Strafzölle und Handelskonflikte

Bremens Wirtschaft schrumpft

Strafzölle und Handelskonflikte machen sich in der Hansestadt bemerkbar. Im ersten Halbjahr schrumpfte die Wirtschaft. Auch im Rest der Bundesrepublik schwächelt sie.
24.09.2019, 19:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Lakeband und Jürgen Krämer
Bremens Wirtschaft schrumpft

„Wenn es dem Außenhandel in Deutschland gut geht, geht es dem Außenhandel in Bremen besonders gut“, sagt Handelskammer-Experte Friso Schlitte. Dadurch spürt die Hansestadt auch stärker Probleme im Welthandel. Daher ist die bremische Wirtschaft zuletzt geschrumpft.

WAGNER/dpa

Lange wurde über ihn gesprochen, nun zeigt er sich in konkreten Zahlen: Der Abschwung hat das Land Bremen erreicht. Das belegen aktuelle Zahlen des statistischen Landesamtes. Demnach ist die bremische Wirtschaft im ersten halben Jahr geschrumpft. Auch in Niedersachsen hat sich die Konjunktur eingetrübt.

Der Rückgang in Bremen ist laut Landesamt vor allem auf einen Wirtschaftszweig zurückzuführen: dem Produzierenden Gewerbe. Hier habe es „schwächere Impulse“ gegeben. Unterm Strich ist die Wirtschaft im ersten Halbjahr 2019 sogar um 0,4 Prozent geschrumpft – verglichen mit den ersten sechs Monaten 2018. Das ist der reale Wert, der unter anderem die Inflation einberechnet. Nominal lag das Wirtschaftswachstum noch bei 1,7 Prozent. Im Vorjahreszeitraum hatte das reale Wachstum in Bremen noch 1,8 Prozent betragen, nominal lag es bei 3,9.

Bremen ist neben dem Saarland (-0,4) und Rheinland-Pfalz (-0,9) damit eines von drei Bundesländern, in denen die Wirtschaft geschrumpft ist. Im Bundesschnitt gab es ein reales Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 1,9.

Die Bremer Wirtschaft sank im ersten Halbjahr 2019 um 0,4 Prozent.

Die Bremer Wirtschaft sank im ersten Halbjahr 2019 um 0,4 Prozent.

Foto: Grafik Weser Kurier

Auf ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent kommt auch das Land Niedersachsen. In der ersten Jahreshälfte 2018 hatte das niedersächsische Bruttoinlandsprodukt noch um 1,3 Prozent zugenommen. Die Rückgänge führt das niedersächsische Landesamt für Statistik vor allem auf den Großhandel zurück, der zuletzt rückläufige Umsätze beklagt hatte. Gut lief es hingegen im Baugewerbe und im Einzelhandel.

Handelskonflikte belasten Bremer Unternehmen

Dass Bremen so stark von der wirtschaftlichen Flaute betroffen ist, hat laut Friso Schlitte, Konjunkturexperte der Bremer Handelskammer, einen einfachen Grund: Die Unternehmen in der Hansestadt sind extrem vom Export abhängig. 65 Prozent der Industrieumsätze werden im Ausland gemacht. Der internationale Handel sei zuletzt durch die Konflikte zwischen China, den USA und der Europäischen Union aber stark belastet worden und habe einen Dämpfer erhalten. „Das hat die bremische Wirtschaft besonders stark zu spüren bekommen“, sagt Schlitte. Dieser Exportschwerpunkt kann sich aber auch gegenteilig auswirken. „Wenn es dem Außenhandel in Deutschland gut geht, geht es ihm in Bremen besonders gut“, sagt Schlitte.

Dass sich die Wirtschaft in Bremen verschlechtern könnte, war zuletzt auch an einem anderen Indikator abzulesen. Ende August hatte Joachim Ossmann, Chef der Bremer Arbeitsagentur, berichtet, dass sich Unternehmen vermehrt nach der Möglichkeit von Kurzarbeit erkundigen. Die Zahl der Betriebe, die zu dem Zeitpunkt tatsächlich Kurzarbeit beantragt hatten, war allerdings im einstelligen Bereich – und damit niedrig.

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Auch Schlitte sieht noch Positives in der konjunkturellen Entwicklung. „Aktuell stützen die Binnennachfrage und der private Konsum die Wirtschaft in Bremen.“ Vor allem in der Bauwirtschaft laufe es gut. Durch die anhaltend niedrigen Zinsen erwartet Schlitte, dass es noch eine Zeit lang so weitergeht.

Hoffen lässt auch ein anderer Wert. So hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im September etwas verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima kletterte um 0,3 Punkte auf 94,6 Zähler, wie das Forschungsinstitut am Dienstag mitteilte. Damit ist der Index zum ersten Mal wieder gestiegen – nach fünf Rückgängen in Folge. Im August hatte das Konjunkturbarometer noch den tiefsten Stand seit November 2012 erreicht.

„Der Abschwung macht eine Pause“, sagt Ifo-Präsident Clemens Fuest. Er erklärt den Anstieg im September mit einer besseren Einschätzung der aktuellen Lage. Allerdings ging es mit dem Indikator für die künftigen Geschäfte weiter nach unten. Der Indexwert für die Geschäftserwartungen fiel von 91,3 auf 90,8 Punkte.

Keine Besserung in Sicht

Besonders kritisch bleibt die Lage in der Industrie. Hier kennt das Geschäftsklima nach wie vor nur eine Richtung: abwärts. „Die aktuelle Nachfrageentwicklung und die Produktionspläne versprechen keine Besserung in den kommenden Monaten“, sagt Fuest.

Eine positive Entwicklung zeigte sich hingegen im Bereich Dienstleistungen. Hier konnte sich das Geschäftsklima nach dem Rückschlag im Vormonat deutlich erholen. Im Baugewerbe schätzen die Unternehmen ihre Lage weiterhin gut ein, aber nicht mehr ganz so positiv wie im August.

Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator gilt als verlässliche Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum in der größten Volkswirtschaft.

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