Programmierer gesucht Bremer IT-Branche wächst und steht vor Problemen

Bremens IT-Branche wächst rasant. Unternehmen stellt das vor große Probleme. Für sie wird es immer schwerer, neue Mitarbeiter zu finden. Doch es gibt auch Kritik an den Firmen.
09.07.2019, 00:27
Lesedauer: 3 Min
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Bremer IT-Branche wächst und steht vor Problemen
Von Stefan Lakeband

Ein roter Teppich, zwei Sofas, der Spieleklassiker Tetris im Großformat – und im Hintergrund fließt die Weser. Dieses Szenario gab es an diesem Wochenende für Besucher der Breminale. Das IT-Unternehmen Neuland, das sonst Webshops programmiert, hatte einen Stand aufgebaut, an dem Festivalgänger entspannen und spielen sollten. Für Neuland gab es aber noch einen weiteren Grund. „Wir wollten uns präsentieren und das, was wir machen“, sagt Michael Geers. Zusammen mit Kollegen hat er das Spiel programmiert und den Stand betreut. Ein Gedanke hinter der Aktion: Wo viele Menschen sind, da sind auch potenzielle Bewerber.

So wie Neuland geht es derzeit vielen IT-Unternehmern in Bremen: Sie müssen auf sich aufmerksam machen. Warum, das zeigt eine Branchenanalyse der Arbeitnehmerkammer, die an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Ein Ergebnis: Jobs in der IT boomen in der Hansestadt – und das führt zu Problemen. „Während in vielen Branchen Angst vor der Digitalisierung herrscht, ist sie für IT-ler richtig gut“, sagt Tobias Peters. Er hat die Untersuchung für die Arbeitnehmerkammer gemacht. Der Boom hat nun aber auch dazu geführt, dass der Fachkräftemangel in der Branche besonders stark ist. „Deutschlandweit dauert es fünf Monate, bis eine offene Stelle besetzt werden kann“, sagt Peters. Bremen sei da keine Ausnahme.

Das hat einen einfachen Grund: IT-Jobs gibt es nicht nur in IT-Firmen. Längst stellen auch Autobauer, Banken oder Versicherungen IT-Experten ein. Allein in Bremen ist die Zahl der IT-Stellen zwischen 2013 und 2018 um 25 Prozent gewachsen – von 6953 auf 8736. Der Branchenverband Bremen Digitalmedia zählt allein 6000 Medien-, Kommunikations- und Informationstechnologie-Unternehmen in der Hansestadt, die einen jährlichen Umsatz von etwa einer Milliarde Euro machen.

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Trotz dieses enormen Wachstums ist Bremen laut Arbeitnehmerkammer noch längst keine IT-Hochburg. Nur drei Prozent aller Beschäftigten arbeiteten demnach in IT-Berufen. Bremen liegt damit im unteren Drittel der 15 größten Städte und knapp über dem Bundesschnitt von 2,4 Prozent. Spitzenreiter sind München (6,2 Prozent), Nürnberg (5,3) und Stuttgart (4,7).

Voraussetzungen sind gut

Dabei sind die Voraussetzungen auf den ersten Blick gut. „Bremen hat eine gute Infrastruktur bei der akademischen Ausbildung“, sagt Björn Portillo, Vorstandsvorsitzender von Bremen Digitalmedia und Managing-Partner beim Digitalunternehmen Hmmh. „Im Bereich schulische Bildung hinken wir jedoch im Bundesschnitt weit hinterher.“ Hier müsse etwas passieren, um junge Menschen auf zukunftsfähige Berufe vorzubereiten.

Dafür haben die Bremer IT-Unternehmen ein anderes Argument auf ihrer Seite: das Geld. Laut Kammer werden in der IT-Branche die dritthöchsten Löhne im Land Bremen bezahlt; im Schnitt etwa 4519 Euro plus Sonderzahlungen. Mehr gibt es nur bei Banken und Versicherungen sowie im verarbeitenden Gewerbe. Gleichzeitig ist die Zahl von prekären Beschäftigungen im IT-Bereich sehr gering. Fast 80 Prozent der Jobs sind Vollzeitstellen, gerade einmal sechs Prozent Minijobs. Damit unterscheidet sich der IT-Sektor deutlich von der gesamten Bremer Wirtschaft: Hier sind gerade einmal 58 Prozent aller Jobs Vollzeitstellen, 18 Prozent sind Minijobs.

Überstunden als Problem

Nachholbedarf sieht Peters aber bei den Arbeitsbedingungen. „Auf die Arbeitszeit wird nicht so sehr geachtet“, sagt er. Häufig gebe es Überstunden, Mitarbeiter sollten flexibel und nach den offiziellen Arbeitszeiten erreichbar sein. „Entgrenzung zwischen Berufs- und Privatleben“ nennt er das. Zudem kritisiert er die oft fehlende Bindung an einen Tarifvertrag und die unterdurchschnittliche Zahl an Betriebsräten. „Oft wird argumentiert, dass es den Unternehmen ja sehr gut gehe“, sagt Peters. „Daraus wird dann abgeleitet, dass man keinen Betriebsrat oder Tarifvertrag braucht.“ Verbandschef Portillo hält dagegen: IT-Firmen seien schon immer hoch flexibel gewesen; Konzepte wie Homeoffice, New Work und Familienfreundlichkeit seien längst Standard – eben weil die Mitarbeiter das früh gefordert hätten und die Unternehmen attraktiv sein wollten. „Eine externe Regulation kann hier schnell eher als bremsend oder störend empfunden werden“, sagt er. Sie passe „einfach nicht zur Lebenswirklichkeit“, denn in einer rasanten Wachstumsbranche müssten IT-Unternehmen per se für Mitarbeiter attraktiv sein.

Für Neuland hat sich der Stand auf der Breminale gelohnt, erzählt Geers. Einige Besucher seien zum ersten Mal auf die Bremer IT-Firma aufmerksam geworden. Manche hätte direkt gefragt, wie es mit Studentenjobs sei. „Das Interesse war da“, sagt Geers – genauso wie der Spaß am Tetris.

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