Einzelhandel im Lockdown Bremer Handel ist gegen Einkauf in Zeitfenstern

Rentner am Morgen, Berufstätige abends: Sind Zeitfenster für bestimmte Personengruppen die Lösung für den Einzelhandel? In Bremen glaubt man, dass es bessere Wege aus dem Lockdown gäbe.
11.02.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Bremer Handel ist gegen Einkauf in Zeitfenstern
Von Stefan Lakeband

Die Einzelhändler hoffen, dass sie ihre Läden bald wieder öffnen dürfen. Wenn es so weit sein sollte, heißt das aber nicht automatisch, dass jeder jederzeit einkaufen kann. So sieht es jedenfalls ein Vorschlag von Ceconomy-Chef Bernhard Düttmann vor, der unter anderem hinter Saturn und Media Markt steht. Er hatte am Dienstag festgelegte Einkaufszeiten für verschiedene Bevölkerungsgruppen ins Spiel gebracht. Um die Besucherströme zu begrenzen, könne man etwa die Berufstätigen am Morgen und am Abend in die Läden lassen und eine spezielle Zeit für die Risikogruppen über 60 oder 65 festlegen. „Man könnte es auch staffeln nach Tagen, wo man bestimmte Tage hat, wo die Jugendlichen in die Läden dürfen und an anderen Tagen nicht“, sagte er.

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Jan König hält das für eine interessante Idee. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest glaubt, dass mit so einer Regel Läden öffnen könnten, noch bevor ein bestimmter Inzidenzwert unterschritten werde. Optiker und Hörgeräteakustiker, die vom Lockdown nicht betroffen sind, würde schon jetzt häufig Kunden nur mit Termin beraten. „Die Praxis zeigt, dass das funktioniert“, sagt König. Daher kann er sich vorstellen, dass sich dieses System auch auf andere Branchen übertragen und um Zeitfenster für bestimmte Bevölkerungsgruppen erweitern lässt. „Vor allem im Facheinzelhandel ist das eine Option“, sagt König – zumindest bis die Geschäfte wieder halbwegs normal öffnen könnten, so wie bereits im vergangenen Sommer.

Verhalten ist hingegen die Reaktion beim Shoppingcenter Dodenhof in Posthausen. Da man viele unterschiedliche Warensegmente anbiete, sei man skeptisch, sagt Sprecherin Michaela Strube. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Menschen schon seit längerer Zeit nicht mehr vor Ort einkaufen könnten, halte man es nicht für zielführend, bestimmte Personengruppen auf bestimmte Zeiten zu beschränken. „Das könnte zu Unmut führen“, sagt Strube. In Posthausen setzt man auf eine Öffnung mit beschränkter Kundenzahl. Sommer und Herbst hätten gezeigt, dass die Menschen genug Abstand gehalten haben „und sich nicht zu nah kamen“. Dadurch würde auch das Problem der Alterskontrolle wegfallen, das der Vorstoß des Ceconomy-Chefs mit sich brächte.

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Diese Bedenken teilt auch Carolin Reuther, Geschäftsführerin der City-Initiative. Zudem gebe es Risikopatienten nicht nur im Seniorenalter, sondern auch unter jüngeren Leuten. Die seien dann durch die Zeitkorridore nicht geschützt. Sie sehe zwar, wie dringlich die Öffnung des Einzelhandels sei, aus ihrer Sicht gebe es bessere Ansätze dafür, etwa die Terminvereinbarung, so wie auch König sie vorschlägt. „Nicht zu vergessen“, sagt Reuther, „sind zudem die ohnehin schon geübten und gut funktionierenden Hygienekonzepte des Einzelhandels, die auch vor dem Lockdown gezeigt haben, dass sie funktionieren und ein sicheres Einkaufen ermöglichen.“

Karsten Nowak, Einzelhandelsexperte der Handelskammer, nennt den Vorstoß „einen weiteren Vorschlag von vielen“. Aus seiner Sicht kommt er zu früh. „Über solche Dinge könnte man vertieft nachdenken“, sagt er, „wenn die Politik die Grundlagen schafft.“

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Zur Sache

Studie: Wenig Risiko im Handel

Bei der Arbeit im Einzelhandel besteht keine erhöhte Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Demnach reichten die aktuellen Maßnahmen aus, um die Beschäftigten vor einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz zu schützen. Laut Analyse erkrankten zwischen Mitte März und Ende Oktober etwa 0,6 Prozent der Beschäftigten im Handel an Corona; in der Gesamtbevölkerung waren es 0,8 Prozent.

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