272 Millionen Euro EWE macht wieder mehr Gewinn

Im ersten Halbjahr haben der Energiekonzern und dessen Bremer Tochter SWB mehr Gewinne eingefahren als im Vorjahr. Doch ein großes Projekt lässt immer länger auf sich warten.
27.08.2019, 13:32
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EWE macht wieder mehr Gewinn
Von Florian Schwiegershausen

Der Energie- und Telekommunikationsdienstleister EWE konnte im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn steigern. Ähnlich sieht es bei der Bremer Konzerntochter SWB aus. So stieg der EWE-Konzernumsatz von Januar bis Juni gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent auf knapp 2,95 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg im selben Zeitraum um 4,6 Prozent auf knapp 272 Millionen Euro an.

Nach einem mauen Geschäftsjahr 2018 konnte der Bremer Energieversorger SWB den Umsatz auf knapp 564 Millionen Euro steigern. Das entspricht einem Plus von 10,4 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2018. Als Grund hierfür gibt der Mutterkonzern EWE vor allem die gestiegenen Netzentgelte bei Wesernetz an. Außerdem konnte der Vertrieb eine Erhöhung der Strom- und Gaspreise durchsetzen – schließlich geht es in diesem Bereich auch um diverse bedeutende Firmengroßkunden. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern zeigte sich deutlich verbessert bei 41,7 Millionen Euro (6,0 Millionen Euro mehr als 2017). Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen mit mehreren technischen Störungen im Bremer Müllheizkraftwerk in Findorff zu kämpfen, was das Ergebnis bereits im ersten Halbjahr belastete. So ist die SWB ihrem diesjährigen Ziel etwas näher gekommen, das Vertriebsvorstand Timo Poppe im Mai so formuliert hatte: „Für 2019 rechnen wir wieder mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern zwischen 80 und 90 Millionen Euro.“

Warten auf das Kartellamt wegen der Glasfaser-Kooperation

Bei der geplanten Glasfaser-Kooperation mit der Deutschen Telekom muss die EWE immer noch auf das Okay vom Bundeskartellamt warten. Diese Freigabe verschiebt sich immer weiter. Anfangs wurde noch mit August gerechnet, nun ist die Rede davon, dass die Freigabe des Bundeskartellamts für das Vorhaben im Herbst erwartet wird. Die EWE und die Deutsche Telekom hatten im März 2019 einen Vertrag zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens Glasfaser Nordwest unterzeichnet, das über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu zwei Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investieren soll. Das Unternehmen soll bis zu 1,5 Millionen Haushalte und Unternehmensstandorte in Teilen Niedersachsens, Bremens und Nordrhein-Westfalens erschließen.

Bei der geplanten Veräußerung von 26 Prozent Anteilen an der EWE AG ist das Unternehmen nach eigenen Angaben weiterhin im Zeitplan. „Wir haben die Gespräche mit den verschiedenen Interessenten weitgehend abgeschlossen und erwarten in den kommenden Wochen die verbindlichen Angebote“, sagte der EWE-Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler. „Ich bin daher zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit unseren Anteilseignern noch in diesem Jahr zu einer Entscheidung kommen können.“

Mehr Beschäftigte wegen der Umstellung auf H-Gas

Die Zahl der Beschäftigten im EWE-Konzern stieg im ersten Halbjahr auf 8741 Mitarbeiter gegenüber 8372 Mitarbeiter im Vorjahreszeitraum an. Der Aufbau ergibt sich im Wesentlichen aus Projekten bei den Netzgesellschaften, der Marktraumumstellung von L- auf H-Gas sowie aus der Erweiterung des Konsolidierungskreises im Bereich Erneuerbare Energien. Während die SWB bereits im April mit der schrittweisen Umstellung auf das energiestärkere H-Gas begonnen hatte, ging es damit bei der Konzernmutter EWE erst vor gut einem Jahr los. Entsprechend braucht es die Techniker, um im gesamten Weser-Ems-Gebiet für die Umstellung die Geräte zu erfassen.

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Im Geschäftssegment Erneuerbare, Netze und Gasspeicher lag der Umsatz der EWE mit 410,3 Millionen Euro um fünf Prozent unter Vorjahresniveau. Der Rückgang lässt sich im Wesentlichen auf das gegeneinander Aufrechnen der EEG-Vergütung im Einspeisevergütungsmodell zurückführen. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern betrug im ersten Halbjahr knapp 206 Millionen Euro gegenüber rund 234 Millionen Euro im Vorjahr. Im Bereich Erneuerbare Energien wirkten höhere Winderträge des Offshore-Windparks Riffgat sowie Erträge aus Vertragsstrafen beim Bau des Offshore-Windparks Trianel II bei Borkum positiv. Des Weiteren konnte die EWE-Sparte Gasspeicher höhere Entgelte im Rahmen der Kavernenvermarktung erzielen.

Selbst gestecktes CO2-Ziel erreicht

Außerdem hat die EWE ihr 2014 selbst definiertes Ziel, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, vorzeitig erreicht. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die EWE einen im Vergleich zu 2018 um zehn bis 25 Prozent gestiegenen operativen Gewinn. Dies sei jedoch abhängig von den zu erwartenden speziellen Branchenentwicklungen, den politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen und dem intensiven Wettbewerb im Energiemarkt.

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