Auftaktkonferenz am Donnerstag „Forschungsstärke noch mehr für Wirtschaft nutzen“

Bremen soll eine neue Innovationsstrategie bekommen. Ein Interview mit dem Experten Gerd Meier zu Köcker zu den Zielen und Bremens Stärken.
29.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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„Forschungsstärke noch mehr für Wirtschaft nutzen“
Von Lisa Schröder

„Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ – das ist der Slogan Ihrer Wahlheimat Baden-Württemberg. Beschreibt der nicht genau das Gegenteil Ihrer Aufgabe, Schwerpunkte in der Wirtschaft zu setzen?

Gerd Meier zu Köcker: Ja. Wir haben alle begrenzte Mittel – Baden-Württemberg genauso wie Bremen. Wir müssen uns spezialisieren und Kräfte bündeln. Bremen ist in einigen Bereichen sehr weit vorne. Da kann die Innovationsstrategie einen Beitrag leisten, dass das mindestens so bleibt.

Bremen soll eine neue Innovationsstrategie bekommen. Was ist das Ziel?

Wir erleben eine digitale Transformation, stehen vor globalen Herausforderungen und der Pandemie. Das hat Auswirkungen auf Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, und darauf müssen wir mit einer neuen Innovationsstrategie reagieren. Außerdem ist sie Voraussetzung für Strukturfördermittel der EU für die nächste Periode bis 2027.

Was zeigt Ihre Bestandsaufnahme? Wo gibt es in Bremen unentdecktes Potenzial?

Ich erwarte nicht, dass wir auf völlig blinde Flecken stoßen. Dann hätte jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht. Uns geht es im Prozess darum, besser zu verstehen, was wir herausgefunden haben, um es dann besser zu adressieren. Uns hat zum Beispiel positiv überrascht, dass Bremen im Bereich Messtechnik extrem gut aufgestellt ist – nicht nur bei der Meeresforschung. Das wollen wir unter anderem besser verstehen.

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Innovation lässt sich nicht anordnen. Forschung und Wirtschaft sind die Treiber. Was kann eine Strategie überhaupt leisten?

Sie haben recht. Die Aufgabe der Politik ist es aber, Rahmenbedingungen zu setzen. Die Innovationsstrategie soll dabei etwa Wissenschaft und Wirtschaft noch besser zusammenbringen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Bremer Forschungsakteure sehr stark sind. Die Frage ist also: Wie kann diese Stärke hier noch besser für die Wirtschaft genutzt werden?

Es geht um den Wissenstransfer – bei dem Deutschland nicht immer glänzte ...

Sagen wir es so, es gibt viele innovative kleine und mittelständische Unternehmen, die an diesem Transfer beteiligt sind. Bis sie so wachsen, dass wir einen Beschäftigungseffekt für die Region haben, müssen wir aber einen langen Atem haben. Großunternehmen in Bremen sind dagegen oftmals an diesen Transferprozessen wenig beteiligt.

Wozu braucht es eine Innovationsstrategie?

Bremer Akteure sollen noch stärker neue Ideen in Produkte überführen können. Das ist die Definition von Innovation, eine Idee erfolgreich zu vermarkten. Innovation soll außerdem zukünftig nicht nur den Unternehmen zugutekommen, sondern im Idealfall einen Beitrag zur Lösung globaler Herausforderungen leisten.

Viele Menschen fordern, dass Wirtschaft sich verändern muss – etwa angesichts des Klimawandels. Das muss mitgedacht werden?

Absolut. Viele Forschungsthemen in Bremen sind übrigens sehr ökologisch und sozial orientiert. Da ist Bremen deutlich weiter als andere Bundesländer.

Was bedeutet Corona für Ihre Arbeit?

Wir müssen Corona berücksichtigen, die Strategie ist aber bis 2027 ausgelegt. Hoffentlich haben wir die Pandemie dann überwunden. In Bezug auf das Innovationsgeschehen stellen wir fest, neben aller Ernsthaftigkeit und Tragik der Krankheit, dass viele Innovationsprozesse beschleunigt werden. Das gilt für die Nachhaltigkeitsdiskussion, die digitale Transformation und den Einsatz von Schlüsseltechnologien wie künstlicher Intelligenz. Corona macht all das schneller.

Bremen ist Ihre Heimatstadt. Wie lange haben Sie hier gelebt?

In Bremen bin ich geboren. Mein Vater hat an der ersten Ariane-Rakete mitgebaut. Da war ich als Kind ganz stolz. Wir sind nach ein paar Jahren nach Berlin gezogen. Es freut mich, zurückzukommen – auch wenn ich mich nicht mehr an viel erinnern kann. Außerdem ist Bremen als Stadtstaat spannend, weil es ganz andere Innovationsherausforderungen gibt als in einem eher ländlich geprägten Bundesland.

Info

Zur Person

Gerd Meier zu Köcker ist Experte für Innovations- sowie Clusterpolitik und gehört zur Leitung des Instituts für Innovation und Technik in Berlin. Der gebürtige Bremer lebt in Stuttgart.

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Zur Sache

Startschuss im Netz

An diesem Donnerstag gibt es eine Auftaktrunde zur Innovationsstrategie für 2030. Neben Gerd Meier zu Köcker spricht auch Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Für die Videokonferenz im Netz ab 16 Uhr können sich Interessierte unter www.bremen-innovativ.de/innovationsstrategie-2030 anmelden.

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