Statt eigener Fahrzeugflotte

Carsharing für immer mehr Firmenkunden

Unternehmen in und außerhalb Bremens ersetzen ihren Fuhrpark zunehmend durch Carsharing-Fahrzeuge. Davon profitiert das Bremer Unternehmen Cambio. Aber auch die Konkurrenz setzt auf diese Kunden.
20.03.2018, 19:47
Lesedauer: 4 Min
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Carsharing für immer mehr Firmenkunden
Von Florian Schwiegershausen
Carsharing für immer mehr Firmenkunden

Immer mehr Unternehmen sehen Carsharing-Fahrzeuge wie die hier von Cambio als Alternative zu ihrem Fuhrpark – erst recht, wenn es Elektrofahrzeuge sind.

Frank Thomas Koch

Carsharing ist weiter auf Wachstumskurs. Dabei ist es egal, ob es sich um stationsabhängiges Carsharing handelt wie etwa beim Bremer Anbieter Cambio oder stationsunabhängiges Carsharing, das sogenannte Free Floating, wie es die Daimler-Tochter Car2go oder die BMW-Tochter Drivenow anbieten. Was für Privatkunden interessant erscheint, spielt nun auch für Unternehmen eine immer größere Rolle.

Sie verkleinern ihre Firmenflotten und setzen auf Carsharing-Fahrzeuge. Der Fachbegriff dafür ist "Corporate Carsharing". Cambio konnte hier 2017 den Anteil um elf Prozent steigern gegenüber dem Vorjahr. Bettina Dannheim, Geschäftsführerin der Cambio-Gruppe, sagt: "Viele unserer Geschäftskunden ersetzen eigene Pool- und Leasingfahrzeuge komplett durch Carsharing. Betriebliche Abläufe werden vereinfacht, Kosten gesenkt."

Von den bundesweit 65.000 Kunden nutzen laut Dannheim bereits 25 Prozent die Fahrzeuge für berufliche Fahrten. Das ist auch für die Mitbewerber von Cambio, mit denen das Bremer Unternehmen in mehreren deutschen Städten bereits in Konkurrenz steht, ein wichtiger Markt. Dabei steht in den kommenden Monaten eine große Fusion bevor: Laut Branchenexperten will Daimler das Geschäft seiner Tochter Car2go mit dem Geschäft der BMW-Tochter Drivenow fusionieren. Damit das möglich wird, hat Daimler seinem bisherigen Partner Europcar die Anteile abgekauft. Ebenso hat BMW die Anteile seines Partner Sixt erworben. Von dieser Fusion profitieren ebenso die Firmenkunden.

Gut für das Image und für die Umwelt

Bei Car2go sind das laut eigenen Angaben unter den knapp 800.000 Kunden in Deutschland mehr als 20.000 Unternehmen jeglicher Größe. Sie sehen die "Free-Floating-Fahrzeuge" von Car2go als Ergänzung zum betrieblichen Fuhrpark. Die Daimler-Tochter vermarktet das direkt im Internet unter dem Namen "Car2go for Business". Neben den Kosten sei ein weiterer Grund für die Unternehmen auch, dass sie damit auch ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern könnten, heißt es bei Car2go.

Ebenso setzt die BMW-Tochter auf "Drivenow for Business". Hier sind es unter den 720 000 Kunden inzwischen mehr als 2500 Unternehmen, die auf diese Mobilitätsvariante setzen. Eine Sprecherin erläutert: "Waren es anfangs besonders kleine Unternehmen und Start-ups, die Drivenow mangels Geschäftsautos oder Fuhrpark genutzt haben, sind es mittlerweile Unternehmen fast jeder Größe – vom Einzelunternehmer bis hin zu Großkonzernen. Entscheidungsgrund für Drivenow ist häufig auch eine im Unternehmen verankerte Nachhaltigkeitsstrategie."

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Was gut ist für das Image einer Firma, ist auch gut für die Umwelt, wie Cambio-Geschäftsführerin Bettina Dannheim ergänzt: "Firmen können so ihren ökologischen Fußabdruck verringern." Dazu nennt sie spontan als Beispiel die Nord-Ostsee-Sparkasse in Flensburg: "Die schaffte anfangs zwei Cambio-Fahrzeuge an und ersetzte sieben Poolfahrzeuge. Im vergangenen Jahr kam ein weiteres Carsharing-Fahrzeug hinzu, das wiederum vier Poolfahrzeuge ersetzte." In Bremen setzen inzwischen die Gewoba, die Sparkasse Bremen und auch der Umweltsenator auf die Fahrzeuge von Cambio.

In Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln haben Unternehmen die Auswahl, ob Cambio besser zu ihnen passt oder ein Free-Floating-Anbieter. Das gilt natürlich ebenso für die Privatkunden. Dannheim weiß: "In solchen Städten haben wir Kunden, die ebenso Kunden bei den Free-Floating-Anbietern sind." Außerdem hat Cambio inzwischen in Berlin nicht mehr nur Stationen mit festen Parkplätzen für die Autos, sondern auch Parkzonen.

Mieten für Strecken aller Art

"Die Kunden stellen ihr Fahrzeug dort in einer bestimmten Zone ab. Der Vorteil ist, dass sie so womöglich direkt vor ihrer Wohnung parken können", sagt die Cambio-Geschäftsführerin. "Allerdings mögen unsere Kunden lieber die festen Stationen. Da muss man nicht lange suchen." Free Floating sei eben nur etwas für Fahrten innerhalb einer Stadt, Cambio ermögliche auch Mieten für Strecken aller Art. Der Wagen muss am Ende nur wieder in der Station geparkt werden.

Allerdings gewinnen die frei beweglichen Fahrzeuge gerade in der jungen Zielgruppe zunehmend Kunden. Für Car2go und Drivenow ist Bremen bisher uninteressant gewesen. Doch bereits im vergangenen Jahr sagte eine Drivenow-Sprecherin dem WESER-KURIER, dass man das Konzept langfristig auch für Städte mit weniger als 700.000 Einwohnern entwickeln wolle.

Würde Cambio in Bremen dann auch zusätzlich auf Free-Floating-Fahrzeuge zum bisherigen Fuhrpark setzen? Bettina Dannheim sagt: "Wenn wir das für nötig halten, könnten wir das machen. Aber wir halten es nicht für nötig." Autovermieter Sixt wiederum will bis Jahresende eine Mobilitätsplattform schaffen, die Carsharing, Mietwagen, Chauffeurservice und Leasing miteinander verbinden soll. Ein Sixt-Sprecher sagte: "Sixt will nun kein komplett neues Carsharing-Unternehmen aufbauen. Aber einem Auto ist es ja grundsätzlich egal, ob es für 30 Minuten oder drei Tage gemietet wird."

Es gehe darum, das, was Sixt schon jetzt anbietet, besser zu verzahnen. Und mit so einer Plattform könne man alles dort anbieten, wo Sixt jetzt schon ist – also auch in Bremen. Cambio-Geschäftsführerin Bettina Dannheim wiederum fährt am Donnerstag nach Düsseldorf zur Fachmesse "Flotte! Der Branchentreff". Dort will sie weitere Unternehmen und Kommunen vom Carsharing-Konzept für ihren Fuhrpark überzeugen. Außerdem will sie sich bei den anwesenden Autoherstellern nach Fahrzeugen für die eigene Flotte umschauen.

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