Verspätungen bei Güterzügen Bremer Häfen fordern mehr Bahn-Investitionen

Engpässe im Schienenverkehr um Bremen schaden auch Bremerhaven und Wilhelmshaven. Deswegen macht die Hafenwirtschaft nun Vorschläge, wie sich der Ausbau der Infrastruktur beschleunigen lässt.
13.06.2019, 22:10
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Häfen fordern mehr Bahn-Investitionen
Von Peter Hanuschke

Für Durchfahrten von Güterzügen ist am Bremer Bahnhof eigens Gleis 4 reserviert – es verfügt deswegen logischerweise über keinen Bahnsteig. Aber das garantiert noch lange nicht ein staufreies Vorwärtskommen. Im Gegenteil: Es kommt häufiger zu Verspätungen in beiden Richtungen, verursacht auch durch das hohe Zugaufkommen im Personenverkehr, das sich vor und hinter dem Bremer Bahnhof eben auf allen Gleisen bemerkbar macht. Und diese Verspätungen wirken nach bis in die Häfen in Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven.

Bremen ist nur einer von vielen chronisch überlasteten Knotenpunkten im Netz der Deutschen Bahn. Die sollen behoben werden, dafür gibt es den Masterplan Schienenverkehr 2030 des Bundesverkehrsministeriums. Aus Sicht des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) beinhaltet der Masterplan gute Vorschläge, nur müssten diese auch zielstrebig umgesetzt werden.

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„Unsere Häfen sind äußerst leistungsstark und eines unserer Alleinstellungsmerkmale ist der hohe Anteil der Eisenbahn am Verkehr zwischen den deutschen Seehäfen und den Wirtschaftszentren im Binnenland", sagt Frank Dreeke, Präsident des ZDS. "Logistisch, wirtschaftlich und ökologisch liegen wir damit vorne." Prognosen zufolge werde das Güterverkehrsaufkommen in Mitteleuropa in den kommenden Jahren weiter steigen. "Also müssen wir jetzt in ein leistungsfähiges Eisenbahnsystem investieren", sagt Dreeke, der auch Vorstandsvorsitzender der Bremer BLG Logistics Group ist.

Bessere Planbarkeit, höhere Zuverlässigkeit, mehr Qualität

Um seinen Wünschen und Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat der ZDS ein Positionspapier veröffentlicht mit dem Titel „Bessere Planbarkeit, höhere Zuverlässigkeit, mehr Qualität: Anforderungen der deutschen Seehafenbetriebe an die Eisenbahn“. „Wir müssen das Eisenbahnnetz auf Wachstum auslegen und schon bestehende Flaschenhälse zielstrebig beseitigen", so Dreeke. Der Schienengüterverkehr müsse insgesamt zuverlässiger und besser planbar werden. „Engpässe im System schaden dem gesamten Wirtschafts- und Logistikstandort Deutschland und sie schaden der Hafenwirtschaft.“

Das Positionspapier sei nicht als Kritik am Masterplan zu verstehen, so ZDS-Hauptgeschäftsführer Daniel Hosseus. Vielmehr solle es dazu beitragen, dass der Masterplan auch zeitnah umgesetzt werde. In seinem Positionspapier skizziert der ZDS die Herausforderungen in den Bereichen Netz, Betrieb und sonstigen Standortfaktoren und analysiert die für die deutsche Hafenwirtschaft größten Problemfelder. Zudem schlägt der Verband eine Reihe von Maßnahmen vor, mit denen der Schienengüterverkehr mittel- und langfristig effizienter gestaltet werden kann.

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„Es ist klar, dass nicht alles sofort in Angriff genommen werden kann“, so Hosseus. „Aber es kann das eine oder andere beschleunigt werden.“ Eine Voraussetzung für den zügigen Ausbau der Schieneninfrastruktur ist aus Sicht des ZDS, die Planungs- und Genehmigungsprozesse deutlich zu verkürzen. „Schwierige und langwierige Verfahren und die damit einhergehenden rechtlichen Rahmenbedingungen verzögern oder gefährden noch immer Infrastrukturprojekte von nationaler Bedeutung.“ Dazu gehörten insbesondere die Hafenhinterlandanbindungen der deutschen Seehäfen.

