E-Autos Vorteil für die Elektrischen

Elektroautos als Dienstwagen sollen steuerlich begünstigt werden – doch der Nutzen ist umstritten. Auch bei Bremer Unternehmen gehen die Meinungen auseinander.
02.08.2018, 20:40
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Vorteil für die Elektrischen
Von Stefan Lakeband

Bei der SWB geht es für viele Mitarbeiter elektrisch zu. Das hat nicht nur mit ihrem Metier als Mitarbeiter eines Energieversorgers zu tun. Viele von ihnen sind im Dienst oder sogar privat mit Autos mit E-Antrieb unterwegs. Es könntem künftig noch mehr werden, denn die Bundesregierung will Elektromobilität günstiger machen.

Am Mittwoch hat das Bundeskabinett eine milliardenschwere Förderung beschlossen: Wer ein Elektroauto als Dienstwagen auch privat nutzt, kann bald mit Steuervorteilen rechnen. Denn bisher muss ein Arbeitnehmer, der seinen Firmenwagen auch privat fährt, monatlich ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern – für Elektro- und Hybridfahrzeuge soll dieser Satz künftig halbiert werden.

Die Neuregelung soll für Fahrzeuge gelten, die zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 31. Dezember 2021 angeschafft oder geleast werden. Hybridautos kombinieren einen Elektroantrieb mit einem Verbrennungsmotor. Ziel der Regierung ist es, dass die Nachfrage nach E-Autos anzieht.

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Christoph Brinkmann, Sprecher der SWB, kann sich das durchaus vorstellen. „Wenn solche Fahrzeuge für unsere Mitarbeiter steuerlich interessant sind, dann werden sich sicher auch mehr dafür interessieren.“ Doch auch schon jetzt sind viele Autos im Fuhrpark und Dienstwagen der Außendienstler mit einem Elektromotor ausgestattet.

Für die SWB sind 24 E-Autos und zwölf Hybrid-Fahrzeuge unterwegs. „Der Umbau des Fuhrparks auf E-Autos und Hybriden schreitet permanent fort“, sagt Brinkmann. „Das war auch schon vor der Nachricht über den reduzierten Steuersatz so.“ Auch andere Bremer Unternehmen haben die Elektromobilität für sich entdeckt – ohne dass sie von steuerlichen Vorteilen überzeugt werden mussten.

Dennis Witthus etwa, Inhaber von Witthus Hammer, einem Fachmarkt für Heimtextilien in Blumenthal. In seiner Firmenflotte hat er ein E-Auto von Renault, vor seinem Markt steht eine Ladesäule, privat fährt Witthus einen Tesla. Und auch die Deutsche See aus Bremerhaven, Deutschlands größter Fischverarbeiter, ist mittlerweile elektrisch unterwegs. In Köln liefern die Mitarbeiter den Fisch schon seit mehr als einem Jahr mit E-Lastwagen aus.

Bisherige Regelung gilt als unattraktiv

Die neue Regelung, die der Bundesrat noch absegnen muss, wäre dann vor allem für Außendienstler interessant – wenn sie den Wagen auch privat nutzen dürfen und wenn der Bruttolistenpreis mit dem eines Verbrenners der Klasse vergleichbar ist. Wer einen VW Golf in der TDI-Variante als Dienstwagen fährt, muss etwa 320 Euro pro Monat versteuern.

Wer jedoch einen E-Golf hat, bei dem sind es gerade einmal rund 140 Euro. "Damit kann sich auch ein reger Gebrauchtwagenmarkt etablieren. E-Fahrzeuge werden dadurch preiswerter und für eine breite Kundengruppe interessanter", sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Bei Elektroautos als Dienstwagen gilt die bisherige Regelung wegen bislang höherer Anschaffungskosten finanziell als unattraktiv.

Union und SPD hatten daher in ihrem Koalitionsvertrag einen reduzierten Satz bei der Dienstwagenbesteuerung vereinbart. Andreas Hoetzel, Sprecher des Bremer Logistikunternehmens BLG, glaubt hingegen nicht, dass sich durch den Steuernachlass viel ändern wird. Er sieht ein grundlegendes Problem: die Reichweite.

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„Wir haben die Auffassung, dass ein Dienstwagen auch für eine Dienstreise genutzt werden soll.“ Mit E-Autos könne man aber noch nicht einmal die Strecke Bremen-Bremerhaven und zurück bewältigen. Daher gibt es im Fuhrpark der BLG bislang auch kein Elektroauto. Ähnlich ist es bei der HKK. Das E-Auto der Krankenkasse nutzen Mitarbeiter nur für Stadtfahrten in Bremen und kurze Strecken ins Umland.

Längere Wege werden mit Diesel- oder Benzin-Pkw zurückgelegt. „Das mit den Fahrzeugen betreute Geschäftsgebiet umfasst vor allem ländliche Gebiete, in denen die Ladeinfrastruktur noch nicht flächendeckend ausgebaut ist“, sagt Sprecher Holm Ay. Die Neuzulassungen von Elektroautos sind zuletzt zwar gestiegen, der Marktanteil ist aber weiter gering.

Beliebt als Dienstwagen sind trotz des Abgas-Skandals nach wie vor Dieselfahrzeuge. Der Verband der Automobilindustrie bewertete den Steuervorteil für E-Dienstwagen als "guten Beitrag" zum Markthochlauf der Elektromobilität. Die Gesetzesänderung werde gerade ab den Jahren 2019 und 2020 relevant, wenn eine Vielzahl neuer Modelle auf den Markt komme.

Lediglich ein Mitnahmeeffekt

Firmenwagen machten 44 Prozent aller E-Neuzulassungen aus, der Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen sei mit 32 Prozent deutlich geringer. Mehr als 57 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Firmenwagen kommen aus den unteren Segmenten bis einschließlich der Mittelklasse. Es gibt aber auch Kritik an der geplanten Steuererleichterung.

Bremens Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) sieht bei Plug-in-Hybriden lediglich einen Mitnahmeeffekt, da diese schon am Markt eingeführt seien. Bezogen auf reine Elektroautos sei das Steuerprivileg aber zu begrüßen. „Dringend müsste nun aber auch die die Subventionierung des Dieselkraftstoffs beendet werden“, sagt Lohse, um so den Wandel der Mobilität voranzutreiben.

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Der ökologische Verkehrsclub VCD bemängelt, dass ein großer Teil der Arbeitnehmer ausgeschlossen werde. Umweltfreundliche Fahrzeuge wie Fahrräder profitierten nicht von der geplanten Steuererleichterung, sagt der verkehrspolitischer Sprecher Gerd Lottsiepen. "ÖPNV-Fahrgäste, die umweltfreundlich unterwegs sind, die Fahrzeuge selbst jedoch nicht besitzen, gehören ohnehin nicht zu den Dienstwagenprivilegierten."

Der Verkehrsclub VCD kritisierte, die Steuererleichterung für "PS-strotzende" Plug-in-Hybride" entpuppe sich als umweltschädliches und unsoziales Konjunkturprogramm für die Autoindustrie. Auch der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass von den neuen Regeln vor allem Hersteller von Hybridfahrzeugen profitieren.

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