Doch keine Rückkehr?

Borgward-Werk in Bremen: Eigner stellen Expansionspläne infrage

Bekommt Bremen tatsächlich ein neues Borgward-Werk? Die neue Führungsriege des chinesischen Eigners stellt die Pläne offenbar infrage.
01.09.2018, 05:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Lakeband und Felix Lee
Borgward-Werk in Bremen: Eigner stellen Expansionspläne infrage

Lust auf Bremen? Wirtschaftssenator Martin Günthner (3.v.r.) bei seinem Treffen mit Foton-Präsident Gong Yueqiong (2.v.r.)

Borgward

Es klingt wie ein modernes Wirtschaftsmärchen. Lange galt die Bremer Marke als verloren, nun bringt ein chinesisches Unternehmen sie zurück: Unter dem Namen Borgward werden wieder Autos verkauft. Kurz darauf soll eine Fabrik in Bremen entstehen, in der Elektro-Borgwards gebaut werden. Die PR-Menschen sprechen – mehr als 50 Jahre nach der Insolvenz des Namensgebers Carl F.W. Borgward – von der „Rückkehr einer Legende“. Alle freuen sich. Zu schön, um wahr zu sein! Und tatsächlich: Borgwards Rückkehr, sie könnte am Ende doch nur ein Traum bleiben.

Denn so sicher, wie die Rückkehr von Borgward nach Bremen lange schien, ist sie längst nicht mehr. Nach Informationen des WESER-KURIER stehen die gesamten Expansionspläne des Autobauers infrage. Ist der Traum vom neuen Borgward aus Bremen also geplatzt? Unternehmenssprecher Marco Dalan sagt auf Nachfrage: „Wenn wir uns für eine Fertigung in Deutschland entscheiden, wird Bremen der Standort sein.“ Das hört sich erst einmal positiv an. Neu an dieser Aussage ist allerdings das Wörtchen „wenn“. Es ist das erste Mal, dass das Unternehmen öffentlich an der Fertigung in Bremen zweifelt.

Immer neuer Aufschub

Branchenkenner haben das schon länger vermutet. Denn immer wieder wurden Termine verschoben und Pläne geändert. Als der Borgward-Traum 2016 begann und das Unternehmen bekannt gab, in Bremen ein Werk errichten zu wollen, hieß es noch, der Bau würde 2017 beginnen. Ein Jahr später hätten dann die ersten Autos vom Band rollen sollen.

Doch die Suche nach einem Grundstück zog sich hin. Als eine Fläche im Güterverkehrszentrum gefunden war, wurde 2019 als Produktionsstart anvisiert. Doch selbst dieses Datum scheint immer unrealistischer. Bislang ist auf dem 140.000 Quadratmeter großen Grundstück noch nichts passiert. Das Wirtschaftsmärchen bekam immer neuen Aufschub: Als Begründung hat Borgward bislang immer die chinesische Politik angeführt.

Seit einiger Zeit müssen Investitionen aus China ins Ausland ab einer gewissen Höhe von der Regierung genehmigt werden. Da Borgward dem chinesischen Lkw-Hersteller Foton gehört, gilt dieses Prozedere auch für das Werk in Bremen. Das sei aber kein spezifisches Foton-Problem, heißt es aus dem chinesischen Handelsministerium. Sämtliche ausländischen Investitionen stünden momentan auf dem Prüfstand, nachdem es einige Unternehmen mit den Investitionen zuletzt übertrieben hätten.

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Nun nennt Dalan aber noch weitere Gründe, unter anderem den Handelsstreit zwischen China, den USA und Europa. Da in Bremen nicht nur für europäische Märkte produziert werden soll, könnten auch die Autos aus der Hansestadt von Zöllen getroffen werden. Gerätselt wurde auch über die Verfassung des Unternehmens.

Vergangenes Jahr habe der Mutterkonzern Finanzierungsschwierigkeiten gehabt. Im November ist Gong Yueqiong neuer Foton-Präsident geworden. Auch andere Mitglieder der Führungsriege bei Foton und Borgward wurden ausgetauscht. Allerdings: Analysten zufolge soll es Foton momentan wirtschaftlich gut gehen. Gemäß Absatzprognose für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge von IHS Markit hat Foton im Jahr 2017 weltweit 142.800 Einheiten verkauft, ein Plus um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Und auch die Zahlen im ersten Halbjahr 2018 seien positiv. Dennoch sucht der Lastwagenbauer schon seit längerer Zeit nach einem zusätzlichen Investor für Borgward. „Das führt dazu, dass wir vor einer endgültigen Entscheidung für Bremen auch die Einschätzung des neuen Investors mit einbeziehen wollen“, sagt Dalan. Gleichzeitig betont der Borgward-Sprecher: „Wir halten weiterhin an unserem Plan fest, eine Fertigung in Bremen zu errichten.“

Hoffen und Bangen

Diesen Eindruck hatte auch Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD). Er ist vor einer Woche zusammen mit Andreas Heyer, Chef der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB), nach Peking geflogen, um sich mit der Spitze von Foton und Borgward zu treffen. „Wir hatten gute und konstruktive Gespräche“, sagt Tim Cordßen, Sprecher des Wirtschaftssenators, der ebenfalls bei der Reise dabei war.

Die Vertreter der beiden Firmen hätten bekräftigt, welche Bedeutung eine Fertigung in Bremen für sie habe und dass das Grundstück im GVZ ideal sei. Allerdings sei auch klar geworden, dass die neue Führungsriege die Strategie der Vorgänger genau überprüfe und neu bewerte. Ein Krisengipfel sollte der Termin jedoch nicht sein.

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„Dem Wirtschaftssenator ist es wichtig, dass man einen direkten Gesprächskontakt hat“, sagt Cordßen. Ein Treffen sei ursprünglich bereits im Mai geplant gewesen. Damals war Günthner zur Transport- und Logistikmesse nach Schanghai gereist. Am Rande dieser Veranstaltung war auch eine Zusammenkunft mit Gong Yueqiong vorgesehen.

Wegen schlechten Wetters konnte dessen Flieger aber nicht rechtzeitig Richtung Schanghai abheben. Borgward und Bremen, Hoffen und Bangen. Ob die Geschichte für immer ein Märchen bleibt oder tatsächlich wahr wird, wird sich in den kommenden sechs Monaten zeigen. Dann will Foton entscheiden, ob die Legende wirklich zurückkehrt und am Ende alles gut wird.

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