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Bremer Firma Tecnolumen produziert die berühmte Wagenfeld-Lampe

Tecnolumen in Bremen-Hastedt produziert seit Ende der 70er-Jahre die berühmte Wagenfeld-Leuchte. Der Kampf gegen Plagiate aus Fernost lässt dem Unternehmen keine Ruhe.
14.04.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Firma Tecnolumen produziert die berühmte Wagenfeld-Lampe
Von Jonas Mielke

Walter Schnepel fand eine zukünftige Design-Ikone, ohne dass er sie suchte. Ende der 1970er-Jahre nahm der Bremer Kontakt zum Bauhaus-Schüler Wilhelm Wagenfeld auf. Er traf mit ihm eine Vereinbarung, durch die seine Firma Tecnolumen in Bremen-Hastedt bis heute exklusiv die Wagenfeld-Lampe herstellt. 200 Stück produzierte Schnepel in der ersten Serie, kaum ein Großhandel wollte sie vertreiben. Schnepel nahm den Verkauf selbst in die Hand, die ersten 200 Lampen waren schnell verkauft.

„Eigentlich verrückt, dass sie nicht schon vorher von irgendwem gemacht wurde“, sagt Carsten Hotzan, nachdem er die Geschichte von Tecnolumen erzählt hat. Er leitet das Unternehmen, seit sich der mittlerweile fast 80-jährige Schnepel aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen hat.

Die Wagenfeld-Leuchte ist ein Bauhaus-Klassiker, geprägt von einem einfachen und klaren Design. Die Form folgt der Funktion. Sie ist weltweit gefragt, etwa 3,6 Millionen Euro Umsatz machte das Unternehmen zuletzt. Das Kerngeschäft von Tecnolumen findet in Deutschland statt. Danach folgen die Schweiz, Italien und die Niederlande, sagt Geschäftsführer Hotzan. Auch in Asien sei die Lampe beliebt, etwa in Japan. Oder ganz neu: in Südkorea. Auch wenn der Designleuchten-Markt natürlich eine Nische sei, glaubt Hotzan an das Wachstumspotenzial.

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Der Erfolg der Wagenfeld-Leuchte hat jedoch seinen Preis. Seit Jahren kämpft Hotzan gegen Fälschungen aus Fernost. „Das ist ein Riesenproblem für uns“, sagt er. „Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, den man aber nicht aufgeben darf.“ Tecnolumen beschäftigt schon lange eine Agentur, die den juristischen Kampf um die Leuchte ausfechtet.

Fälschungen gegen Originale

2012 bot das Unternehmen mit der Kampagne „No Fake“ sogar einen Tausch an: Fälschungen gegen Originale. Die Aktion sei ein Riesenerfolg gewesen, sagt Hotzan. Mittlerweile sei zumindest der deutsche Markt nahezu frei von Fälschungen.

Das Problem bleibt trotzdem. An die Hersteller der Plagiate kommt Tecnolumen nicht heran. Während man die Internethändler abmahnen und manchmal vor Gericht ziehen kann, produzieren die Fabriken weiter Plagiate. Doch auch die Händler sind schwierig zu erreichen: „Wenn Sie eine Abmahnung an einen Briefkasten in London schicken, dann passiert im Allgemeinen nichts“, sagt Hotzan. Das Frustrierende: Selbst wenn man vor Gericht Recht bekomme, erhalte Tecnolumen nie einen finanziellen Ersatz für den Schaden und den juristischen Aufwand.

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Deswegen ist Hotzan auch etwas reserviert, wenn man ihn nach verkauften Stückzahlen des Klassikers im Sortiment fragt. Nur so viel verrät er: Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum in diesem Jahr ist gut für das Geschäft. Dabei ist die berühmte Wagenfeld-Leuchte gar nicht der Bestseller bei Tecnolumen. Am häufigsten verkaufe er schlichte Kugel-Pendelleuchten für Hotels, Ministerien oder Restaurants, sagt Hotzan.

Der 52-Jährige arbeitet seit 1986 bei Tecnolumen, seit 2001 ist er Geschäftsführer. Vorher war er im Lager, im Versand, im Verkauf und Prokurist – er kennt fast die gesamte Firma. „Nur in der Werkstatt war ich nicht so richtig“, sagt Hotzan und lacht. 20 Mitarbeiter hat das Unternehmen, etwa die Hälfte montiert in der Werkstatt die Leuchten.

Das, was dort in der Werkstatt zusammengebaut wird, habe sich über die Jahrzehnte schon verändert, sagt Hotzan. Viele Bauteile werden mit der Hand hergestellt, von Gürtlern und Drückern. „Das sind alles Berufe, die leider zunehmend aussterben, sodass wir auch immer größere Probleme bekommen, in Deutschland so zu produzieren, wie wir das gerne möchten.“

Puristisch und klar

Wer Designerstücke herstellt, braucht auch Handwerker, die Materialien künstlerisch bearbeiten können. Für Automatisierung fehle ohnehin die Stückzahl, damit sich Roboter lohnen. Trotzdem kommen immer noch 95 Prozent sämtlicher Teile für die Leuchten aus Deutschland.

Hotzan glaubt an die Zukunft von Tecnolumen, trotz Plagiaten und trotz der immer mühsameren Suche nach Lieferanten. Denn das Unternehmen entwickelt sich weiter: Neue Lampen, neues Design. Etwa die die Tischleuchte Cubelight, die es bis in den Design Shop des Museum of Modern Art in New York geschafft hat. Aber: „Gestalterisch bleiben wir unserer Linie treu und versuchen, das Design so puristisch und klar zu halten wie in der Vergangenheit“, sagt Hotzan. „Wenn ich mich für Bauhaus entscheide, entscheide ich mich für Beständigkeit.“

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