Ausbildungsfonds Eine Qualifizierungsoffensive für den Zusammenhalt

Der Senat sollte einen Ausbildungsfonds für das Land einrichten. Das könnte helfen, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen, meint Gastautor Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen.
28.05.2022, 19:11
Lesedauer: 2 Min
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Von Ingo Schierenbeck

Ein Berufsabschluss ist das Eintrittsticket in den Arbeitsmarkt – vor allem wenn es um gute Arbeit und Zukunftsperspektiven geht. Im Land Bremen erreicht aber fast ein Viertel der jungen Menschen unter 35 Jahren keinen Abschluss und mehrt die ohnehin große Zahl der Geringqualifizierten, von denen viele arbeitslos sind.

Das ist ein Grund zu doppelter Sorge. Auf der einen Seite wächst dadurch ein großes soziales Problem heran. Auf der anderen Seite werden wir als Gesellschaft den klimaneutralen und digitalen Umbau der Wirtschaft nicht ohne gut qualifizierte Beschäftigte bewältigen. Die fehlen schon jetzt. Der Fachkräftemangel wird ständig größer, weil immer mehr gut ausgebildete Babyboomer in Rente gehen. Es ist zu wünschen, dass der Senat dem Rat der Expertenkommission folgt und einen Ausbildungsfonds für das Land Bremen einrichtet. Das würde helfen, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen und die Betriebe mit Fachkräftenachwuchs zu versorgen.

Um die Fachkräftelücke zu schließen, wird das nicht reichen. Laut wissenschaftlichen Prognosen wird es zukünftig auch an akademischen, vor allem aber an beruflichen Qualifikationen mangeln. Schon heute sind die Engpässe in Erziehungs- und Gesundheitsberufen, in Energie- und Elektroberufen oder in der Kommunikationstechnologie deutlich spürbar. Es braucht deshalb Weiterbildungsangebote für Arbeitslose, damit sie im zweiten Anlauf einen Berufsabschluss schaffen. Beschäftigte brauchen zudem Möglichkeiten, ihre Kompetenzen an neue Anforderungen anzupassen oder den Beruf zu wechseln. Denn die Transformation der Wirtschaft wird viele Branchen und Berufe verändern.

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Die Arbeitnehmerkammer schlägt deshalb eine Qualifizierungsoffensive vor. Sie soll potenzielle Auszubildende, Arbeitslose und Beschäftigte gleichermaßen erreichen und ihnen Ein-, Um- und Aufstiege ermöglichen. Das stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zugleich sind gut ausgebildete Fachkräfte ein Schlüsselfaktor für wirtschaftliche Innovation und Standortpolitik. Mit einem Ausbildungsfonds, der Landesagentur für berufliche Weiterbildung und einer aufgeschlossenen Agentur für Arbeit ist Bremen gut aufgestellt.

Die Landesregierung ist gefragt, die verschiedenen Ansätze zu bündeln und mit eigenen Programmen zu einer konzertierten Qualifizierungsoffensive weiterzuentwickeln. Dann können aus den Herausforderungen der Transformation viele Chancen für eine klimagerechte Wirtschaft, einen fairen Arbeitsmarkt und eine zukunftsfähige Gesellschaft erwachsen.

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Zur Person

Ingo Schierenbeck ist Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen. Der Volljurist war zunächst als Rechtsberater in der Kammer tätig, bevor er ab 1997 Mitglied der Geschäftsführung wurde. Seit 2010 ist er Hauptgeschäftsführer.

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