Bremerin beim Griechen entdeckt Wird sie Deutschlands nächstes Top-Model?

Cosmopolitan, Harper’s Bazaar, Marie Claire: Die Auftragsliste großer Modemagazine für die Bremerin Aline Dahse ist lang. Ein Top-Model ist sie aber noch nicht. Die Fashion Weeks könnten das ändern.
09.02.2017, 06:00
Lesedauer: 6 Min
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Wird sie Deutschlands nächstes Top-Model?
Von Ina Schulze

Cosmopolitan, Harper’s Bazaar oder Marie Claire: Die Auftragsliste großer Modemagazine für die Bremerin Aline Dahse ist lang. Doch ein Top-Model ist die 24-Jährige noch nicht. Die Fashion Weeks in Mailand und London könnten das ändern.

„Mama ich werde Model“, ruft Aline Dahse, als sie an diesem Abend vom Griechen kommt, von einem Essen mit ihrer Freundin. Ein Berliner Modelscout hatte sie in dem Horner Restaurant angesprochen, meinte, die 16-Jährige habe ein interessantes Gesicht.

Kurze Zeit später ist sie an eine Modelagentur in Hamburg vermittelt.

Acht Jahre später. Seit dem denkwürdigen Abend beim Griechen war die 24-Jährige auf dem Cover der britischen Harper’s Bazaar, hatte Fotostrecken in der französischen und türkischen Cosmopolitan sowie in der britischen Elle und der britischen und türkischen Marie Claire: Ihre Liste der Modelaufträge ist lang. Doch ein Top-Model ist die Bremerin deswegen nicht. Noch nicht. Denn auf den bevorstehenden Fashion Weeks in Mailand und London kann - und will - sie sich beweisen. Dort wird sich zeigen, inwieweit sich Dahse auf dem sogenannten „A-Markt“ etablieren kann.

In diesem Monat laufen die großen Modewochen in Paris, London und Mailand. Diese Shows sind für die großen Modefirmen eine Chance, um ihre Kollektionen für die Saisons zu präsentieren. Und die 1,80 Meter große Blondine aus Bremen möchte hier Jobs ergattern. Viele Jobs.

Zu den vier wichtigsten Modezentren der Welt zählen die Städte Paris, Mailand, London und New York City. Dies ist der „A-Markt“. Vergangenen Herbst konnte Aline Dahse bereits auf der Pariser Fashion Week für Vionnet über den Laufsteg laufen. Ein Anfang. Wieder einmal.

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Mit 16 beim Griechen entdeckt

Denn auch nach Dahses Entdeckung mit 16 Jahren in dem griechischen Restaurant in Bremen-Horn, ging es mitnichten sofort los. So weit war es erst gut zwei Jahre später, nach dem Abitur am Gymnasium Horn. Die Zeit bis zum Studium verbrachte sie „in einer anderen Welt“, einem Abenteuer, wie sie es damals selbst nannte. Mit ihren Endlosbeinen lief sie für Modemarken wie „H&M“, „Joop“ und „Hugo Boss“ über den Laufsteg und arbeitete für renommierte Modemagazine.

Lange sollte der damalige Ausflug in die Modewelt in Paris, London oder Barcelona allerdings nicht dauern. Denn für Dahse war eine akademische Ausbildung wichtiger: Sie legte die Modelkarriere auf Eis. Und kehrte erst nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss in Kommunikationsmanagement und einer Festanstellung als Model-Bookerin auf den Laufsteg zurück. „Irgendwie fehlte es mir doch, selbst vor der Kamera zu stehen“, sagt Dahse, die ihren festen Wohnsitz in Bremen hat. „Außerdem bin ich definitiv zu jung, um jeden Tag am Schreibtisch zu sitzen.“

Doch vier Jahre Pause gehen an einem Model nicht spurlos vorbei. Die Modelwelt ist schnelllebig, vergangene Erfolge und Fotos sind nichts mehr wert. Dahses Modelbuch - die Bewerbungsmappe eines Mannequins - ist im Endeffekt leer.

