Vielfältige Konzepte

Co-Working in Bremen immer beliebter

Auch in Bremen entstehen immer mehr Alternativen zum klassischen Büro. Gleichzeitig werden die Co-Working-Konzepte immer vielfältiger. Ein Überblick.
09.03.2018, 04:01
Lesedauer: 4 Min
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Co-Working in Bremen immer beliebter
Von Jonas Mielke

Jens Kube hat einen ordentlichen Schreibtisch. Ein kleiner Kalender steht neben dem Bildschirm, die Stifte sind sauber nebeneinander abgelegt. Er sitzt entspannt auf seinem Bürostuhl, auch ein paar persönliche Erinnerungen liegen neben seiner Tastatur. Ein Kollege geht vorbei, sie grüßen sich. Doch einen Kollegen im klassischen Sinne hat Jens Kube gar nicht. Er hat Co-Worker. „Das ist was anderes“, sagt er.

Vor zwei Jahren hat sich der 43-jährige Kluge selbstständig gemacht, nachdem er elf Jahre in einem klassischen Büro gearbeitet hat. Er ist Wissenschaftsjournalist und Kommunikationsexperte, ein Ein-Mann-Betrieb. Die Frage, die er sich damals stellte: Arbeite ich von zu Hause oder suche ich etwas anderes? „Mir war wichtig, auch als Einzelperson in einem Umfeld zu sein, das zum Arbeiten motiviert“, sagt er.

Konferenz „Cowork 2018“

„Co-Working ist keine Bürogemeinschaft oder Arbeiten in der etablierten Unternehmenskultur“, sagt Doris Schupp. Sie ist im erweiterten Vorstand der German Co-Working Federation, am Wochenende trifft sich das Netzwerk des Verbands zur Konferenz „Cowork 2018“ in Bremen. Für sie ist Co-Working mehr als ein geteilter Arbeitsplatz: Es gehe um Interaktion und gemeinsame Projekte. Darum, Kontakte zu knüpfen und Netzwerke zu entwickeln. „Wir wollen Leuten den Raum geben, etwas Neues zu finden“, sagt Schupp, die selbst einen sogenannten Co-Working-Space auf Mallorca betreibt. Für sie geht es beim Thema Co-Working um die Zukunft der Arbeit in den Zeiten der Digitalisierung.

Jens Kube war bei seiner Entscheidung zum Co-Working bei Weserwork pragmatischer: Ein Büroplatz, für den er keinen eigenen Internetanschluss organisieren muss, keine Reinigungskraft anstellen muss und bei dem der Kaffee inklusive ist. Auch seine Geschäftspartner müsse er dank seines Co-Working-Platzes nicht im heimischen Wohnzimmer empfangen, für Meetings gibt es Extraräume. Nachteil: „Es erfordert eine gewisse Übung, Arbeit zu erledigen, bei der man sich stark konzentrieren muss“, sagt er. Die Telefonkonferenz eines anderen Co-Workers sei dann doch manchmal etwas lauter. Ein Einzelbüro bucht er trotzdem nicht, obwohl er seinen Arbeitsplatz individuell an seine Bedürfnisse anpassen kann – gegen Aufpreis. Dazu ist Kluges Vertrag monatlich kündbar. Volle Flexibilität, alles individuell anpassbar – darauf setzen Unternehmen, die Co-Working-Arbeitsplätze anbieten.

Zehn Anbieter in Bremen

Davon gibt es in Bremen immer mehr: „Das Co-Working ist in Bremen gut angekommen“, sagt Hans-Georg Tschupke. Er ist Abteilungsleiter Industrie, Innovation und Digitalisierung im Wirtschaftsressort. Momentan seien zehn Anbieter in Bremen, die explizit Co-Working als Geschäftsmodell anbieten, sagt Tschupke. Das Angebot reicht von Arbeitsräumen für Kreative bis zu repräsentativen Büros in bester Lage. In der Kalle Co-Werkstatt können Werkstätten für Do-It-Yourself-Designer gemietet werden, im Alten Postamt am Hauptbahnhof ist der Kraftwerk City Accelerator entstanden. Dort arbeiten Start-ups, die sich mit Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Im vergangenen November ist das Unternehmen Rent24 in der Martinistraße eingezogen. Dort können Mitglieder ihren Arbeitsplatz auch flexibel nach Hamburg, Berlin oder Amsterdam verlegen, wo Rent24 ebenfalls Co-Working-Spaces betreibt.

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„Es ist wichtig, dass es an einem Standort verschiedene Angebote gibt“, sagt Hans-Georg Tschupke aus dem Wirtschaftsressort. Er glaube nicht, dass sich die verschiedenen Anbieter Konkurrenz machen. „Die Angebote differenzieren sich inhaltlich sehr stark.“ Das glaubt auch Doris Schupp: „Das große Spektrum ist gesund und gut.“ Auch die Preise würden durch größere Anbieter nicht kaputt gemacht werden. Im Verband der Co-Worker seien die großen Unternehmen wie Rent24 aber nicht involviert. Man sei dort offen, habe das Gespräch aber auch nicht gesucht. „Der Begriff Co-Working ist hip geworden“, sagt Schupp. Darunter würden mittlerweile sehr unterschiedliche Konzepte fallen. Für sie sei Co-Working jedoch immer auch mit Werten verknüpft: Offenheit, Kollaboration, Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit. „Manchmal sind diese Werte aber nicht mehr mit Leben gefüllt.“

Individuelle Angebote

Jens Kube findet es gut, dass die Angebote immer individueller werden. "Jeder kann für seine Bedürfnisse einen guten Arbeitsplatz finden", sagt er. Kube ist mit seiner Co-Working-Erfahrung sehr zufrieden. "Man lernt viel von anderen Co-Workern, besonders am Anfang der Selbständigkeit." Zum Beispiel welchen Preis man für seine Dienstleistungen oder Produkte verlangen könne. "Ich erlebe keine Konkurrenz, auch nicht bei Co-Workern aus der gleichen Branche", sagt er. "Man versucht, gemeinsam besser zu werden." Er sehnt sich nicht in ein klassisches Büro zurück.

Kongress der Co-Worker

Von Freitag, 9. März, bis Sonntag, 11. März, findet die "Cowork 2018" in Bremen statt. Organisiert wird das Branchentreffen von der German Co-Working Federation und dem Bremer Co-Working-Unternehmen Weserwork. Die Konferenz findet im Kwadrat statt und richtet sich an Co-Worker, Betreiber von Co-Working-Spaces und Wissenschaftler, die zum Thema Co-Working forschen.

"Es gibt kein Motto oder Fokus-Thema", sagt Mit-Organisatorin Doris Schupp. Trotzdem sollen vier Aspekte auf dem Kongress zentral sein: die seelische Gesundheit sowie das Lernen aus Fehlern bei Betreibern von Co-Working-Spaces, die Werte des Co-Workings sowie die Präsentation wissenschaftlicher Forschung zum Thema. Die Konferenz findet jährlich statt, zuletzt wurde sie 2017 in Leipzig ausgerichtet.

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