Austauschprogramm Cross-Projekt: Lernen von anderen

Die Konzerne Airbus, BLG und Mercedes tauschen gegenseitig Mitarbeiter aus - um sich für den digitalen Wandel zu wappnen. Das Austauschprogramm soll die Unternehmen positiv unterstützen.
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Cross-Projekt: Lernen von anderen
Von Peter Hanuschke

Eigentlich ist Peggy Wenzel beim Bremer Logistikdienstleister BLG beschäftigt - die vergangenen drei Monate arbeitete sie in Sebaldsbrück im Mercedes-Werk. Auch Airbus-Mitarbeiterin Katrin Berger tauschte in diesem Zeitraum ihren Arbeitsplatz und war für die BLG Logistics Group tätig, und Daimler-Mitarbeiter Matthias Haar wechselte zum Flugzeughersteller Airbus. Es ging dabei nicht darum, jeweils Lücken in der Produktion zu stopfen. Vielmehr haben die drei Unternehmen an einem Austauschprogramm teilgenommen, um Erfahrungen in anderen Unternehmenskulturen zu sammeln und um generell eine Bereitschaft zur Veränderung zu fördern.

Digitaler Veränderungsprozess

Auch wenn die drei Unternehmen in ganz unterschiedlichen Branchen zuhause sind, haben sie eines gemeinsam: Sie befinden sich in einem zunehmenden digitalen Veränderungsprozess, der etwa durch neue Produkte wie Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren, neue Mitbewerber wie Google und Co. oder durch eine enorme Zunahme von individualisierten Produkten sowie einer generell schnelleren Taktung beschleunigt wird. Das branchenübergreifende Austauschprogramm mit dem Namen Cross (Competence Rotation Over Several Sectors) soll einer von vielen Bausteinen sein, die diesen Prozess in den jeweiligen Unternehmen positiv unterstützen.

Wissenschaftlich begleitet wurde Cross von der Jacobs University. Neben dem dreimonatigen Praxiseinsatz in einem der Partnerunternehmen waren auch gemeinsame Qualifizierungs- und Workshoptage Teil des Austauschprogramms. Für die Initiative wurden sowohl junge als auch erfahrene Mitarbeiter ausgewählt, um die erfolgreiche Zusammenarbeit in generationenübergreifenden Teams zu fördern. Für die Hospitationsphase wurden die insgesamt 14 Teilnehmer anhand ihrer Kompetenzen einem Einsatzbereich oder einem konkreten Projekt im Partnerunternehmen zugeordnet. Diese reichten von Innovationsprojekten im sogenannten „Digi-Lab“ bei BLG Logistics über die Programmierung eines Tracking-Systems für Produktionsequipment bei Airbus bis hin zu Anlaufprojekten für neue Modelle bei Mercedes-Benz.

Digitalisierung bedeute Wandel im Unternehmen, aber auch Wandel für den einzelnen Mitarbeiter, so Hagen Böttcher, der an der Jacobs University für den Bereich Geschäftsentwicklung zuständig ist. In den Impulsvorträgen sei es darum gegangen, herauszuarbeiten, wo welche Anforderungen in den jeweiligen Unternehmen im Zusammenhang mit Digitalisierung bestehen und wie man sich als Mitarbeiter da einbringen könne, statt diesen Prozess auszusitzen.

„Ich habe täglich neue Impulse bekommen“, so Katrin Berger über ihren Einsatz bei der BLG Logistics Group. Auch der tägliche Austausch innerhalb der Gruppe beim gemeinsamen Mittagessen - es gab noch vier weitere „Externe“ bei der BLG - sei einfach erfrischend gewesen. „Irgendwie fühle ich mich jetzt wesentlich kreativer.“ Es sei für die eigene Arbeit hilfreich, „einfach mal über den Gartenzaun zu schauen“, ergänzte ihr „Kollege“ Heinrich Becker, der normalerweise bei Mercedes arbeitet. Sinnvoll sei auch der Alters-Mix der Gruppe von 28 bis 59 Jahre gewesen - eben so, wie er auch in vielen Unternehmen vorkomme.

Spannender Weg

Der digitale Prozess müsse idealerweise von jedem Mitarbeiter mitgegangen werden, sagte Anja Oden, die im Bremer Mercedes-Werk für Nachwuchssicherung und International Support zuständig ist. „Wir haben auch viele ältere Mitarbeiter, die tun sich manchmal mit Veränderungen etwas schwerer.“ Insofern sei ein solches Projekt hilfreich, Impulse zu bekommen, um den größtmöglichen Teil der Belegschaft für einen solchen Prozess, in dem das Unternehmen schon mittendrin sei, zu begeistern. „Wir benötigen Leute, die Lust haben, diesen spannenden Weg mitzugehen.“ Und eine solche neue Kultur könne nicht von oben verordnet werden. Insofern sei es denkbar, das noch relativ kleine Cross-Projekt auszubauen und zu erweitern - auch mit anderen Partnern etwa aus der Start-up-Szene, um ein anderes Bewusstsein zu schaffen.

„Wir müssen die Neugier im Unternehmen aufrecht erhalten“, sagte Angelo Caragiuli, Leiter der Personalentwicklung bei der BLG Group. Der Logistikkonzern bewegt sich, genauso wie Mercedes und Airbus, wegen der Digitalisierung in einem neuen Marktumfeld, was auch ein Verlassen von bislang bewährten Prozessen notwendig mache. „Wir müssen uns auf eine zunehmende Geschwindigkeit bei der Entwicklung von neuen Modellen und neuen Geschäftsfeldern einstellen - und darauf müssen wir uns mit den Mitarbeitern vorbereiten“, so Nina Rövekamp, die bei Airbus mit für die Personalentwicklung zuständig ist.

„Bei Mercedes-Benz begreifen wir den digitalen Wandel als Chance", so Peter Theurer, Standortleiter im Bremer Werk. "Dafür setzen wir auf eine Mannschaft, die bereit ist, sich auf Neues einzulassen." Das Projekt Cross biete Mitarbeitern die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken, neue Herausforderungen positiv anzunehmen und sich weiterzuentwickeln. „Auch in der zivilen Luftfahrt sind wir bei Airbus seit Jahren dabei, alle Mitarbeiter für die Digitalisierung und damit für die Arbeitsplätze der Zukunft fit zu machen", ergänzte André Walter, Standortleiter von Airbus in Bremen. "Insbesondere die ältere Generation müssen wir auf diesem Weg besonders unterstützen." Genau dort setze das Cross-Projekt an. Lob gab es auch von Dieter Schumacher, Arbeitsdirektor bei BLG Logistics: „Cross liefert einen innovativen Ansatz, um die Konzepte zum lebenslangen Lernen weiterzuentwickeln."

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