E-Mobilität Autobauer Tesla sieht sich am Wendepunkt

Nach desaströsen Geschäftszahlen will der Elektroautobauer Tesla schon bald schwarze Zahlen schreiben. Die Tesla-Aktie legte zeitweise um fast sechs Prozent zu.
02.08.2018, 20:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Frank-Thomas Wenzel

Nun soll plötzlich alles wieder gut sein. Nach desaströsen Geschäftszahlen und einem ebensolchen Verhalten von Unternehmenschef Elon Musk will der Elektroautobauer Tesla nun sogar schon bald schwarze Zahlen schreiben. Die Aktionäre haben die sehr ambitionierten Ansagen des charismatischen Managers einmal mehr geglaubt. Die Tesla-Aktie legte zeitweise um fast sechs Prozent zu.

Bei der Telefon-Pressekonferenz vor rund drei Monaten für das erste Geschäftsquartal benahm sich Musk noch ziemlich rüpelhaft. Er beschimpfte Journalisten, die kritische Fragen stellten, zunächst als Dummköpfe und weigerte sich dann, die Fragen zu beantworten. Damals war beim Kampf um das Hochfahren der Fertigung für das Model 3 ein Tiefpunkt erreicht.

Tesla lag weit hinter den Planzahlen, einmal mehr konnte Musk Versprechen nicht halten. Er sprach von der ­Pro­duktionshölle. Jetzt aber wird endlich in dem Werk in Kalifornien fleißig montiert. In den drei Monaten von April bis Juni wurden genau 18.449 Autos fertiggestellt. Ende Juni wurden sogar 5000 Fahrzeuge pro Woche gebaut. ­

Spekulationen über Geldnot

Dafür musste aber eine ganze zu­sätzliche Montagelinie eingeflogen werden, die von der deutschen Tesla-Tochter Grohmann kam. Die Maschinen wurden in einem Zelt auf dem Parkplatz des Firmengeländes aufgestellt. Mit dem Model 3 will Musk den Durchbruch der Elektromobilität für den Massenmarkt schaffen – vor allen großen Autokonzernen dieser Welt.

Der Konzernchef versprach, im gerade laufenden dritten Quartal die Stückzahl sogar auf 55.000 zu steigern. Ende August sollen 6000 Autos pro Woche das Zelt und die Werkshalle verlassen. Die Einnahmen aus stärkeren Verkäufen würde schlagartig auch die finanzielle Situation des Unternehmens verbessern. Seit Monaten wird über Geldnot beim E-Auto-Pionier spekuliert.

Sogar von einer möglichen Pleite war schon die Rede. Mehr als eine Milliarde Dollar wurde in drei der vergangenen vier Quartale verbrannt. Im Frühlings-Vierteljahr machte Tesla einen Verlust von 718 Millionen Dollar (615 Milliarden Euro). Im Vorjahr hatte der Fehlbetrag bei „nur“ 336 Millionen Dollar gelegen. Die Ausweitung der Miesen ging ausschließlich auf das Konto der Anlaufprobleme beim Model 3.

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Der Umsatz stieg in den drei Monaten hingegen um mehr als 40 Prozent auf vier Milliarden Dollar. Wegen der höheren Stückzahlen. Die Gesamtproduktion lag mit rund 53.000 E-Pkw mehr als doppelt so hoch wie in der Vorjahreszeit. Zum Model 3 kommen noch das SUV Model X und die Oberklassenlimousine Model S. Musk überraschte Journalisten und Analysten mit dem Versprechen, dass Tesla in der zweiten Hälfte des Jahres erstmals in seiner Geschichte „nachhaltig profitabel“ werde und einen positiven Cashflow erzielen werde.

Damit ist gemeint, dass das Unternehmen Überschüsse erwirtschaftet – allerdings ohne Berücksichtigung von Abschreibungen. Das ist ein wichtiger Faktor für die Finanzkraft des Unternehmens. Musk will mit der Ankündigung auch Mutmaßungen über eine bevorstehende Kapitalerhöhung entkräften. Müsste er sich Geld über die Ausgabe neuer Aktien beschaffen, würde der Kurs mutmaßlich deutlich nachgeben, was weitere Verwerfungen nach sich ziehen könnte.

Und die kann der Manager gar nicht gebrauchen. Denn er hat Großes vor und hat dabei gar keine andere Wahl. Überall auf der Welt haben Autobauer angekündigt, die Flotten ihrer E-Autos massiv auszubauen. Wenn Musk da mithalten will, muss er die Produktion erheblich ausbauen. Beschlossene Sache ist bereits eine Gigafactory in Shanghai.

Landesregierungen buhlen um Tesla

Dort sollen Fahrzeuge und Batterien an einem Standort hergestellt werden. Tesla will dafür laut Finanznachrichtenagentur Bloomberg fünf Milliarden Dollar in die Hand nehmen. An einem Standort in Europa kommt Tesla ebenfalls nicht vorbei. Nach Ansicht von Experten wie dem Automobilwissenschaftler Stefan Bratzel wird der Absatz der Stromer in drei bis vier Jahren so richtig anspringen. Sie könnten hierzulande 2025 einen Marktanteil von gut 15 Prozent erreichen. Aktuell liegt er nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes bei 0,8 Prozent.

In Deutschland buhlen bereits mehrere Landesregierungen um Tesla. Unter anderem hatten das Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie Bremen Interesse bekundet. Am Donnerstag brachte sich nun auch Bayern als Standort für eine Fabrik des US-Elektroauto-Pioniers ins Spiel. Als Favorit wird Rheinland-Pfalz gehandelt, da dort die Tesla-Tochter Grohmann zu Hause ist.

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