige Vor- und Nachspeise weniger als zehn Euro kostet, dann schraubt der Gast im Restaurant des Park Hotels die Ansprüche hoch. Und zwar nicht nur bei der Küche. Auch das Drumherum muss stimmen. Allein die edle, idyllische Lage im Bürgerpark verpflichtet.

An diesem Sonnenabend auf der Terrasse mit Blick auf den prächtigen Springbrunnen, der meterhoch das Wasser in den Himmel spuckte, erwarteten wir einiges: Service, der auf alles achtet, zuvorkommend und höflich handelt, den Gast durch den kompletten Abend begleitet. Doch all das bekamen wir nicht, obwohl die Lokalität beileibe nicht überfüllt war.

Zwar platzierte uns die Kellnerin an einem Plätzchen mit traumhafter Aussicht. Aber da saßen wir erst einmal mit der Speisekarte in der Hand. Obwohl wir sie schon längst zugeschlagen hatten, dauerte es knapp 15 Minuten, bis jemand unsere Bestellung entgegennahm. Gerne hätten wir bei Temperaturen um die 25 Grad auch gleich einen Weißwein geordert.

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Enttäuschend für ein Haus dieses Niveaus

Doch die Weinkarte bekamen wir nicht zu Gesicht. Auch auf Nachfrage brachte sie uns der Ober nicht. Wir vertrieben uns die Zeit mit ein paar labbrigen Scheiben weißem Baguette und dreierlei Butter. Erst nachdem wir darauf bestanden, zu erfahren, um was es sich genau in dem Silberschälchen handele, erfuhren wir, dass vor uns Kräuter-, Curry- und Pfefferbutter stand.

Das sollte dann auch alles an Gruß aus der Küche gewesen sein. Ehrlich gesagt: Enttäuschend für ein Haus dieses Niveaus und dieser Preiskategorie. Erst als nach 50 Minuten dann bereits die Vorspeise an den Tisch kam, hatten wir die nächste Gelegenheit, anzumerken, dass wir eigentlich schon längst gerne einen kühlen Weißen bestellt hätten.

Die Frage „Welcher darf’s denn sein?“ betrachteten wir als reichlich dreist, nachdem wir bis zu diesem Zeitpunkt noch keinen einzigen Blick in die Getränkekarte werfen konnten. Letztlich entschieden wir uns im Gespräch mit dem Kellner für einen Grauburgunder vom Kaiserstuhl (0,2 Liter für 8 Euro), der eine satte goldgelbe Farbe besaß und mit seiner Perlage und seinem würzigen Aroma sehr erfrischend wirkte.

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Gegen diesen kräftigen Tropfen hatte es die Crème Brûlée vom Ziegenkäse (11 Euro) schwer. Das Herzhafte kam kaum zur Geltung. Obendrein überlagerte die karamellisierte Zuckerkruste in Kombination mit den Rhabarberstiften den Ziegenkäse. Der Rücken und die Keule vom Kaninchen mit den weißen und grünen Spargelspitzen (16 Euro) meiner Begleitung zergingen auf der Zunge. Jeder Bestandteil besaß einen kräftigen Eigengeschmack.

Einen imposanten Pfiff brachte die Tunke aus Paprika und Tomaten, die fast an die kalte spanische Gemüsesuppe namens Gazpacho erinnerte. Nach dem ersten lukullischen Erlebnis hieß es wieder warten. Warten, bis nach rund 15 Minuten endlich abgeräumt wurde. Warten, bis es nach fast einer Stunde mit dem Hauptgericht weiterging.

Der Abend zog sich ohne jegliche Moderation durch das Servicepersonal in die Länge. Der schöne Blick in die Weite wog das alles schon lange nicht mehr auf. So hatten wir viel Zeit, zu beobachten. Und es gab einiges. Wir bemerkten, wie sich ein Mann am Nachbartisch über seine Portion Spargel beschwerte und ihn noch einmal in die Küche gab.

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Wie ein älteres Ehepaar umgesetzt wurde, weil der Kellner plötzlich registrierte, dass es an einem A-la-Carte-Tisch saß, obwohl sie nicht üppig essen wollten. Nur: Der Tisch wurde den kompletten Abend über nicht mehr wieder besetzt. Der Mann schnaubte nur: „Das Park Hotel war mal eine gute Adresse.“ Und schob das Wörtchen „War!“ noch einmal nach. Wir hörten auch, wie sich eine Dame über das schon arg abgenutzte Tafelsilber echauffierte.

Dann, irgendwann, kamen unsere Hauptgerichte. Der Kellner fragte tatsächlich, ob ich zu meinem Filet von der Fjordforelle (25 Euro) Fischbesteck haben wolle. Das darf keine Frage sein! Der Speckschaum gab dem Fisch eine schöne kräftige Würze, die die Perlzwiebeln und der Spitzkohl noch unterstützten. Darunter lag ein feines Nussbutter-Kartoffelpüree.

Ein Höhepunkt des Abends stellte ohne Frage das 350 Gramm schwere Kotelett vom Duroc-Schwein (31 Euro) meiner Begleitung dar. Eine feine Fettschicht umrandete und durchzog das auf den Punkt gegarte Fleisch, die erst zum einmaligen Geschmack beitrug. Interessant und äußerst passend wirkte die Kombination mit den Zimtbirnenspalten, der Steckrübe, der Perlzwiebel und dem Thymianjus. Das Fleisch zeigte mit jeder einzelnen Zutat eine andere Seite. Einfach grandios.

Gerade so gerechtfertigt

Grundsätzlich ließen die Portionen noch Platz für ein Dessert. Meine Begleitung machte die Crème Brûlée von Muscovado-Zucker, Kaffee und Vanille (13 Euro) an. In der Tat eine samtige Crème mit einem knackigen Deckel Zucker und einer tollen Note Kaffee. Mein gebranntes und geeistes Mousse von exotischen Limonen (14 Euro) fiel geschmacklich dagegen ab, war aber optisch künstlerischer auf den Teller gelegt. Vielmehr waren die kandierten Zwergorangen und die Bananen-Beignets die Schau. Lecker!

Fazit: Die Preise mögen für die Leistung der Küche gerade so gerechtfertigt sein. Im Zusammenspiel mit einem Service, der noch um einiges steigerungswürdig und zu großen Teilen fast absent ist, sind sie viel zu üppig kalkuliert. Die Erwartungshaltung in diesem Segment ist einfach zu hoch für das, was der Gast geboten bekommt.

Weitere Informationen

Park Restaurant, Im Bürgerpark, 28209 Bremen, Telefon: 0421 34080, Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 12 bis 14.30 Uhr und 18 bis 22 Uhr, teilweise barrierefrei, Internet: www.hotel-bremen.dorint.com

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