Ab 2023 betrifft es auch kleinere Unternehmen Mehr Blumen und Bienen im Geschäftsbericht

Noch mehr Unternehmen müssen ab 2023 über ihre Nachhaltigkeit berichten. Bei Fehlern kann man sie haftbar machen. Das Bremer Beratungsunternehmen Abat erlebt gerade eine gewisse Unsicherheit, was zu tun ist.
28.01.2022, 17:03
Lesedauer: 4 Min
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Mehr Blumen und Bienen im Geschäftsbericht
Von Florian Schwiegershausen

Es gibt Arbeiten im Haus wie Fensterputzen oder Gardinenwaschen, die schiebt man gern vor sich her, auch wenn sie sinnvoll sind. Ähnlich schiebt gerade so manches Unternehmen die Umsetzung einer verschärften EU-Richtlinie vor sich her, in der es um die Nachhaltigkeit geht. Ab 2023 stehen wesentlich mehr Firmen als bisher in der Pflicht, in ihrem Geschäftsbericht ihre Nachhaltigkeit auszuweisen. Das Bremer Beratungsunternehmen Abat und seine Tochter ID-Impuls beschäftigen sich bereits jetzt damit, wie auch bundesweit viele andere Beratungsunternehmen. Sie erleben gerade eine gewisse Unsicherheit in den Firmen und erläutern, was zu tun ist.

Wie viele Unternehmen sind davon betroffen?

In Deutschland waren es bisher rund 600 Unternehmen, die in diesem Punkt ihren Berichtspflichten nachkommen mussten. Ab 2023 sind bundesweit bis zu 15.000 Unternehmen betroffen. Das bedeutet nicht, dass in Bremen 25-mal so viele Firmen davon betroffen sind wie bisher. Aber es zeigt, dass sich auch in der Hansestadt eine ganze Reihe an Betrieben darauf vorbereiten muss. Eine genaue Zahl lässt sich derzeit nicht nennen. „Für den Inhalt, den die Unternehmen da leisten müssen, sind sie nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit ihren Lieferanten beschäftigt. Es hat also eine Art Wasserfalleffekt“, sagt Sebastian van Vliet. Er ist Mitglied der Geschäftsführung von ID-Impuls in Oldenburg, einer Tochter des Bremer Beratungsunternehmens Abat. Van Vliet macht darauf aufmerksam, dass die Firmen in ihren Geschäftsberichten über das Jahr 2023  zum Thema Nachhaltigkeit berichten müssen: „Die Firmen müssen sich also schon jetzt Gedanken über ihre Nachhaltigkeit machen, damit sie ab 2023 die notwendigen Weichen stellen und rechtzeitig Informationen dafür sammeln können.“

Um welche EU-Richtlinie geht es?

In der Europäischen Union gibt es seit 2017 eine sogenannte CSR-Richtlinie. CSR ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Corporate Social Responsibility“, was auf Deutsch die gesellschaftliche Unternehmensverantwortung meint – und wie es um die Nachhaltigkeit im Unternehmen steht. Diese Richtlinie, nun kurz CSRD, hat Brüssel verschärft. Bis Dezember 2022 soll die Direktive in nationales Recht umgesetzt werden.

Welche Unternehmen stehen ab 2023 in der Pflicht?

Waren es bis jetzt eher kapitalmarktorientierte Unternehmen, Banken und Versicherungen mit mindestens 500 Beschäftigten, die davon betroffen waren, stehen in Zukunft wesentlich mehr Betriebe in der Pflicht. Die EU verlangt die Umsetzung der Richtlinie dann von allen Unternehmen, die mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen: mindestens 250 Beschäftigte, einem Umsatz von 40 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von mindestens 20 Millionen Euro. Bereits für das Geschäftsjahr 2023 sollen die Firmen ihre Nachhaltigkeit speziell darlegen.

Wie sind die Unternehmen bisher vorbereitet?

Nils Giesen, Seniorberater Nachhaltigkeit bei Abat, beoabachtet am Markt derzeit große Unsicherheit: „Im alten Jahr war ich auf einer Veranstaltung, da war ein Firmenvertreter davon überzeugt, dass auch Firmen ab 20 Mitarbeitern davon betroffen sind. Sie selbst nicht, aber es wird schon wesentlich mehr indirekt betroffene Unternehmen geben." Große und kleine Beratungsunternehmen wittern hier einen Markt und bieten für die Umsetzung ihre Dienste an. In Bremen setzt sich das Consultingunternehmen Abat längst mit der Richtlinie auseinander und hat bereits Kunden, bei denen es um die Umsetzung und Lösung gehen soll. Abat ist seit vielen Jahren in der Beratung mit der Unternehmenssoftware SAP aktiv. „Was genau zu berichten ist, dazu will die EU im Oktober 2022 einen Standard herausgeben, an dem sich die Unternehmen orientieren können.“ sagt Giesen.

Was müssen die Unternehmen berichten?

Jeder Betrieb müsse da in sich hineinhorchen und schauen, wo etwas passiert, das Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft hat, erläutert van Vliet: „Das passiert nicht unbedingt im Haus selbst, sondern kann auch aus der Lieferkette kommen oder mit den hergestellten Produkten während der Nutzungszeit. Und da müssen die Unternehmen jetzt anfangen, ihre Hausaufgaben zu machen.“ Wenn die dafür notwendigen Strukturen noch nicht vorhanden sind, müsse man sie jetzt angehen. "Viele Firmen haben ja bisher kein Nachhaltigkeitsmanagement und müssen sich das erst mal aufbauen. Dabei ist dann die Frage, an welcher Stelle im Unternehmen das Nachhaltigkeitsmanagement angedockt wird", sagt Giesen.

Was droht den Firmen bei Mängeln im Nachhaltigkeitsbericht?

Wenn im Nachhaltigkeitsbericht etwas Falsches steht, können die Aufsichtsgremien dafür auch haftbar gemacht werden.

Wie sollte es im Idealfall laufen?

Im Unternehmen sollte es idealerweise so funktionieren, dass man aufs Knöpfchen drückt und alle Daten auf den Bildschirm kommen, die für den Nachhaltigkeitsbericht von Bedeutung sind. Abat hat dafür eine Software, die sowohl an SAP andocken, aber auch für sich allein arbeiten kann. Auch andere Firmen bieten da Lösungen an. Zum aktuellen Zeitpunkt geht es Van Vliet und Giesen darum: „Die Firmen, die von der ausgeweiteten Richtlinie betroffen sind, sollen sich auf alle Fälle Gedanken machen, wenn sie das noch nicht getan haben. Wenn sie dabei auf unsere Dienste setzen, freut mich das natürlich umso mehr – aber jetzt geht es erst mal darum, das Thema anzugehen.“

Statt also zwecks Ablenkung und Aufschieberitis plötzlich lieber die Gardinen waschen zu wollen, sollten die Unternehmer das Thema nun angehen. Die EU hofft, dass die neue Richtlinie zu mehr Nachhaltigkeit führt, weil die Unternehmen bestrebt sind, nichts Negatives im Geschäftsbericht zu veröffentlichen.

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