Von Istanbul aus die Welt erobern

Um schnell wieder aktuelle Fotos und Erfolge vorweisen zu können, entschloss sich die Bremerin, erst einmal nach Istanbul zu fliegen: dem „B-Markt“. Die türkische Metropole sei nicht nur ihr zweites Zuhause geworden, sondern es lasse sich dort auch viel Geld verdienen, sagt Dahse. Hier wolle sie ihr Modelbuch neu aufbauen, um dann auf den „A-Markt“ zurückzukehren.

Viele Wochen verbrachte die 24-Jährige in Istanbul. Auch während des Militärputsches war sie dort. Angst vor der Situation hatte sie jedoch nicht: Die Agentur habe sich gut gekümmert. „Vor Krieg oder Terror fliehen, kann ich als Model nicht. Ich denke, es macht auch keinen Sinn mehr, da mittlerweile überall und zu jeder Zeit etwas passieren kann“, sagt Aline Dahse.

Und das Modebusiness lief dessen ungeachtet weiter - was auch Dahse einige große Aufträge brachte: Shootings für Marie Claire, Harper’s Bazaar, Cosmopolitan und Trendsetter sowie Aufnahmen für Mode-Kataloge großer türkischer Marken, wie Beymen oder Ipekyol.

Letztere sind laut Dahse jene Jobs, die wirklich lukrativ seien: Fotokampagnen für Onlineshops oder Mode-Kataloge. Fashion Weeks, Fotostrecken in Magazinen oder Covershootings sorgen eher für Publicity und schöne Aufnahmen, aber eben nicht für große Umsätze.

Um gut zu verdienen, sei der Standort Istanbul gut geeignet, besser als andere Städte. Unter anderem, weil die Models in der Türkei 50 Prozent ihrer Gage an die Agentur abtreten müssten, in Paris die Agenturprovision dagegegen bei rund 75 Prozent liege. Und das, obwohl die französische Hauptstadt sowieso "unglaublich teuer" sei, sagt Aline Dahse, die bereits an der Seine gelebt und gearbeitet hat: „In Paris verschuldest du dich sofort, wenn du nicht jeden Tag arbeitest." Zumal sie von ihrem Gehalt auch die Wohnung in Bremen, ihr Auto, Krankenkasse und im Idealfall die private Altersvorsorge zahlen muss.

Auch dünne Mädchen sollten Sport machen

Für den deutschen Markt arbeitet Dahse indes weniger. Hier stünden Fitness-Models hoch im Kurs, einem Ideal, dem sie nicht entspricht: Zwar hat sie ebenfalls einen Hang zum Sport, ist von der Statur aber groß und klassisch schlank mit einem markanten Schlüsselbein. „Deutschland ist wahnsinnig kommerziell. Hier liegt gutes Geld, aber gutes Geld für kommerzielle Grinsebacken.“

Aber selbst solche müssen an sich arbeiten. Denn nur dünn sein reicht längst nicht mehr. Auch deshalb absolvierte Alina Dahse während ihrer Zeit als Modelbookerin eine zusätzliche Ausbildung zur Personal Trainerin und hat ein eigenes Trainingskonzept „Modellbau“ entwickelt, speziell für Models. Sie entwirft Trainings- und Ernährungspläne und versucht die Models mental und auch körperlich für die Kunden stark zu machen. „Es geht bei mir nicht darum, schnell Gewicht zu verlieren, sondern es geht darum, seinen Körper von innen heraus zu stärken - sowohl für die mentalen Sachen, die kommen, als auch die körperlichen Belastungen“, sagt die Bremerin. „Ich möchte die Körpermitte durch das Training kraftvoll und robuster machen.“ Dabei hat sie sich vor allem auf Konditions- und Schlingentraining (TRX) spezialisiert. So ein Trainingsband könne man überall mit hinnehmen, weswegen sie für Models gut geeignet seien. „Das Training mit dem eigenen Körpergewicht ist ungefährlich. Du kannst hierbei nichts mit Gewichten falsch machen.“

