Grüne Antriebstechnik Bremen erprobt das Elektroauto

Bremen. Auf Bremens Straßen sind derzeit 20 Elektro-Fahrzeuge im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms unterwegs. Dass in Bremen mehr als andernorts E-Mobile getestet werden, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt zählt zu den Modellregionen der Bundesregierung.
22.08.2010, 12:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen erprobt das Elektroauto
Von Christian Weth

Bremen. 'E'. Kaum ein Buchstabe verlängert in Bremen mittlerweile so viele Wörter wie dieser. Er steht vor 'Fahrrad', 'Bus' und, ganz neu, vor 'Transporter'. Ginge es nach der SPD, würde bald sogar 'Taxi' mit E anfangen. Die Stadt geht bei der Elektro-Mobilität voran. Am Bremer Expo-Stand in Shanghai gehört sie zu den Hauptthemen. Doch so umtriebig sich Unternehmen und Behörden bei der grünen Antriebstechnik auch zeigen, können sie nicht verhehlen: Sie stehen noch ganz am Anfang - und vor vielen Problemen.

Kaum jemand weiß das so gut wie Michael Glotz-Richter. Denn kaum einer ist in der Hansestadt dichter dran am Thema wie er. Der Mann ist Referent für 'nachhaltige Mobilität' im Umweltressort. Und die Zahl, die er nennt, reißt niemanden vom Hocker: '20'. So viele - oder wenige - Elektro-Fahrzeuge sind derzeit im Rahmen eines staatlichen Förderprogramms in Bremen unterwegs. Fahrräder mit Akku hat Glotz-Richter nicht mitgerechnet. Würde er es tun, wäre die Bilanz wahrscheinlich eine bessere, denn: 'Der E-Bike-Markt zieht an.'

Ausprobiert wird bisher deutlich mehr als endgültig angeschafft. Wer mit Glotz-Richter spricht, gewinnt schnell den Eindruck, Bremen sei ein einziges Testgelände für Gefährte, die an die Steckdose müssen. In der City, dem werbewirksamsten Versuchsterrain, kutschiert seit Anfang August ein E-Busversuchsweise Touristen zu den Sehenswürdigkeiten. Auch der erste Pflegedienst sattelte kürzlich in einem Pilotprojekt um. Nach Vorbild der Post, die schon länger Boten mit Rädern samt 250-Watt-Motor ausstattet, geht es jetzt wahlspruchgemäß 'Mit dem Elektrofahrrad zum Patienten'. Und am Airport kam für Wochen ein strombetriebener Schlepper zum Einsatz, der die Koffer zum Flugzeug brachte.

Dass in Bremen mehr als andernorts der Einsatz von E-Mobilengetestet wird, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt zählt zu den Modellregionen der Bundesregierung. Und die hat große Pläne: Eine Million Elektro-Autos sollen bis 2020 auf den Straßen rollen, damit der Kohlendioxid-Ausstoß minimiert und das Klima geschont wird. Ob das Ziel erreicht werden kann, darüber mag Nachhaltigkeitsreferent Glotz-Richter nicht zu spekulieren. Seine Prognose bis Anfang kommenden Jahres sieht für Bremen nur ein verhaltenen Plus bei Akku-Fahrzeugen vor - von 20 auf 50.

Mehr werden es ganz sicher. Daran hat der Behördenvertreter nicht den geringsten Zweifel, genauso wie er fest davon ausgeht, dass es dauern wird, ehe Elektro-Autos das Stadtbild prägen werden - wenn sie es denn tatsächlich jemals tun. Glotz-Richter ist da vorsichtig. Statt von E-Mobilen überall, rechnet er für die Zukunft mit einem Mobil-Palette, vom Erdgas-Auto bis zum Wagen, der Synthetik-Sprit schluckt.

Denn so gut die Ökobilanz der Strom-Gefährte auch sein mag, sie eignen sich nicht für jeden Zweck. Das wissen vor allem Unternehmen, die den Test hinter sich haben oder gerade vornehmen. Zum Beispiel die Bremer Straßenbahn AG (BSAG), die den E-Bus für die Innenstadt-Touristen gemietet hat. Man freue sich zwar über die ausgebuchten Touren, sagt Sprecher Jens-Christian Meyer, doch nicht über den Preis: 25.000 Euro soll der ausschließlich für Rundfahrten ausgelegte Zwölfsitzer kosten. 'Bei dieser Summe muss genau abgewogen werden, ob sich ein Kauf rechnet.' Im Oktober will die BSAG die Zahlen vergleichen.

Das Carsharing-Unternehmen Cambioreagiert noch zurückhaltender aufs E vor Auto. 'Wir haben den Markt im Blick, wollen ihn aber noch beobachten', kündigt Mitarbeiterin Bettina Dannheim an. Das Problem: Bisher gilt, dass in wenigen Minuten ein zurückgebrachter Wagen dem nächsten Kunden zur Verfügung steht. Ein E-Mobil braucht zum Laden Stunden. Und nur ein Auto, das oft benutzt wird, rentiert sich für die Firma. Ein anderes Handicap sieht Dannheim in der Größe der E-Mobile. 'Unsere Kunden wollen vier oder fünf Sitze - und nicht bloß zwei.'

Ladestation im Parkhaus

Gleichwohl richtet sich Bremen schon jetzt auf mehr Strom-Autos ein. In den nächsten Wochen soll das Parkhaus am Brill mit einer Ladestation ausgerüstet werden, und fordern Politiker E-Taxis für die Innenstadt. SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ulrike Hiller verspricht sich von ihnen 'weniger Dieselruß, weniger Motorenlärm und eine bessere CO2-Bilanz'. Das klingt zwar auch für Taxi-Unternehmer Klaus Hartjen 'alles prima', doch: 'Die bislang erhältlichen Fahrzeuge sind alle nicht alltagstauglich fürs Taxi-Geschäft.' Schließlich wollten die Kunden komfortabel befördert werden und sich nicht in einen Winzling zwängen müssen.

Dabei gibt es seit wenigen Wochen auch große Elektro-Mobile in Bremen. Nur sind die nicht für viele Passagiere, sondern für viel Fracht geeignet. Die beiden Fahrzeuge von Grüne City Logistik (GCL) sind halb Transporter, halb Laster - und damit ideal für Kurierfahrten, findet GCL-Gründer Carsten Schuchmann. Zumindest im Stadtgebiet, denn die Reichweite ist, wie bei allen E-Fahrzeugen, begrenzt. Schuchmann vermietet sie.

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