Sanierung schreitet voran „Gorch Fock“ aus dem Wasser gehoben

Am Donnerstag ist die „Gorch Fock“ trockengelegt worden: Aus der Weser ging es für das Marineschulschiff bei der Fassmer-Werft an Land. Vor Ort soll der Segler unter anderem seine weiße Farben bekommen.
11.07.2019, 19:32
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Barbara Wenke und Thomas Struk

Die Sanierung des Marineschulschiffs „Gorch Fock“ erreicht die nächste Etappe. Der Traditionssegler wurde am Donnerstag bei der Fassmer-Werft in Berne (Landkreis Wesermarsch) aufs Trockene gelegt. In Berne soll das Schiff nun Außenbordsdurchlässe, Kabel und Rohre sowie seinen traditionellen weißen Anstrich erhalten.

Bis das Schiff richtig positioniert war, vergingen am Donnerstagvormittag nur wenige Augenblicke. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir in zehn Minuten im Docklift sind“, sagte der zuständige Kommandant Nils Brandt, der den Vorgang von Deck aus verfolgte. Der Segler wurde von seinem Liegeplatz in der Weser von zwei Schleppern auf eine Art Hebebühne manövriert, die ihn dann aus dem Wasser beförderte. Bis Sonnabend wird die „Gorch Fock“ im Außenbereich gereinigt, danach in die Schiffbauhalle verschoben. Die für die Sanierung zuständige und mittlerweile insolvente Elsflether Werft hat die Fassmer-Halle für 100 Tage gemietet. Wo anschließend die Masten des Schiffs gestellt werden, ist noch offen.

Schiff wird leichter

Kommandant Brandt zeigte sich froh darüber, dass die Arbeiten am Schulschiff vorangehen. Eine der größten Neuerungen wird an der Takelage des Großseglers vorgenommen. „Durch neues Material für die Takelage wird die ,Gorch Fock' leichter werden, sodass wir 30 bis 40 Tonnen weniger Ballast brauchen.“ Um das Schiff in Position zu halten, braucht es nämlich ein entsprechendes Gegengewicht. Weil die „Gorch Fock“ leichter wird, verringert sich auch ihr Tiefgang auf unter fünf Meter. „Dadurch werden die Rollbewegungen des Schiffes weicher, weil der Hebelarm sich vergrößert.“

Seit fünf Jahren ist Nils Brandt Chef auf der Brücke des Schulschiffs. Allerdings ist er selbst mit der weißen Dreimastbark nur eineinhalb Jahre zur See gefahren. Seit dreieinhalb Jahren liegt der Großsegler im Dock. Die Crew lebt auf einem Wohnschiff an ihrer Seite. Zurzeit befindet sich das Wohnschiff noch bei der Elsflether Werft. Überflüssig sind der Kommandant und seine Crew für den Segler zurzeit aber nicht. Sie begleiten die Instandsetzungsarbeiten fachlich. „Die ,Gorch Fock' ist ein Unikat“, betonte Brandt. Aufgrund zahlreicher Berechnungen am 3D-Modell wüssten er und seine Crew, wie das „Puzzle Gorch Fock“ wieder zusammengesetzt wird.

Heimathafen Kiel

Das halb fertiggestellte Schiff war Ende Juni von Bremerhaven in Richtung Berne geschleppt worden. Im Herbst 2020 soll die 61 Jahre alte Dreimastbark wieder segeln. Das Bundesverteidigungsministerium hatte beschlossen, die Sanierung trotz der aus dem Ruder gelaufenen Kosten zu vollenden. Sie sollen nun 135 Millionen Euro nicht mehr übersteigen. Auf dem Schiff bildet die Marine ihre Offiziersanwärter aus, Heimathafen ist Kiel.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+