Mit der Kombination von TRX und Konditionstraining sei es einfach, den Körper zu straffen und zu definieren und trotzdem zu essen. „Sobald du anfängst, dir was zu verbieten, schreien Körper und Kopf danach und dann macht es keinen Spaß und keinen Sinn“, sagt Dahse. „Und wenn der Spaß am Leben und am Essen fehlt, dann ist das dramatisch.“ Sie selbst liebt Kaiserschmarrn und gönnt sich gerne ein oder zwei Portionen, wenn sie nach Hause kommt. „Wenn ich nächsten Morgen trainieren gehe, dann ist doch alles okay. Es geht wie in allen Bereichen im Leben darum, eine Balance zu finden.“

Ihrer Meinung nach sollten deshalb auch dünne Mädchen trainieren, um ihren Körper zu stärken. Denn viele Mädchen hätten Rückenprobleme, weil sie den ganzen Tag in hohen Schuhen laufen. „Wenn dein Körper keine Kraft hat und deine Mitte nicht stark ist, dann wirst du ganz schnell Probleme kriegen.“

Ein Leben mit Schattenseiten

Durch ihre Erfahrungen als Modelbookerin und die Ausbildung als Personal Trainerin hat sie zudem gelernt mit den negativen Aspekten der Branche umzugehen. Damals ging es ihr noch sehr an die Nieren, dass die Kunden sie mehr als Objekt und nicht als Menschen betrachteten. In die Augen schauen, sei selten. Freundliche Worte ebenso. „Man hat 15 Termine am Tag. Wenn die ersten zwei nicht gut laufen, und du abgepfeffert wirst, dann kostet dich das deine gesamte Energie“, sagt die Bremerin. Sie raffe danach alles zusammen und absolviere den nächsten Spießrutenlauf, um eventuell noch eine Klatsche abzubekommen.

Der Job hat aber auch gute Seiten. „In der Zeit, in der ich weg bin, lerne ich an einem Tag so viel, wie in drei Jahren Studium“, ist sie überzeugt. Jeden Tag gehe man zu einem neuen Job und arbeite mit einem anderen Team zusammen. „Von jedem einzelnen Menschen, den du triffst, nimmst du in irgendeiner Art und Weise was für dein Leben mit. Ich bin seit Mai persönlich wieder viel gewachsen.“

Fokus Fashion Weeks

Ein guter Grund, um noch mal alles auf eine Karte zu setzen und zu versuchen, als Model endgültig durchzustarten. Am 17. Februar startet die Modewoche in London. Am 22. Februar ist Mailand angesagt. Und ihre Chancen stehen gut: Insgesamt fünf Agenturen in Hamburg, Paris, London, Mailand und Istanbul vertreten Dahse zurzeit.

Aktuell ist sie in Italien und bereitet sich auf die Shows vor. Innerhalb weniger Wochen ergatterte Dahse auch dort einen Job nach dem anderen und wurde sogar für das berühmte Modeunternehmen Valentino bestätigt. "Meinen Bookern geht es darum, dass ich im jeweiligen Markt Fuß fasse und das sieht zurzeit sehr gut aus. Daher hängt nichts von den Shows ab. Allerdings ist es mir persönlich sehr wichtig, dass ich für die Fashion Weeks laufe.“ Auch ihr Booker in Mailand hält große Stücke auf die 24-Jährige. Sie habe ein „super starkes Potenzial und Schönheit“, so Giorgio Rivera. Er ist überzeugt davon, dass sie ihren Weg machen wird.

Mit den Maßen 86-59-89 bringt Aline Dahse zudem die richtigen Voraussetzungen für ein echtes Top-Model mit. Glaubt man Ingo Nolden, Managing Director der Hamburger Agentur Iconic Management, sind dies sogar fast die Idealmaße. Im Interview mit der Vogue sagte er, dass Mädchen oder jungen Frauen eher schlank gebaut sein sollten. „Die Maße 86-60-89 sind ideal. Die Größe sollte sich zwischen 1,74 m und 1,82 m bewegen“, so Nolden.

Und sollte es doch nichts mit der großen Karriere in der Modewelt werden, hat Aline Dahse mit ihrem Personal Training Konzept ein zweites Standbein in Bremen.

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