Beck’s-Brauer

AB Inbev streicht Jobs

Nach der Fusion mit Bierbrauer SAB Miller will Anheuser-Busch Inbev weltweit drei Prozent aller Jobs streichen. Der Konzern braut in Bremen unter anderem Beck’s und Haake-Beck.
26.08.2016, 11:21
Lesedauer: 3 Min
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AB Inbev streicht Jobs
Von Stefan Lakeband

Nach der Fusion mit Bierbrauer SAB Miller will Anheuser-Busch Inbev weltweit drei Prozent aller Jobs streichen. Der Konzern braut in Bremen unter anderem Beck’s und Haake-Beck.

Der Weg zum mit Abstand größten Bierkonzern ist fast geschafft, da erreicht die Mitarbeiter von AB Inbev und SAB Miller am Freitag eine schlechte Nachricht: Die Übernahme der britisch-südafrikanischen Brauerei durch den Mutterkonzern von Beck’s wird Jobs kosten. Insgesamt drei Prozent aller Mitarbeiter müssen gehen, nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg etwa 5500 Angestellte.

Ob und wie der Standort Bremen, die Deutschlandzentrale von AB Inbev, betroffen sein könnte, ist offiziell nicht bekannt. „Details kann ich nicht nennen, da die Übernahme noch nicht abgeschlossen ist“, sagt Unternehmenssprecher Oliver Bartelt. Dass wegen der Fusion aber Stellen in der Hansestadt wegfallen werden, gilt als eher unwahrscheinlich.

Denn in der 284 Seiten starken Mitteilung, die SAB Miller und AB Inbev am Freitag veröffentlicht haben, heißt es, dass die Personalkürzungen ein Teil der Sparmaßnahmen sind und Doppelstrukturen abgebaut werden sollen. Da SAB Miller allerdings kaum in Deutschland vertreten ist, wird höchstwahrscheinlich eher Personal in Ländern gehen müssen, in denen beide Braukonzerne eine Repräsentanz haben.

Keine Hinweise auf Stellenabbau in Bremen

Auch die Firmenzentrale von SAB Miller im englischen Woking wird betroffen sein. Denn der Hauptsitz des fusionierten Konzerns wird Leuven in Belgien werden, wo AB Inbev bereits beheimatet ist. Wie genau sich der Jobabbau auf die einzelnen Regionen weltweit verteilt, kann AB Inbev derzeit noch nicht sagen.

Deswegen zeigt sich Dieter Nickel von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Bremen trotz solcher Nachrichten gelassen. „Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass da etwas kommen kann“, sagt der Geschäftsführer. „Wir haben aber keine Hinweise darauf, dass Stellen in Bremen abgebaut werden sollen.“ Zudem bestehe seit 2014 eine Vereinbarung, dass es bis zum 31. Dezember 2017 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

AB Inbev und Arbeitnehmervertreter hatten sich auf diesen Kompromiss geeinigt, nachdem der Konzern angekündigt hatte, 151 Stellen abzubauen. Diese sollen bis 2017 durch freiwillige Austritte, natürliche Fluktuation und Vorruhestandsregelungen wegfallen. Zusätzlich haben die Angestellten 2014 auf die vorgesehene Tariferhöhung von 2,7 Prozent verzichtet. AB Inbev hatte sich damals zum Stellenabbau entschlossen, weil der Bierkonsum in Europa nachgelassen hatte. Zwischen 2009 und 2014 war der Bierkonsum in der EU sogar rückläufig. Experten sehen hier auch für die Zukunft nur ein beschränktes Wachstum.

Brauer sehen Potenzial in Südamerika und Afrika

Wesentlich interessanter sind hingegen die aufstrebenden Länder in Südamerika und Afrika. Hier sehen die Brauer viel Potenzial. Bislang liegt etwa in Afrika der jährliche Bierverbrauch pro Kopf bei gerade mal neun Litern, in Deutschland hingegen bei 106. Das Bevölkerungswachstum und die wachsende Mittelschicht werden aber wohl den Bierkonsum auf dem Kontinent vorantreiben. AB Inbev ist dort bislang nur rudimentär vertreten. Ganz im Gegensatz zu SAB Miller. Der Konzern zählt laut dem Internetportal „Global Risk Insights“ in vielen ost- und südafrikanischen Ländern zu den Marktführern – was ihn besonders attraktiv für AB Inbev macht.

Zudem will die belgische Brauerei vier Jahre nach dem Zusammenschluss jährlich mindestens 1,4 Milliarden Dollar einsparen. Dem stehen 900 Millionen Dollar Einmalkosten in den ersten drei Jahren nach der Fusion gegenüber sowie der Kaufpreis für SAB Miller. Er liegt bei etwa 94 Milliarden Euro. Um die Übernahme durchführen zu können, brauchten AB Inbev und SAB Miller die Zustimmung von mehreren Kartellbehörden weltweit. Die Erlaubnis aus den USA und der EU galten als größte Hürde.

Anteilseigner müssen noch zustimmen

Doch auch Mexiko, Indien, Südkorea und Australien mussten den Zusammenschluss erlauben. In einigen Teilen der Welt ging das aber nur unter Auflagen, die beide Konzerne erfüllen müssen. So musste sich SAB Miller in Frankreich, Italien, Großbritannien und den Niederlanden von Peroni und Grolsch trennen. Die Marken wurden bereits für etwa 2,55 Milliarden Euro an den japanischen Braukonzern Asahi verkauft. Pilsner Urquell soll in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Rumänien, Polen und Ungarn den Besitzer wechseln.

Hintergrund ist die Marktmacht, die eine Fusion der beiden Konzerne mit sich bringt. AB Inbev ist schon jetzt der weltweit größte Bierbrauer. Auf Platz zwei folgt SAB Miller. Durch den Zusammenschluss würde der Abstand zu Heineken, der derzeitigen Nummer drei, noch größer werden. Weltweit dürfte der neue Konzern dann doppelt so viel Bier verkaufen und viermal so viel Gewinn erzielen wie die Niederländer. Gegenüber der Nummer vier, Carlsberg, wären der Bierabsatz fünfmal und der Gewinn sogar zwölfmal so hoch. Der internationale Marktanteil läge bei etwa 30 Prozent.

Als letzter Schritt fehlt nun nur noch die Zustimmung der Anteilseigner. Sie soll im Oktober erfolgen und gilt als wahrscheinlich. Dann steht der Megafusion nichts mehr im Weg.

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