Internationalen Raumstation ISS

Airbus baut Balkon für 40 Millionen Euro in Bremen

Ein „Balkon“ 400 Kilometer entfernt von der Erde ans europäische Columbus-Labormodul der Internationalen Raumstation ISS angebracht werden. Gebaut wird die Experimentier-Plattform in Bremen bei Airbus DS.
07.11.2019, 21:46
Lesedauer: 2 Min
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Airbus baut Balkon für 40 Millionen Euro in Bremen
Von Peter Hanuschke
Airbus baut Balkon für 40 Millionen Euro in Bremen

Im Columbus-Labormodul können bis zu drei Astronauten gleichzeitig arbeiten. Es wurde im Februar 2008 an die ISS angedockt.

ESA/NASA

Ein Balkon hat unbestritten Vorteile – manchmal wird er deshalb sogar erst nachträglich installiert. Wer das vorhat, wird allerdings nicht 40 Millionen Euro investieren müssen wie in diesem Fall. Dieser Balkon wird aber auch in ganz ungewöhnlicher Höhe angebracht – 400 Kilometer entfernt von der Erde ans europäische Columbus-Labormodul der Internationalen Raumstation ISS. Bei dem Balkon handelt es sich um die Nutzlastplattform Bartolomeo, die bei Airbus Defence and Space (DS) in Bremen seit über einem Jahr entwickelt und gebaut wird und Kunden ermöglichen soll, Produkte und Verfahren unter Weltraumbedingungen zu testen. Die Bartolomeo-Plattform, benannt nach dem jüngeren Bruder von Christoph Columbus, soll zwar erst im nächsten Jahr an die ISS andocken, aber das Interesse an dieser Testmöglichkeit scheint offensichtlich vorhanden zu sein.

So hat Airbus DS mit der europäischen Weltraumorganisation Esa jüngst eine Absichtserklärung unterzeichnet zum gemeinsamen Interesse an der Nutzung der externen Bartolomeo-Plattform. Die Esa möchte unter anderem eine Mission im Bereich der Exobiology durchführen, bei dieser interdisziplinären Naturwissenschaft geht es um die Erforschung des Ursprungs, der Evolution und der Zukunft des Lebens. Des Weiteren geht es um verschiedene Test-Material-Kampagnen samt Probenrückführungen im Auftrag der französischen Raumfahrtagentur CNES.

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Mit dem Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen, kurz UNOOSA (United Nations Office for Outer Space Affairs), hat Airbus DS am Rande des International Astronautical Congress, der Ende Oktober in Washington stattgefunden hatte, eine Vereinbarung getroffen. Darüber soll einem sogenannten Drittland die Möglichkeit gegeben werden, die Plattform für Versuche zu nutzen, das sonst nicht die Ressourcen dafür hätte.

Das Format für die Nutzlasten soll flexibel sein. Die Auftraggeber können ihre Nutzlasten auf eine Größe von fünf Kilogramm reduzieren, indem sie den sogenannten Slot mit anderen Experimenten teilen, oder sie können einen ganzen Slot von bis 450 Kilogramm Gewicht für sich buchen. Mit dem Angebot will Airbus DS in Kooperation mit der Esa einen bezahlbaren, schnellen und einfachen Zugang zum Weltall ermöglichen. Denn es ist inzwischen nicht einfach, an Bord der ISS freie Slots für Experimente zu bekommen.

Airbus DS und Esa sind überzeugt davon, dass sich mit der Bartolomeo-Plattform ganz neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben, vor allem weil Unternehmen im Huckepackverfahren von auf der Raumstation existierenden Ressourcen profitieren können und so Kosten reduzieren können. Der Ablauf wird von Airbus DS organisiert – vom Start über die Einrichtung und den Betrieb im Orbit einschließlich der Kommunikationsverbindungen bis hin zur Rückführung des Experiments zur Erde. Nach Angaben von Airbus DS kann nach Unterzeichnung des Vertrags für den „All-in-one-Mission-Service“ die Nutzlast bereits nach 18 Monaten ins All gebracht werden.

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