Made in Bremen Erfolgreich in der Nische

Die drittälteste Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland, Fides, beschäftigt mittlerweile über 300 Mitarbeiter, davon 200 an ihrem Hauptsitz in Bremen. Wie sie den großen Konkurrenten Paroli bietet.
27.04.2019, 19:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Ilias Subjanto

9. April 1919: Das Deutsche Kaiserreich ist ein halbes Jahr zuvor untergegangen, Wilhelm II. ins niederländische Exil geflohen. In Bremen haben rechtsextreme Freikorps gerade die neu gegründete Räterepublik blutig niedergeschlagen. In diesen Nachkriegswirren gründet die Deutsche Nationalbank Bremen die Fides Treuhand AG, da sie eine Gesellschaft zur Kreditprüfung und zur Durch­führung von Abschlussprüfungen bei den großen Bremer Aktiengesellschaften benötigt.

Auf den Tag genau 100 Jahre später überreicht der Hauptgeschäftsführer der Bremer Handelskammer Matthias Fonger zum Firmenjubiläum eine Urkunde. Er würdigt die tiefe Verwurzelung von Fides in der Region und am Standort Bremen, die besondere Bedeutung des Unternehmens als Arbeitgeber. Die laut Wirtschafts­prüferkammer drittälteste Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland beschäftigt mittlerweile über 300 Mitarbeiter, davon allein 200 an ihrem Hauptsitz in Bremen.

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„Bis 1950 waren wir die einzige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in ganz Bremen“, sagt der Wirtschaftsprüfer Carsten Wagener, der 2008 zum Partner bei Fides wurde. Über 1000 Mandanten betreut die Gesellschaft, die rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. Die individuelle Betreuung der Mandanten und die Qualität der Beratung ist den Geschäftsführern besonders wichtig. „Alle Partner sind auch operativ tätig“, sagt der promovierte Steuerberater Christoph Löffler. Intern bedeute dies flache Hierarchien, extern eine persönliche Nähe zu den Kunden – auch weil man in der Hansestadt direkt vor Ort und wie viele der Mandanten mittelständisch ausgerichtet sei.

Sein Kollege Jens-Uwe Nölle pflichtet ihm bei: Qualitativ sieht der Rechtsanwalt die Leistungen von Fides auf einer Höhe mit denen der sogenannten „Big Four“ der großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, Ernst & Young, KPMG und PricewaterhouseCoopers. In Bremen habe man die größte Steuerabteilung und müsse sich keineswegs vor den „großen“ Mitbewerbern verstecken.

Ein besonderer Nischenexperte

Was Fides aus seiner Sicht auszeichnet, ist die erfolgreiche Besetzung von Nischen. Hier hat man sich etwa auf Stiftungs- und Gemeinnützigkeitsrecht und auf Beratungen für Unternehmensgründungen im Ausland spezialisiert, zudem bietet eine Tochtergesellschaft seit 15 Jahren Leistungen im IT-Bereich an. In diesem Bereich hat Fides sich einen recht guten Namen gemacht: Beim Geldwäsche-Skandal um die „Panama Papers“ betraute die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Bremer Wirtschaftsprüfer mit der Analyse von insgesamt 1,5 Terabyte an Daten.

Ein besonderer Nischenexperte ist der Wirtschaftsprüfer Gerd-Markus Lohmann: Als Fachmann für das am 1. Januar 2019 eingeführte Verpackungsgesetz prüft er, ob die Entgelte, die von den Herstellern und Vertreibern von Verkaufsverpackungen im Rahmen dieses Gesetzes erhoben werden, ordnungsgemäß sind. Was von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, hat für den Handel durchaus große Bedeutung, geht es doch im deutschen Gesamtmarkt um Entgelte in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

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In den 100 Jahren Unternehmensgeschichte hat Fides seine Mandanten durch manche Finanz- und Wirtschaftskrise begleitet. Der Jurist Nölle sieht das pragmatisch: „Natürlich besteht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erhöhter Beratungsbedarf bei den Unternehmen. Krisen sind aber auch Chancen.“ Die aktuelle Debatte um den Brexit verfolgt er mit einigem Gleichmut, da es mittlerweile ohnehin schwierig sei vorherzusagen, was als nächstes passiert. Auch die Fides-Mandanten, die von einem EU-Austritt Großbritanniens betroffen wären, sähen diese Thematik eher gelassen, sagt Nölle.

In die Zukunft blicken die Geschäftsführer optimistisch. Eine Ausweitung des Geschäftsvolumens steht für sie an erster Stelle, aber auch eine Steigerung der Produktivität. Moderne Software und der Einsatz künstlicher Intelligenz soll die Belegschaft dazu befähigen, noch effizienter zu arbeiten. Laut Geschäftsführer Christoph Löffler wird aber auch in Zukunft menschliches Know-how gefragt sein. Dieses zu bekommen, sei gar nicht so einfach: Gerade im Buchhaltungsbereich herrsche großer Fachkräftemangel, gut ausgebildete Arbeitskräfte erhielten vor allem in der Industrie attraktive Stellenangebote.

Etwas Besonderes für das Bremer Musikfest

Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können, habe Fides in Sachen Work-Life-Balance kräftig aufgeholt, so Löffler – zum Beispiel bei der flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Auch Sozialleistungen wie zum Beispiel Firmenfitness und Fortbildungen seien für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Gerd-Markus Lohmann betont, dass ein gutes Arbeitsklima für Arbeitnehmer oftmals wichtiger sei als eine hohe Vergütung. Flache Hierarchien trügen bei Fides dazu ebenso bei wie eine „Politik der offenen Tür“ der Führungskräfte den Mitarbeitern gegenüber.

Zwar wird es zum hundertjährigen Jubiläum kein eigenes Event geben, dennoch erwartet die Hansestadt etwas Besonderes: Für das Bremer Musikfest, das Fides schon seit Jahren unterstützt, haben die Wirtschaftsprüfer den Opernstar Anna Netrebko engagiert. „Und bei diesem Auftritt werden wir mit unseren Mandanten auch mal etwas ausgedehnter feiern“, sagt Jens-Uwe Nölle.

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