Reederei übernimmt 30 Prozent von Terminals

Hapag-Lloyd steigt bei Jade-Weser-Port mit ein

Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd beteiligt sich am Jade-Weser-Port und übernimmt 30 Prozent am Container Terminal Wilhelmshaven. Dieser Anteil gehörte bislang der dänischen Reederei Maersk. Was das bedeutet.
28.09.2021, 09:48
Lesedauer: 4 Min
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Hapag-Lloyd steigt bei Jade-Weser-Port mit ein
Von Peter Hanuschke

Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Container-Reederei der Welt, beteiligt sich am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Das hat die Hamburger Reederei an diesem Dienstag offiziell mitgeteilt. Hapag-Lloyd wird an Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen nach eigenen Angaben 30 Prozent der Anteile vom Container Terminal Wilhelmshaven (CTW) übernehmen sowie 50 Prozent am Rail Terminal Wilhelmshaven (RTW). Der Terminalbetreiber Eurogate aus Bremen, an dem die Hansestadt über die BLG Logistics Group zur Hälfte beteiligt ist, wird weiterhin die verbleibenden Anteile halten. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Vorbehaltlich der Genehmigung durch die Kartellbehörden wird der Abschluss der Transaktion innerhalb weniger Monate erwartet.

Dass die Reederei über eine Beteiligung nachdenkt, ist seit Wochen bekannt. So hatte es der Hapag-Lloyd-Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen Anfang September dem WESER-KURIER erneut bestätigt: Man prüfe, ob eine Beteiligung sinnvoll sei. Und das ist sie nun offenbar aus Sicht der Reederei. Bei der 30-Prozent-Beteiligung handelt es sich um die Anteile, die bislang von Maersk gehalten wurden, der weltweit größten Container-Reederei aus Dänemark.

Der Deal löste bei allen Beteiligten eine große Zufriedenheit aus: „Eurogate begrüßt den geplanten Gesellschafterwechsel beim Eurogate-Container-Terminal Wilhelmshaven und Rail-Terminal-Wilhelmshaven von APMT zu Hapag-Lloyd", sagte Thomas Eckelmann, Vorsitzender der Eurogate-Gruppengeschäftsführung. Mit APM Terminals ist ein internationales Betreiberunternehmen für Containerterminals gemeint, das zur Maersk-Gruppe gehört. Eckelmann ergänzte: "Wir bedanken uns bei unserem Gründungspartner APMT für die langjährige Zusammenarbeit, die nach dem geplanten Verkauf der APMT-Anteile an die Hapag-Lloyd AG mit Maersk Line als Kunde in Wilhelmshaven fortbestehen wird."

Der Jade-Weser-Port, der 2012 in Betrieb ging, ist seitdem nie richtig in Fahrt gekommen. In den ersten Betriebsjahren wurden nur 25 Prozent der möglichen Kapazitäten ausgeschöpft. Anteilseigener an dem Hafen sind die Bundesländer Niedersachsen mit 50,1 Prozent und Bremen mit 49,9 Prozent. Nach dem zögerlichen Start hatte sich der Umschlag zwischen 2016 und 2018 positiv entwickelt. Er lag bei 480.000 beziehungsweise 657.000 Standardcontainern (TEU). 2019 war er auf 644.000 TEU zurückgegangenen. Und im Coronajahr 2020 stürzte der Umschlag um 33,8 Prozent auf 423.200 TEU ab.

Eckelmann geht davon aus, dass der Tiefwasserhafen nun Fahrt aufnehmen werde: Mit dem neuen Partner und Kunden Hapag-Lloyd AG sei man überzeugt, "dass der Tiefwasserhafen Wilhelmshaven damit nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung zu immer größeren Containerschiffen in den kommenden Jahren eine sehr gute Wachstums-Perspektive für die Eurogate-Terminals in Deutschland bekommt."