Güter für das Binnenland

Die deutschen Seehäfen sind Dreh- und Angelpunkte für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Ob Container, Stück- oder Massengut: Mehr als zwei Drittel des deutschen Außenhandels werden nach Angaben des ZDS über die Seehäfen abgewickelt. Dabei bedienen deutsche Seehafenbetriebe mehr als 120 000 Schiffe pro Jahr und schlagen hierbei rund 300 Millionen Tonnen Güter aller Art um. Diese Güter stammen vor allem aus dem Binnenland beziehungsweise sind für das Binnenland bestimmt. Der Güterumschlag in den Seehäfen hänge daher von einer leistungsfähigen Anbindungen des Binnenlandes an die Seehäfen ab, heißt es im Positionspapier. Der Verkehrsträger Schiene sei dabei von zentraler Bedeutung – neben dem Transport mit Lastwagen und Binnenschiffen – und dominiere insbesondere auf längeren Strecken.

Um Infrastrukturmaßnahmen zügiger zu realisieren, fordert der ZDS Bund und Länder auf, das im vergangenen Jahr verabschiedete Planungsbeschleunigungsgesetz schnellstmöglich auch in der Praxis umzusetzen. Nur so könne der Erhalt und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur als Grundlage für einen erfolgreichen Wirtschafts- und Logistikstandort Deutschland effizient vorangetrieben werden.

Dass der Schienengüterverkehr Verbesserungsbedarf hat, das sieht auch Robert Howe so: „Kommt es auf den Gleisen der Deutschen Bahn zu Problemen, kann sich das auch schnell negativ auf die bremischen Häfen auswirken“, so der Geschäftsführer der stadtbremischen Hafengesellschaft Bremenports. Gerade der sogenannte Flaschenhals am Bremer Bahnhof sei ein sensibler Bereich. „Wir können nur hoffen, dass hier zügig daran gearbeitet wird, für diesen Abschnitt alternative Umfahrungen zu entwickeln. Das ist kompliziert, aber machbar."

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Howe weist darauf hin, dass das örtliche Netz der Hafeneisenbahn gut aufgestellt sei und weiter optimiert werde. In den vergangenen Jahren seien etwa 40 Millionen Euro in den Infrastrukturausbau der Bahnanlagen Bremerhavens investiert worden. „Als nächste Projekte stehen unter anderem die Elektrifizierung der Bahn im Kaiserhafen an, und ab Herbst 2020 soll ein neues IT-System die Planung und Disposition der Zug- und Wagenbewegungen der Bremischen Hafeneisenbahn optimieren.“

Position als europaweit führenden Eisenbahnhafen festigen

Ziel sei es, die Position als europaweit führender Eisenbahnhafen zu festigen. Howe: „Die Umweltverträglichkeit des Verkehrs wird in Zukunft als Wettbewerbskriterium an Bedeutung gewinnen. Wir sind gut beraten, die hervorragende Position unserer Häfen weiter zu festigen.“ In Bremen und Bremerhaven verzeichneten die Serviceeinrichtungen der Bremischen Hafeneisenbahn 2018 insgesamt etwa 38 700 Ein- und Ausgangszüge. Dieser Wert liegt fünf Prozent über dem Zugaufkommen des Vorjahres.

„Das ZDS-Papier begrüßen wir sehr„, so Tim Cordßen, Sprecher des Bremer Wirtschaftsressorts. “Die beschriebenen Ziele decken sich vollständig mit den Interessen des Landes Bremen.„ Bremen selbst tue mit eigenen Investitionen in die Bremische Hafeneisenbahn sehr viel für die Stärkung des Güterverkehrs auf der Schiene. Entscheidend sei, dass auch der Bund endlich auf die Pläne auch konkrete Umsetzungen folgen lasse. “Dafür setzen wir uns gemeinsam mit den anderen norddeutschen Ländern ein.“

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