Bremer Flughafen wirtschaftlich erfolgreich

Airport will zehn Millionen Euro investieren

Bremen. Der Flughafen Bremen blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Trotz rückläufiger Passagierzahlen ist ein Gewinn von zwei Millionen Euro verbucht worden. 2012 sollen zehn Millionen Euro in Infrastruktur und Fuhrpark investiert werden.
24.01.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Krischan Förster
Airport will zehn Millionen Euro investieren

Flughafen-Chef Jürgen Bula ist mit dem Ergebnis des vergangenen Jahres sehr zufrieden.

Frank Thomas Koch

Bremen. Der Flughafen Bremen blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Bei einem leicht gestiegenen Umsatz konnte ein Gewinn von zwei Millionen Euro verbucht werden. Mit 2,56 Millionen Passagieren gab es nach dem Rekordjahr 2010 einen deutlich geringeren Rückgang als befürchtet. In diesem Jahr sollen insgesamt zehn Millionen Euro in Infrastruktur und Fuhrpark investiert werden.

Der Gregorianische Kalender ist dieses Jahr nicht gerade günstig für die Bilanz des Bremer Flughafens. Heiligabend fällt auf einen Montag, Silvester ebenso. Während sich Familien auf eine längere Feiertagspause freuen können, streichen die Fluggesellschaften wegen der schwachen Nachfrage in den letzten Tagen des Jahres ihr Angebot zusammen - "es wird weniger geflogen, auch bei uns", sagt Jürgen Bula, Geschäftsführer des City-Airports Bremen. Nicht die einzige Einbuße, auf die man sich einstellen muss.

Bereits im August, wenn die Start- und Landebahn saniert wird, wird der Flughafen eine Woche lang komplett geschlossen. Mehr als 450 Flüge müssen abgesagt und knapp 40000 Passagiere umgeleitet werden. Luftverkehrssteuer, Emissionsabgabe, die anhaltende Krise in der Eurozone und ein Abflauen touristischer Ströme nach Nordafrika oder Griechenland - "das alles bekommen auch wir zu spüren", sagt Bula. Deshalb wird der Flughafen im laufenden Geschäftsjahr 2012 wohl ein zweites Mal in Folge einen Rückgang bei den Passagierzahlen hinnehmen müssen. Laut Wirtschaftsplan wird mit 2,46 Millionen Fluggästen gerechnet, 100000 weniger als in den vergangenen zwölf Monaten (2,56 Millionen) und gut 200.000 weniger als im Rekordjahr 2010 (2,67 Millionen). "Das stört mich aber nicht so sehr, wenn das Ergebnis stimmt", sagt Bula. So wie 2011 - ein Jahr, mit dem der Flughafenchef äußerst zufrieden ist.

Alle Kennzahlen im Plus

Alle operativen Kennzahlen lägen im Plus, der Umsatz sei mit 39,4 Millionen Euro sogar leicht um eine halbe Million Euro angestiegen, sechs Millionen Euro an Altschulden seien beglichen worden und am Ende wurde ein Gewinn von gut zwei Millionen Euro erzielt. Dabei hätten zwar Sondereffekte eine Rolle gespielt, aber "wirtschaftlich sind wir kerngesund", betont Bula. Im vergangenen Jahr hatte es dagegen eine schwarze "Null" gegeben, in der Bilanz war sogar ein Minus von vier Millionen Euro ausgewiesen - wegen einer Rückstellung für nötige Lärmschutzmaßnahmen. Ganz anders sieht es bei anderen Flughäfen in öffentlichem Besitz aus. Dortmund habe 20 Millionen Euro Verlust geschrieben, Nürnberg sogar 40 Millionen Euro Zuschuss gebraucht. "Wir kommen ohne jede Subvention aus." Dabei bleibe es, auch wenn in diesem Jahr erhebliche Investitionen von mehr als zehn Millionen Euro getätigt werden.

