ZDF-Doku "Piraten in Nadelstreifen" Faule Schiffskredite: Welche Verantwortung haben Reedereien und Landesbanken?

Wie konnte es zur Schiffskrise kommen? Welche Verantwortung haben Reedereien und die Landesbanken? Eine Doku des ZDF geht diesen Fragen nach und recherchiert dafür auch in Bremen.
30.01.2018, 22:06
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Faule Schiffskredite: Welche Verantwortung haben Reedereien und Landesbanken?
Von Lisa Schröder

Das Kapitel Schiffskredite ist längst nicht abgeschlossen – vor allem für die Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Denn es geht um Forderungen in Milliardenhöhe. Faule Schiffskredite belasten die HSH Nordbank und NordLB bis heute. Im Rückblick stellen sich immer noch viele Fragen. Wie konnte es dazu kommen, dass die Landesbanken in Norddeutschland Kredite für viel zu viele Schiffe an die Reedereien vergaben? Und warum griffen Politiker in Kontrollgremien der Geldhäuser deshalb nicht früher ein?

Autor Michael Cordero macht sich in seiner Dokumentation „Piraten in Nadelstreifen“ auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen. Der Film beginnt nicht irgendwo in Hamburg, sondern am Hafen. Denn der ist für den Autor „eine Kulisse für den vielleicht größten Bankraub aller Zeiten.“

Schieflage der Bremer Landesbank

Seine Recherche bringt Cordero nicht nur nach Hamburg und Kiel, sondern auch nach Bremen. Denn wegen fauler Schiffskredite geriet die Bremer Landesbank in Schieflage und verlor schließlich ihre Eigenständigkeit. Die langjährige Aufsichtsratsvorsitzende der BLB war Finanzsenatorin und Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne). Die Bremer Landesbank habe sich in Bezug auf die Schiffskredite verkalkuliert, sagt sie in der Dokumentation. Das Risiko der Geschäfte hätten die BLB und andere schiffsfinanzierende Banken nicht erkannt und vor allen Dingen zu viele von ihnen abgeschlossen. „Und das haben wir gewusst, dass das nicht gut ist und man sehen muss, dass man davon runterkommt.“ Das hohe Risiko einzugehen, sei eine Fehleinschätzung der Bank gewesen. Linnert ergänzt jedoch zugleich: „Schuldfragen – mich interessieren die nicht so übermäßig.“

Lesen Sie auch

Bremen ist das Problem der faulen Schiffskredite nach der kompletten Übernahme der Landesbank durch die NordLB mit Sitz in Hannover los. Die milliardenschweren Auswirkungen für Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein sind dagegen weiter offen. Die Staatsverschuldung in Hamburg und Schleswig-Holstein, zeigt die Dokumentation, steigt wegen der HSH Nordbank entgegen des Trends. Der Kernhaushalt sei erfolgreicher als in anderen Bundesländern, sagt Peter Tschentscher, Hamburgs Finanzsenator (SPD), im Interview mit Cordero. Doch die Schulden der Landesbank seien zu tragen: „Die alten Lasten der HSH Nordbank erreichen uns eben eines Tages.“ Die HSH Nordbank muss bis Ende Februar 2018 abgewickelt werden.

Rettung der Bank belastet die Staatskasse

In Kiel trifft Cordero Werner Marnette. Er hält es für einen Skandal, dass der Bürger für die Rettung der Bank zahlen muss. Die HSH Nordbank habe über Jahre Risikogeschäfte abschlossen, sagt Marnette. Die Rettung der Bank belaste nun die Staatskasse. Kurzzeitig war Marnette Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, trat von diesem Posten aber zurück. Das Krisenmanagement der Regierung habe er nicht ertragen.

Die Dokumentation zeigt spannend, wie Banken, Politiker und Reedereien auf die fatale Entwicklung zurückblicken – und wie die Akteure heute mit deren Folgen umgehen. Als Ursache für die Krise sehen Vertreter der Schiffsbranche die Entwicklung auf dem Weltmarkt. Denn die Nachfrage sei entgegen der Erwartungen gesunken. Doch der Bremer Anwalt Jan-Henning Ahrens hält diese Argumentation für falsch: „Die Krise resultiert einzig und allein aus dem Bestellverhalten der Reeder und aus der immens hohen Fremdkapitalquote.“ Aus heutiger Sicht müsse man sagen, dass die Landesbanken entweder gar nicht oder ohne Sackkenntnis geprüft hätten.

Lesen Sie auch

Nur einen kurzen Auftritt im Film hat Bertram Rickmers, dessen traditionsreiche Hamburger Reederei insolvent war und von der Bremer Zeaborn-Gruppe des Unternehmers Kurt Zech gekauft wurde. Die Aufnahme ist aus dem Jahr 2013. Rickmers findet damals eine knappe Erklärung, warum es in seiner Branche Probleme gibt: „Gier frisst Hirn.“

Die Dokumentation „Piraten in Nadelstreifen. Wie Reeder, Banker und Politiker den Steuerzahler ausnehmen“ ist an diesem Mittwoch um 22.45 Uhr im ZDF in der Reihe Zoom zu sehen. Die ARD zeigt zur Krise der Reeder zudem am 19. März die Produktion „Schiffe versenken“ von Radio Bremen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+