Aus für ein Stück Bremer Brautradition Abschied vom Haake-Beck Maibock

Die Biertrinker in Bremen und umzu müssen auf ein Stück Brautradition verzichten. Das Haake-Beck Maibock werden sie in den Marktregalen nicht mehr finden. Welchen Geschmacksrichtungen auch das Aus droht.
21.02.2020, 22:24
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Abschied vom Haake-Beck Maibock
Von Florian Schwiegershausen

In der Hansestadt hat es bisher immer zwei zuverlässige Frühlingsboten schon im Februar gegeben. Das eine ist die Bürgerpark-Tombola, das andere sind die ersten Sechserträger vom Haake-Beck Maibock. Doch mit Letzterem ist jetzt Schluss. Denn AB Inbev braut für seine regionale Marke kein Maibock mehr. Damit geht eine weitere jahrzehntelange Tradition verloren. Auf den Internetseiten des internationalen Brauereikonzerns ist das Maibock noch zu finden – aber eben nicht in den Regalen der Supermärkte. Offiziell begründet AB Inbev dem WESER-KURIER diesen Schritt so: „Es stimmt, dass wir die Entscheidung getroffen haben, Haake-Beck Maibock vorerst nicht mehr zu brauen. Wir wollen uns auf andere Produkte aus unserem Markenportfolio fokussieren.“ Dazu gehöre die Marke Haake-Beck sowohl mit dem Pils als auch mit dem Naturalster. Das wolle AB Inbev stärker aktivieren als in den Vorjahren. Das Unternehmen teilte zum Schluss mit: „Haake-Beck stellt einen wichtigen Baustein in unserem Markenportfolio für Deutschland und insbesondere für Bremen und Norddeutschland dar.“

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Damit sollen also Braukapazitäten geschaffen werden für das Haake-Beck Naturalster und das Beck‘s Lemon Brew. Letzteres ging im vergangenen Juli an den Start. Damit begegnet das Unternehmen dem Trend, dass immer mehr Menschen Biermischgetränke trinken. Die Brauereien in Deutschland haben im vergangenen Jahr so wenig Bier verkauft wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mit einem Absatz von 9,22 Milliarden Litern wurde der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2017 (9,35 Milliarden Liter) unterboten, wie das Statistische Bundesamt Ende Januar berichtete. So leide langfristig die Branche unter der demografischen Entwicklung und dem Trend zu einem gesünderen Lebensstil mit weniger Alkohol. Die Bevölkerung wird im Schnitt immer älter, die ausgeh- und trinkfreudige Gruppe zwischen 20 und 40 Jahren schrumpft. Seit 1993 ist der Bierabsatz um fast ein Fünftel gefallen, so die Statistiker.

2018 konnten die Brauer durch die Fußball-WM und den heißen Sommer den Absatz leicht steigern. Die Zahlen gingen dann 2019 trotz eines überdurchschnittlich sonnigen Sommers aber ohne große Sportereignisse weiter in den Keller. Der mit einem Anteil von 82,6 Prozent überragend wichtige Heimatmarkt gab mit einem Minus von 2,1 Prozent ebenso nach wie der Export, der um ein gutes Prozent unter dem Vorjahr blieb. Aber eben auch Biermischungen waren weniger gefragt.

Weniger Bierabsatz im Sommer

Und Marktexperten mutmaßen, dass der Erfolg des Beck‘s Lemon Brew bisher nicht so durchschlagend gewesen sei wie erhofft. Besser wäre es nach Ansicht eines Marktbeobachters, der nicht genannt werden möchte, mit solch einem sommertauglichen Mischgetränk schon im Mai in den Markt zu gehen, damit auch genug Mundpropaganda gemacht wird, bis schließlich die heißeste Jahreszeit da ist. AB Inbev wollte auf den Erfolg anderer Marken setzen, indem man Beck‘s mit einer gebrauten Zitronenlimonade mischt. Am Ende hat das Getränk mit rund 2,5 Prozent Alkoholanteil in etwa nur die Hälfte eines normalen Beck‘s, aber mehr Kalorien.

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Auch Marktaktionen deuten darauf hin, dass der durchschlagende Erfolg bisher ausgeblieben ist. So konnten die Kunden im November bei einer Marktkette zwei Kisten Beck‘s für 19,98 Euro kaufen und erhielten eine Kiste Beck‘s Lemon Brew gratis hinzu. Das Mischgetränk hatte als Mindesthaltbarkeitsdatum den Januar 2020. Wenn eine neue Charge Beck‘s in die Läden kommt, sind Mindesthaltbarkeitsdaten von sechs oder sieben Monaten üblich. Das Lemon Brew hatte also schon einige Monate im Geschäft verbracht. Überhaupt wurde mit vielen Angebotsaktionen wie „Kiste Beck‘s für zehn Euro“ bis Jahresende versucht, auf diese Weise den Hektoliterausstoß und den Umsatz anzutreiben. Die Preiserhöhungen von Anfang 2019 um etwa zehn Prozent, die eigentlich wegen der gestiegenen Rohstoffpreise erforderlich sind, wurden damit zunichte gemacht. Dazu gibt es eine weitere Baustelle: AB Inbev steckt in Bremen gerade in Tarifverhandlungen. Die zweite Verhandlungsrunde findet am 9. März statt.

Was AB Inbev mit „vorerst“ kein Maibock mehr meint, ist nicht ausgeführt. Zumindest hat bei Maibock die Konkurrenz zugenommen: So lässt Getränke Ahlers aus Achim, dem die Kette „Hol ab“ gehört, seit 2010 mit der Marke Hemelinger auch ein Maibock brauen. Die Marke Hemelinger hatte Ahlers einst AB Inbev abgekauft und lässt das Bier in Braunschweig bei Wolters brauen. Seit 2011 braut außerdem auch Konkurrent Flensburger ein Maibock und vertreibt es über den norddeutschen Raum hinaus.

Das Aus auch für Lager und Pale Ale

Doch AB Inbev macht noch woanders Schluss. So soll es in Zukunft kein „1873 Pils“, „Amber Lager“, „Pale Ale“ und „Red Ale“ mehr geben. Mit diesen etwas höherpreisigeren Geschmacksrichtungen wollte AB Inbev auf den Craft-Beer-Trend aufspringen. Diese Entscheidung wollte das Unternehmen am Freitag nicht kommentieren.

Ob der erst 30 Jahre alte und noch recht neue AB Inbev-Deutschland-Chef Michel Pepa damit die Zahlen liefern kann, die man in der Konzernzentrale im belgischen Leuven erhofft, wird sich am kommenden Donnerstag zeigen. Dann wird Konzernchef Carlos Brito die Geschäftszahlen von 2019 veröffentlichen. Es werden die vorerst letzten Zahlen sein, bei denen Haake-Beck Maibock zum Umsatz beigetragen hat.

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