Größter Brocken ist die Sanierung der Start- und Landebahn mit 5,6 Millionen Euro. Die Erneuerung des Feuerwehr-Fuhrparks schlägt mit weiteren 3,5 Millionen Euro zu Buche, das neue Leitsystem in den Parkhäusern mit einer Million. Auch die Vorplanung für einen Umbau des Terminals muss finanziert werden, wo es in zwei Jahren einen neuen Handgepäck-Scanner geben wird, dazu eine weitere Sechs-Millionen-Tranche der Altschuldentilgung. "Das Jahr wird eine Herausforderung", sagt Bula. Das Ziel aber bleibt gleich: stabiler Umsatz mit Rendite.

Der zwölftgrößte unter insgesamt 22 deutschen Verkehrsflughäfen braucht nach eigenen Angaben 2,3 Millionen Passagiere im Jahr, um mit eigenen Erlösen alle Ausgaben zu decken. Im vergangenen Jahr schien diese Gewinnschwelle erstmals in Gefahr. Denn nach der Einführung der Luftverkehrssteuer in Deutschland strich die irische Billigfluglinie Ryanair etliche Verbindungen. Damit gingen allein beim wichtigsten Bremer Kunden, der zuvor für 44 Prozent des Aufkommens gesorgt hatte, rund 250.000 Passagiere sowie Gebühreneinnahmen aus zahlreichen Starts und Landungen verloren.

Ursprünglich war das Management von einem noch viel stärkeren Rückgang ausgegangen und hatte deshalb sogar mit weniger als 2,3 Millionen Passagieren gerechnet. Der Plan wurde am Ende um elf Prozent übertroffen, weil sich die neue Flugsteuer weniger schlimm als befürchtet ausgewirkt hatte, durch Effizienzsteigerungen Kosten gespart und auch Passagier-Zugewinne erzielt werden konnten.

Allein auf den Strecken nach Zürich, in die Türkei und nach München, mittlerweile die stärkste Linienverbindung im Bremer Portfolio, gab es ein Plus von 170000 Passagieren, damit war der Ryanair-Verlust fast wieder wettgemacht. Während die Iren ihr Angebot kaum wieder ausweiten dürften, kann der Flughafen jetzt mit zwei neuen Kunden arbeiten.

Anfangs vier Mal in der Woche, ab Ende Mai täglich, fliegt mit Turkish Airlines eine der expansionsfreudigsten Fluggesellschaften Europas nach Istanbul und eröffnet aus Bulas Sicht große Märkte in Vorderasien und im Nahen Osten. Sicher ist auch, dass die Berliner Fluggesellschaft Germania ab Sommer zwei Maschinen fest in Bremen stationiert und so für rund 200.000 Passagieren im Jahr sorgen könnte. An diesen Plänen werde festgehalten, sagt Bula. Offen sei dagegen, ob der verabredete Ausbau des Engagements im zweiten Halbjahr wie geplant erfolgen wird. Denn die Germania wartet darauf, ob das versprochene Vertriebsportal "flybremen" wirklich kommt.

Gemeinsam mit einem Emder Reisebüro wollte der Airport künftig spezielle Flugreise-Pakete ab Bremen anbieten und damit zusätzliches Passagieraufkommen generieren - auch für die Germania. Die Gründung einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft ist bislang aber noch nicht zustande gekommen, weil es im Senat offenbar noch Vorbehalte gibt. Dem Vernehmen nach gibt es im Finanzressort keine Bedenken gegen das unternehmerische Ziel, sondern vor allem gegen die geplante Rechtsform der Beteiligung der städtischen Flughafen GmbH an einer weiteren Gesellschaft.

Inzwischen drängt die Zeit. Bis Mitte März wird eine Entscheidung gebraucht, wie zu hören ist, weil dann die Fluggesellschaften Gewissheit für den Flugplan 2012/13 haben wollen. Auf den Wirtschaftssenator und Aufsichtsratchef Martin Günthner kann Bula dabei offenbar zählen: Der Flughafen sei wichtig für die Wirtschaft, für den Tourismus und für Einnahmen der Stadt, sagte er gestern. "Wir müssen die Attraktivität des Flughafens für die Fluggesellschaften erhöhen, damit diese weitere Reiseziele anbieten können."

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