Hansestadt besser als Berlin

Bremen ist sechstgrößte Industriestadt

Was die Umsätze der Industrie in deutschen Städten angeht, hat Bremen zwei Plätze gut gemacht und liegt nun auf dem sechsten Rang. Bremen hat dabei Städte wie Berlin und Ludwigshafen überholt.
13.03.2018, 13:16
Lesedauer: 3 Min
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Bremen ist sechstgrößte Industriestadt
Von Florian Schwiegershausen
Bremen ist sechstgrößte Industriestadt

Trägt zum guten Abschneiden Bremens im Industriestädteränking massiv bei: das Werko von Mercedes-Benz in Bremen

dpa

Wenn es um die Umsätze in der Industrie geht, hat Bremen aufgeholt. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs der kreisfreien Städte, den die Handelskammer Bremen am Dienstag veröffentlicht hat. Demnach ist Bremen aufgestiegen und liegt im Ranking der deutschen Industriestädte nun auf dem sechsten Platz. Dabei hat die Hansestadt die Städte Berlin und Ludwigshafen in der Rangliste der umsatzstärksten Industriestädte überholt. Während in den meisten großen Städten die Umsätze der Industrie zurückgingen, verzeichnete die stadtbremische Industrie einen Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hamburg liegt mit einem Umsatz von 68,6 Milliarden Euro nach wie vor auf dem ersten Platz, gefolgt von Wolfsburg, Stuttgart, München und Köln.

Starke Entwicklung im Fahrzeugbau

Besonders erfolgreich waren die Bremer Industriebetriebe auf den Auslandsmärkten, wo sie ein Umsatzplus von etwa 25 Prozent erzielten. Insgesamt beliefen sich die Industrieumsätze im Jahr 2016 in Bremen auf 26,3 Milliarden Euro. Davon wurden circa 63 Prozent im Ausland erzielt. Der Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, Matthias Fonger, sagte: "Das hohe Umsatzwachstum der stadtbremischen Industrie geht zu einem Großteil auf die starke Entwicklung im Fahrzeugbau zurück. Dieser umfasst neben der Herstellung von Kraftfahrzeugen auch die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie den Schiffbau. All das sind wichtige Zukunftsbranchen für Bremen." So sei dieses Ergebnis Unternehmen wie Mercedes, Airbus und OHB zu verdanken. Was den Auslandsanteil angeht, habe sich die Weltwirtschaft insgesamt gut entwickelt, sagt Fonger: "Davon hat Deutschland allgemein profitiert und Bremen erst recht aufgrund des hohen Exportanteils. Das kommt der Stadt zugute."

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Im vergangenen Ranking von vor zwei Jahren war die Hansestadt auf den achten Platz zurückgefallen. Der Vergleich beruht auf den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts und bezieht sich damit auf das Jahr 2016. Die Zahlen für das Jahr 2017 hat die Statistik-Behörde des Bundes noch nicht vorliegen. Erste Ergebnisse für das Jahr 2017 liegen allerdings der Handelskammer vor. Diese zeigen, dass sich der positive Trend in der Umsatzentwicklung der bremischen Industrie fortgesetzt habe.

Auch Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) freut sich über diese Zahlen. Er sagte: "Das ist natürlich eine gute Nachricht, sie kommt aber weder wirklich überraschend, noch kommt sie von ungefähr. Und auch wenn in diesem Fall nur eine Facette, nämlich der Branchenumsatz, verglichen wird: Bremen ist ein enorm starker Wirtschaftsstandort und das seit vielen, vielen Jahren." Sieling verwies darauf, dass in der Vergangenheit das Land Bremen regelmäßig in der Spitzengruppe der wachstumsstärksten Bundesländer gelegen habe. Der Bürgermeister fügte hinzu: "Dahinter stehen viele sehr erfolgreiche und innovative Unternehmen, viele hart arbeitende und gut qualifizierte Menschen. Und – in aller Bescheidenheit – auch eine Politik des Bremer Senats, die immer darauf gerichtet ist, die Stärken Bremens weiter auszubauen und da, wo wir besser werden müssen, auch besser zu werden."

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Die Umsatzstatistik verrät allerdings auch, wie abhängig die Zahlen nur von einem einzigen Unternehmen sind. So gibt es für Wolfsburg keine konkreten Zahlen. Die niedersächsische Stadt wurde nur auf Grundlage der Umsätze von Volkswagen am Stammsitz auf den zweiten Platz eingruppiert. Ebenso zeigt sich bei der Stadt Ludwigshafen, wie sehr sie in diesem Ranking von ihrem größten Arbeitgeber, dem Chemieunternehmen BASF profitiert. So nahm hier der weltweit erwirtschaftete Gesamtumsatz des börsennotierten Unternehmens 2016 um knapp 13 Milliarden Euro auf 57,6 Millionen Euro ab, verglichen mit dem Vorjahr.

Das lag daran, dass Teile des Gashandels- und Gasspeichergeschäfts für mehr als zehn Milliarden Euro verkauft wurden oder zum Teil mit Vermögenswerten des russischen Gasunternehmens Gazprom getauscht wurden. Allein ein solches Geschäft kann entsprechend anteilig dafür sorgen, dass Ludwigshafen in diesem Städtevergleich nach hinten oder vorn rutscht.

Hamburg ist breit aufgestellt

Anders sieht das für Bremens größere Nachbarstadt Hamburg aus, wie Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Fonger erläutert: "Hamburg ist als Industriestadt breit aufgestellt. Da gibt es Unternehmen wie Airbus, Beiersdorf oder die Kupferhütte." Und je breiter eine Industrie aufgestellt ist innerhalb einer Stadt, desto weniger volatil verhält sie sich in diesem Umsatzvergleich.

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Gleichzeitig versucht der Vergleich bestmöglich, die Umsätze zu berücksichtigen, die auch in der Stadt selbst entstanden sind. Denn sonst müsste die Industriestadt Essen entsprechend all ihrer Unternehmen weiter vorn auftauchen. Würde die Statistik wiederum Regionen vergleichen, würde Frankfurt weiter vorn in diesem Ranking auftauchen als nur auf dem zehnten Platz.

Was die Hansestadt angeht, ist Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Fonger positiv gestimmt: "Wir hoffen, dass sich diese derzeit stabile Situation für Bremen auch im Jahr 2018 weiter fortsetzt."

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