Hospiz- und Palliativgesetz Mehr Halt am Lebensende

Das Hospiz- und Pallaitivgesetz sollte viele Verbesserungen für Schwerstkranke und Sterbende bringen. Die CDU-Fraktion will nun wissen, wie das Gesetz in Bremen umgesetzt wird. Was Experten sagen.
26.09.2022, 09:36
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Mehr Halt am Lebensende
Von Kristin Hermann

Das Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) regelt seit Ende 2015 die Versorgung sterbenskranker Menschen neu. Damit einher ging ein ganzes Bündel von Maßnahmen: Unter anderem sollen Patienten besser über die Möglichkeiten der Palliativmedizin aufgeklärt werden und einen Anspruch auf umfassende Beratung haben. Ziel ist ein flächendeckendes Betreuungsangebot für Schwerstkranke, egal ob sie ihre letzte Lebensphase zu Hause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus verbringen.

Doch hat das Gesetz tatsächlich die gewünschte Verbesserung gebracht und wie wird die Umsetzung in Bremen überwacht? Dazu hat die CDU-Fraktion jüngst eine Kleine Anfrage an den Senat gestellt. "Wer Familie und Freunde hat, die sich kümmern, kann sich glücklich schätzen. Es gibt allerdings zunehmend alleinstehende Menschen, auch in den Pflegeeinrichtungen", sagt Sigrid Grönert, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. "Wir haben den Eindruck, dass da viel zu selten genauer hingeschaut wird und die Betroffenen selbst können weder für sich noch nach ihrem schweren Weg, der ja nun mal zwangsläufig mit dem Tod endet, für andere kämpfen."

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Henrikje Stanze ist Professorin für Pflegewissenschaft an der Hochschule Bremen und Kongresspräsidentin des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der in der kommenden Woche in Bremen startet. Sie sagt: "Durch das Gesetz hat sich die Aufmerksamkeit gewandelt. Das Thema würdevolle Sterbebegleitung ist in vielen Einrichtungen und auch gesellschaftlich ganz anders angekommen." Dennoch gebe es je nach Region und Einrichtung starke Unterschiede in der Umsetzung. "Die flächendeckende Versorgung kann durch Personalnot und fehlende Infrastruktur nicht überall so gewährleistet werden, wie es das Gesetz eigentlich voranbringen wollte", sagt Stanze. Um eine palliative Haltung zu entwickeln, sei es zudem wichtig, dass in den Einrichtungen alle tätigen Kräfte in die Arbeit mit Sterbenden einbezogen werden - von der Pflege-bis zur Reinigungskraft.

Um diesem Anspruch ein Stückchen näher zu kommen, hat die Convivo-Gruppe, die zahlreiche Pflegeeinrichtungen in Bremen und Niedersachsen betreibt, nach dem Gesetzesbeschluss ein eigenes Palliativ-Konzept entwickelt. Unter anderem werden dort Kräfte für die gesundheitliche Versorgungsplanung (GVP) ausgebildet. "Wir wollen unsere Bewohnerinnen und Bewohner möglichst frühzeitig über ihre Möglichkeiten in ihrer letzten Lebensphase aufklären und auf ihre Wünsche eingehen", sagt Manuela Nedjari, Pflegeexpertin bei Convivo. 1300 Menschen können die Beraterinnen derzeit betreuen. "Damit können wir leider noch nicht alle unsere Einrichtungen abdecken", sagt Nedjari.

Das Unternehmen arbeitet deshalb ergänzend mit ambulanten Hospizdiensten zusammen. Solche Kooperationsverträge sind ebenfalls im HPG vorgesehen. Selbstläufer seien diese jedoch nicht. "Gerade in der angespannten Pflegesituation ist es wichtig, uns immer wieder in Erinnerung zu rufen", sagt Astrid Helmers vom Verein Hospizhilfe Bremen. Durch das Gesetz habe sich jedoch bereits viel getan. "Es ist bei allen viel präsenter", sagt ihre Kollegin Annet Boye. Der Bedarf an Begleitung beim Sterben, Tod und Trauer habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

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