Made in Bremen: Keramikwerkstatt Dünenbrand Dessins nach eigenem Entwurf

In der Keramikwerkstatt von Gabriele Appel können Tonstücke selber bemalt werden. Ihre Kurse sind beliebt bei Firmenevents und Kindergeburtstagen. Im Tabakquartier soll es bald einen neuen Standort geben.
05.12.2021, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Dessins nach eigenem Entwurf
Von Hannah Krug

In der Markthalle Acht ist Mittagszeit. Der würzige Geruch frisch gebackener Pizza liegt in der Luft. Kleine Menschengruppen studieren die Speisekarten der bunten Verkaufsstände – ein geschäftiges Treiben. Nur ein paar Treppenstufen hinauf liegt die Keramikwerkstatt von Gabriele Appel wie eine ruhende Düne. Das passt zum Namen des Betriebs: "Dünenbrand".

Während es bei den Gastronomen zischt und klappert, ist es in der Werkstatt ziemlich ruhig. Eine breite Glasfront schirmt die Düne vom Geschehen in der Markthalle ab. An einem Holztisch sitzen sich zwei Frauen mittleren Alters gegenüber. Während sie sich unterhalten, beugen sie konzentriert ihre Köpfe über einen Weihnachtsstern und eine Schüssel. Beide sind aus Keramik. Die eine tupft violette Punkte auf den weißen Ton, die andere stempelt kleine Buchstaben auf den Schüsselrand.

Gabriele Appel steht hinter der Kasse und wickelt bunt bemalte Tassen in Zeitungspapier, dann räumt sie die Gegenstände in die Einkaufstasche einer Kundin. Die Keramikwerkstatt im Bremer Zentrum hat die Unternehmerin nach ihrer Deichmanufaktur in Borgfeld eröffnet. "Einen zweiten Standort zu gründen war damals ein großer Schritt, an den ich mich herantrauen musste", sagt Appel. Bevor sie entschied, sich mit einer Kreativwerkstatt selbstständig zu machen, überlegte sie zunächst, dies in ihrem bisherigen Berufsfeld, der Werbebranche, zu tun. Schnell war ihr jedoch klar: "Das ist ein Haifischbecken, das lasse ich auf jeden Fall sein."

Logos für Zahnarztpraxen oder Dachdeckerunternehmen zu erstellen, füllte Appel auf Dauer nicht aus. "Wenn man erst einmal lange genug in der Branche arbeitet, weiß man, dass das gar nicht so kreativ ist, wie man sich das vorstellt", sagt sie. Sie selbst sei es hingegen schon immer gewesen: kreativ mit Farben auf der Leinwand, beim Basteln oder Töpfern.

Geblieben ist vor allem das Bemalen von fertig getöpferten Gegenständen. Warum? "Wegen meiner Kinder! Die Kinder haben das Keramikmalen geliebt." Jede Woche ist sie mit ihren beiden Söhnen zur Werkschule nach Oldenburg gefahren, bis die Keramikwerkstatt dort plötzlich schließen musste.

"Keramik bemalen kann jeder!"

Die Lücke füllt Appel kurzerhand selbst: Sie beschließt, ihre eigene Keramikwerkstatt zu gründen. Eine kurze Zeit später, im Februar 2013, sitzt Appel an einem Tisch und wartet, bis jemand kommt. Viel Werbung macht sie nicht. Bis heute vertraut die gebürtige Bremerin auf Mundpropaganda. "Es hat sich schnell herumgesprochen." Viele interessieren sich für ihr Angebot, auch, weil sie etwas anbietet, was manch einer für unmöglich hält: etwas Schönes herzustellen, ohne dabei merklich kreativ sein zu müssen.

"Keramik zu bemalen, ist etwas, das jeder kann", sagt Appel mit Nachdruck. Sie weiß, dass es beim Kreativsein am Ende des Tages einen kleinen Erfolg braucht. Aus diesem Grund bietet sie auch kein Töpfern an: "Beim Töpfern sehen die Stücke eine lange Zeit noch sehr selbst gemacht aus." Das Handwerk, das dem Bemalen vorgeschaltet ist, sei wesentlich anspruchsvoller und benötige mehr Zeit. Ihre Keramikware bezieht Appel von Händlern aus China und Italien.

Appel steht genauso wie ihre Mitarbeiterinnen selbst hinter dem Tresen. Auf einem Musterteller verdeutlicht sie der Kundschaft, wie es möglich ist, ein Keramikstück farblich zum Leben zu erwecken. Für den Siebdruck gibt es kleine Schablonen, darunter auch Bremer Motive wie die Stadtmusikanten. Dabei wird durch ein feines Gewebe Farbe auf den Ton gedrückt. Eine andere Möglichkeit sind die Blubberblasen. Sie werden mit Farbe und einem Strohhalm hergestellt, dann auf den Ton drapiert, wo sie platzen und die Farbe langsam verläuft. "Die Technik ist sehr beliebt, vor allem bei Kindern", sagt Appel. Beliebte Gestaltungsobjekte seien im Moment Butterdosen und Kaffeebecher. 

Neuer Standort in Woltmershausen

Die Keramikwerkstätten in Borgfeld und in der Markthalle sind häufig ausgebucht. Appel arbeitet viel. Sie weiß das, aber sie "kann mit dem Druck ganz gut umgehen". Immer noch findet sie Zeit, sich ihrer eigenen Kunst zu widmen - auch wenn das an manchen Tagen erst gegen Mitternacht möglich ist. Dann setzt sie sich zu Hause hin und bemalt Leinwände. Sie mag realistische Motive. Das, was sie an ihren Gästen beobachtet, beobachtet sie auch an sich selbst: Es ist eine meditative Tätigkeit. Gelegentlich bemalt Appel auch selber Keramik, gerade wenn es darum geht, neue Farben und Muster auszuprobieren.

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Ab März 2022 siedelt Appel ins Tabakquartier um. Den Standort in Borgfeld schließt sie. In Woltmershausen möchte sie einen Schritt weiter gehen: "Dort wollen wir Events im Stil von Art Nights oder für Junggesellenabschiede anbieten." Die Kundschaft kann neben dem künstlerischen Angebot auch einen Fotografen dazu buchen oder in der Küche einen Kochkurs absolvieren.

Zur Sache

Vom Tonstück bis zur fertigen Frühstückstasse.

Die Gäste in der Keramikwerkstatt haben drei Stunden Zeit, ihre Objekte zu bemalen. Danach fängt für Gabriele Appel und ihr Team erst die richtige Arbeit an. Die fertig bemalten Keramikstücke werden nummeriert und abfotografiert, so können sie am Ende wieder zugeordnet werden. Danach geht es ans Glasieren. Danach darf das Reinigen der Stellränder nicht vergessen werden. "Sonst kleben sie am Ofen fest", sagt Appel. Die fertig glasierten Objekte sehen alle gleich aus: weiß bedeckt. Erst beim Brennen wird die Glasur durchsichtig, die Farbe tritt hervor.

In einem separaten Raum lagert die Keramik etwa zwei Tage in den Brennöfen. Zehn Stunden benötigt ein Ofen, bis er auf 1000 Grad hochgeheizt ist, dann braucht er noch einmal mindestens doppelt so lang, um wieder abzukühlen. Gelegentlich geht beim Brennen auch etwas schief: Etwa, wenn zwei Stücke aneinanderkleben und auseinandergebrochen werden müssen. Manchmal löst sich auch ein Steinchen in der Hitze und lässt den Ton bersten. "Da machen alle ein langes Gesicht", sagt Appel. "Wir ersetzen das dann natürlich."

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