Bei der Entwicklung zu den Großcontainerschiffen macht auch Hapag-Lloyd mit: Insgesamt zwölf Frachter mit einer Ladekapazität von bis zu 23.500 TEU hat die Reederei in den vergangenen Monaten bei der koreanischen Werft Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering in Auftrag gegeben. Sie sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2023 ausgeliefert werden. Problem bei diesen Schiffen: Sie könnten von der Höhe her nicht unter der Köhlbrandbrücke durchfahren. Das Container-­Terminal Altenwerder, an dem Hapag-Lloyd mit 25,1 Prozent beteiligt ist, liegt allerdings dahinter. Ob die Reederei künftig kleinere Schiffe nach Altenwerder umrouten will, ist nicht bekannt. Welche Gesamtstrategie Hapag-Lloyd mit der Beteiligung am Jade-Weser-Port (JWP) verfolgt, will Habben Jansen noch in dieser Woche vorstellen.

 „Ich freue mich sehr, dass die Reederei Hapag-Lloyd das große Potenzial von Deutschlands einzigem Container-Tiefwasserhafen zu schätzen weiß und es nutzen möchte", sagt Holger Banik. Er ist der Geschäftsführer von Niedersachsen Ports und von der Jade-Weser-Port-Realisierungs GmbH. Der JWP biete mit seiner modernen Infrastruktur und der Suprastruktur des Terminalbetreibers ideale Voraussetzungen für die Abfertigung auch der Hapag-Lloyd-Großcontainerschiffe. Diese Hafeninfrastruktur gelte es nun, in bewährter Zusammenarbeit mit Eurogate weiterzuentwickeln.

Niedersachsens Wirtschaftsminister und Aufsichtsratsvorsitzender der Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft, Bernd Althusmann (CDU), begrüßt auch die unternehmerische Entscheidung von Hapag-Lloyd: „Es freut mich besonders, dass die stolze, in Hamburg ansässige und weltweit fünftgrößte Reederei Hapag-Lloyd sich dafür entschieden hat, nicht nur die Vorteile des Jade-Weser-Ports wie die tideunabhängige Wassertiefe von 17,50 Meter, die kurze Revierfahrt und die sehr guten Hinterlandanbindungen für das Transportgeschäft mit Blick auf die im Zulauf befindlichen Großcontainerschiffe zu nutzen, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung des Terminalbetriebs in Wilhelmshaven als Anteilseigner aktiv zu gestalten." In der Zusammenarbeit einer Hamburger Reederei mit einem bremischen Terminalbetreiber am bremisch-niedersächsischen Gemeinschaftsprojekt Jade-Weser-Port sehe man zudem große Chancen für den Hafenstandort Deutschland. "Die Containerseehäfen in der deutschen Bucht gewinnen damit insgesamt an Attraktivität". Diese Beteiligungsentscheidung werde die deutschen Seehäfen im internationalen Wettbewerb mit den Westhäfen stärken. "Von dieser Zusammenarbeit kann die deutsche maritime Wirtschaft nur profitieren.“

"Der Einstieg von Hapag-Lloyd, der größten deutschen Reederei, beim Jade-Weser-Port zeigt einmal mehr, dass die strategische Beteiligung Bremens am deutschen Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven richtig war und richtig bleibt", so Bremens Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD). "Bremen war klar, dass die Schiffe der Reedereien zukünftig immer größer werden würden mit immer mehr Tiefgang, eine Entwicklung, die noch nicht abgeschlossen ist." Diese Schiffe bräuchten Tiefwasserhäfen und deshalb brauche Deutschland den JWP.

Zur Sache

Durch die Beteiligung Hapag-Lloyds am Jade-Weser-Port würde Hamburg letztlich doch noch zumindest zum Teil an Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen beteiligt sein: Denn die Stadt ist mit 13,9 Prozent an der Reederei beteiligt. Ursprünglich wurde der Jade-Weser-Port, der knapp eine Milliarde Euro gekostet hat, gemeinsam von Niedersachsen, Bremen und Hamburg geplant. 2002 hatte sich Hamburg dann aber von dem Gemeinschaftsprojekt verabschiedet.

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