Zahl der Brauereien steigt

Die Renaissance der Braukunst

In Niedersachsen und Bremen sind im vergangenen Jahr besonders viele Brauereien entstanden. Nur Bayern schlug die beiden norddeutschen Länder. Die Craft-Beer-Szene in der Region wächst weiter.
26.02.2018, 22:20
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Die Renaissance der Braukunst
Von Lisa Boekhoff

Die Biervielfalt im Nordwesten wächst. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Brauereien in Niedersachsen und Bremen besonders stark: um zehn Betriebe auf 82. Nur in Bayern war der Zuwachs nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds noch größer. Dort eröffneten sogar 18 neue Betriebe. Der Craft-Beer-Trend treibt diese Entwicklung. Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland dadurch beflügelt insgesamt 82 Betriebe hinzu – so viele wie in den acht Jahren zuvor zusammengenommen. 1492 Braustätten gibt es nun.

In Bremen sind neben etablierte Brauereien in jüngster Zeit neue Akteure getreten wie die Brauerei Grebhans aus Horn. Der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände zufolge gibt es hier nun insgesamt sieben Betriebe. In Niedersachsen gehört die Brauerei Batbrew aus Achim zu den Newcomern.

Bier aus dem Whiskeyfass

Die Union Brauerei mit Sitz in Walle ist seit Ende 2015 am Markt. Bis zu zehn Biersorten gehören je nach Saison ins Angebot. In diesem Jahr soll es einen Absatz von 5000 Hektolitern geben. Lüder Kastens arbeitet zugleich bereits an neuen Geschmacksrichtungen: Unter der Marke „Union Pilot Brew“ sollen bald besondere Brauinnovationen angeboten werden, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter: „Da geht es um wirkliche Bierspezialitäten. Die trinkt man nicht mal eben so, sondern eher wie einen Wein.“

Wie zum Beispiel Bier, das ein Jahr im Whiskeyfass reifen soll. Die Begeisterung für handgemachtes Bier nehme zu: „Das merken wir auch. Zu unseren Craft-Beer-Tagen kommen viele Besucher. Das sind Genießer, die Fragen stellen.“ Im Vergleich zu anderen Ländern könne das Interesse aber noch zulegen. „Da hinken wir noch hinterher.“

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Aus den USA ist der Craft-Beer-Trend langsam nach Deutschland gekommen. Rund 6000 verschiedene Bierarten gebe es heute, sagt Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauer-Bunds. „Das Bier erlebt eine Renaissance. Wir experimentieren wieder mehr.“ Gerade in den Ballungszentren gebe es eine neue Nachfrage: von jungen, dynamischen, kaufkräftigen Menschen, denen das Standardpils zu langweilig sei.

Den Biermarkt veränderten die neuen Brauer dabei nicht stark, denn der Marktanteil der vorwiegend kleinen Brauereien bis 5000 Hektoliter liege noch bei einem Prozent: „Die hochpreisigeren Bierspezialitäten haben einen sehr geringen Marktanteil.“ Für Revolution haben die Craft-Beer-Brauer allerdings gesorgt: Traditionsbrauereien tüfteln ebenfalls verstärkt an neuen Bieren und nehmen neue Produkte ins Portfolio.

Die meisten neuen Braustätten entstanden in den vergangenen Jahren im Raum Berlin/Brandenburg, wie der Branchenverband unter Berufung auf das Statistische Bundesamt mitteilte. Bayern liegt jedoch mit Abstand an der Spitze: Im Bundesland stieg die Zahl der Brauereien auf 642. Baden-Württemberg als Zweitplatzierter kommt auf 204 – die wenigsten Brauereien hat Mecklenburg Vorpommern mit 23.

Weitere neue Spieler

Der Brauer-Bund rechnet mit zahlreichen weiteren neuen Spielern auf den regionalen Biermärkten. Bis Ende März werde die Zahl von 1500 Betrieben überschritten sein. „Die Verbraucher können sich über eine stetig wachsende Biervielfalt freuen, die weltweit ihresgleichen sucht“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bunds, Holger Eichele.

Immer mehr Brauereien in Deutschland – diese Entwicklung fällt zugleich in eine Zeit der Konsolidierung in der Branche. Wegen der kleineren Spezialitätenbrauereien werde der Biermarkt in Deutschland dennoch laut Eichele immer vielfältiger. Obwohl die Zahl der Brauereien so groß ist wie nie seit der Wiedervereinigung: Der Bierdurst sank 2017 weiter. 93,5 Millionen Hektoliter waren es und damit zwei Millionen weniger als noch im Vorjahr.

In Niedersachsen und Bremen sank der Bierabsatz ebenfalls um vier Prozent auf 8,3 Millionen Hektoliter. Ein Hektoliter entspricht 100 Litern. Auch der Export ging zurück. Die Brauer setzen nun darauf, dass die Fußball-Weltmeisterschaft in diesem Jahr den Bierdurst wieder wachsen lässt und dass die Beliebtheit alkoholfreier Biere weiter zunimmt.

"Die Renaissance ist noch nicht zu Ende"

Marc-Oliver Huhnholz ist überzeugt: „Wir sind eine Biernation.“ Die Deutschen mögen am liebsten Pils, dessen Marktanteil nach Verbandsangaben bei mehr als 50 Prozent liegt. Weizen und Export liegen jeweils bei acht Prozent. Starke Zuwächse gibt es bei ungefilterten Keller-, Land- und Zwickelbieren sowie beim Hellen.

In diesem Jahr wartet schon das nächste neue Bier aus Bremen auf Genießer. Frank Wolter will unter dem Namen Brewmen ausschließlich für das Brolters brauen. Das ist das Bier-Fachgeschäft seiner Frau Janka Bracke-Wolter. „Wir werden keine Mikro-, sondern eine Nano-Brauerei sein“, sagt Wolter. Das sei eine bewusste Entscheidung. „Wir wollen über Qualität und Exklusivität verkaufen.“

600 Liter im Monat und vier Sorten plant Wolters zu brauen. Wichtig ist ihm die Rückbesinnung auf handgemachte Braukunst. Den Biermarkt werden Brauereien wie Brewmen, Union, Grebhans und Batbrew trotz des kleinen Marktanteils weiter verändern. Huhnholz sieht dort noch Potenzial: „Die Renaissance ist noch nicht zu Ende.“

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